Nasa: Ist die Mars-Sample-Return-Mission schon jetzt gescheitert?

Seit 2021 befindet sich der Mars-Rover Perseverance auf dem roten Planeten und sammelt Gesteins- und Staubproben ein. Sie sollen mit der Mars-Sample-Return-Mission zur Erde gebracht werden. Doch ob die Mission tatsächlich wie geplant stattfinden wird(öffnet im neuen Fenster) , steht in den Sternen. Denn laut Nasa wurden während der Planung zahlreiche Fehler gemacht, die die Mission gefährden könnten.
Eigentlich soll die Raumfahrtmission 2028 starten, damit 2033 die ersten Proben zur Erde geschickt werden können. Allerdings glaubt bei der Nasa anscheinend niemand mehr an einen Start im Jahr 2028. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint sogar 2030 ein Fernziel zu sein.
Wird die Marsprobenrückführung die teuerste Raumfahrtmission werden?
Zudem droht die Mission kostentechnisch offenbar zu explodieren. Nachdem die Raumfahrtbehörde im diesjährigen US-Bundeshaushalt 822 Millionen US-Dollar für die Marsprobenrückführung erhalten hatte, forderte sie für das Haushaltsjahr 2024 949 Millionen. Selbst das Weltraumteleskop James Webb (JWST) kostet jährlich weniger.
Ein Grund für die steigenden Kosten sind anscheinend Fehler in der frühen Planungsphase am Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa. Das ursprüngliche Konzept sah vor, alles mit einem einzigen Lander zu transportieren. Dazu gehörte auch ein kleiner Rover, der die Proben von Perseverance einsammeln sollte. Doch gab es unter anderem Probleme bezüglich der Masse der Landebeine.
Mars-Sample-Return: Maßlos überschätzt?
Also wurde die Mission umgeplant. Eine zweite Landefähre kam hinzu, was die Kosten um mehr als 1 Milliarde US-Dollar erhöhte. Das JPL ist für seine erfolgreichen Missionen bekannt, doch in den letzten Jahren übernahm sich das Zentrum offenbar. So mussten auch Missionen wie Psyche verschoben werden, weil die Arbeitsbelastung zu hoch war und die nötigen Ressourcen fehlten.
Nun soll Mars-Sample-Return die größte Mission des JPL werden. Eines der Hauptprobleme ist dabei offenbar, dass das JPL noch nie ein Landefahrzeug in dieser Größenordnung selbst gebaut hat. Mit einer Masse von 3,4 Tonnen ist er weitaus größer als alles, was irgendeine Raumfahrtbehörde bisher auf dem Mars gelandet hat.
Nach Angaben der Nasa wird das Landegerät im voll ausgefahrenen Zustand 7,7 Meter breit und 2,1 Meter hoch sein - etwa so groß wie eine Doppelgarage. Ein großer Teil dieser Masse wird aus Treibstoff bestehen, da das Landegerät sehr nahe am Perseverance-Rover landen muss. Die Ausmaße von Perseverance ähneln dagegen denen eines SUV.
Die Mars-Sample-Return-Mission ist aber nicht die einzige Mission des JPL. Die Jupiter-Mission Europa-Clipper soll im Oktober 2024 starten und im April 2030 am Gasriesen ankommen. An dieser Mission wird ein erheblicher Teil der JPL-Beamten beteiligt sein. Das könnte dazu führen, dass sich die Probenrückführung am Mars weiter nach hinten verschieben und jährlich eine Milliarde Dollar verschlingen wird.
Gelder dürfen nicht abgezogen werden
Das Problem daran ist, dass andere Projekte nicht darunter leiden dürfen. In der im vergangenen Jahr veröffentlichten Decadal-Studie(öffnet im neuen Fenster) heißt es beispielsweise, dass die Nasa das Geld nicht von anderen Planetenprogrammen abziehen sollte, wenn die Kosten für die Probenrückführungsmission ansteigen.
Natürlich ist das nur eine empfohlene Richtlinie, jedoch wollte man entsprechende Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Die Entwicklung des JWST hatte ein ganzes Jahrzehnt lang den größten Teil des Astrophysik-Budgets verschlungen. Das war ein erheblicher Nachteil für andere Projekte.
Die Veritas-Mission zur Venus hat sich schon jetzt um drei Jahre verzögert; und die Dragonfly-Mission zum Saturnmond Titan erhält weniger Geld, als sie für einen rechtzeitigen Start benötigt. Auch eine Mission zum Uranus wird sich um unabsehbare Zeit verschieben.
Die Mission streichen oder umgestalten?
Um die Kosten zu senken, könnte die Nasa erwägen, den Auftrag dem JPL zu entziehen und ihn öffentlich auszuschreiben, erklärte der ehemalige Leiter der wissenschaftlichen Nasa-Programme, Thomas Zurbuchen. Jedoch gibt er zu bedenken, dass das in diesem fortgeschrittenen Stadium keine gute Idee sei.
Da sich die Mission verzögere, sei nicht sicherzustellen, dass Perseverance in zehn Jahren noch einwandfrei funktionieren werde. Deswegen wurden bei der Planung der Probenrückfuhr-Mission zwei Ingenuity -ähnliche Hubschrauber vorgesehen. Die beiden Mini-Hubschrauber könnten in diesem Fall die Proben einsammeln.
Ars Technica zitiert eine interne Quelle(öffnet im neuen Fenster) , die es für überflüssig hält, jetzt schon für einen Ausfall von Perseverance zu planen, der vielleicht nie eintreten werde. "Das hat noch keine Robotermission zuvor getan. Wenn Perseverance in fünf Jahren etwas zustößt, sollte man sich nicht dann darum kümmern, wenn es so weit ist?"
Die Nasa könnte die Pläne anpassen und die beiden Hubschrauber streichen. Vielleicht würde das den Preis nicht um zehn Milliarden US-Dollar ansteigen lassen. Zurbuchen wünscht sich, dass dies gut durchdacht wird - selbst wenn es zur Folge hat, dass die Mission vertagt wird.
Wobei sich die Nasa diese Blöße vielleicht gar nicht geben will. Immerhin wird das Raumfahrtprogramm Chinas zur immer größeren Konkurrenz . Mit ihrer ersten Mars-Mission konnten die Chinesen bereits einen kleinen Rover auf der Marsoberfläche landen.
Auf dem Mond soll eine Bodenstation entstehen , auch eine Marsproben-Rückführungsaktion(öffnet im neuen Fenster) plant das Land. Die USA und China befinden sich in einem Weltraumwettrennen und es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinigten Staaten dieses Rennen verlieren wollen.



