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Nasa: Das Artemis-Programm soll nachhaltiger werden

Bisher ist das Orion-Raumschiff des Artemis -Projekts der Nasa mit der Megamondrakete SLS gestartet. Das könnte sich ändern.
/ Patrick Klapetz
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Artemis-Start mit der SLS-Mondrakete am 16. November 2022 (Bild: Nasa, Joel Kowsky)
Artemis-Start mit der SLS-Mondrakete am 16. November 2022 Bild: Nasa, Joel Kowsky

Was einst undenkbar war, scheinen jetzt die US-amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa und der Raumfahrt- und Rüstungskonzern Lockheed Martin doch zu erwägen. Das Orion-Raumschiff der Artemis-Missionen könnte zukünftig mit einer anderen Rakete zum Mond aufbrechen(öffnet im neuen Fenster) . Bisher war nur die Megamondrakete SLS (Space Launch System) dazu in der Lage, das Raumschiff in den Weltraum zu befördern. Jedoch kostet ein einziger Start ungefähr 4,1 Milliarden US-Dollar.

Boeing, das Unternehmen, das die SLS baut, hat sich bereits mit dem Antritt der neuen Trump-Regierung auf die Einstellung des SLS-Programms vorbereitet . Jedoch scheint die Produktion für den Bau der Rakete bis Artemis IX bereits zu laufen. Für die fast zwei kommenden Jahrzehnte sollten die SLS und das Orion-Raumschiff gemeinsam ins All aufbrechen. Nun gibt es jedoch Anzeichen dafür, dass sich Nasa und Lockheed Martin in nicht allzu ferner Zukunft trennen könnten(öffnet im neuen Fenster) .

Neuausrichtung von Artemis und seiner Mondrakete?

Lockheed Martin bereitet sich nämlich auf die zukünftige Nutzung des Orion-Raumschiffs für kommerzielle Weltraumanwendungen vor(öffnet im neuen Fenster) . Der Konzern gehört zu den Hauptkonstrukteuren der Raumkapsel. Die Unternehmensvertreter seien dazu bereit, das Orion-Raumschiff der Nasa als Dienstleistung anzubieten, falls die Behörde dazu bereit wäre. Damit würde die Nasa das Raumschiff zwar nicht mehr besitzen, sie müsste es aber auch nicht betreiben.

Seit der US-Kongress vor anderthalb Jahrzehnten die Entwicklung der SLS-Rakete forderte, wurden Orion und diese Rakete immer gemeinsam diskutiert. Sie bildeten das Rückgrat einer Einwegarchitektur, mit der Menschen zum Mond gebracht und in Orion zur Erde zurückgebracht werden sollen.

Ende? Fortsetzung? Die Ungewissheit beim SLS-Programm

Im Rahmen von Cost-Plus-Verträgen würde die Nasa die Kosten für den Bau der Raketen und Raumfahrzeuge übernehmen, den gesamten Prozess genau überwachen und die Fahrzeuge nach der Auslieferung betreiben. Doch mit dem von Präsident Donald Trump beantragten Haushaltsantrag für das Geschäftsjahr 2026 würde die Finanzierung für Orion und die SLS-Rakete nach der Artemis-III-Mission eingestellt.

Der Kongress konterte mit der Forderung, dass die Nasa den Betrieb des Raumschiffs und der Rakete bis Artemis V fortsetzen solle. Es ist also unklar, wohin sich das SLS-Orion-Paket genau bewegen wird. Ein Ende scheint jedoch immer realistischer zu werden.

Das Orion-Raumschiff könnte zukünftig laut Anthony Byers, Direktor für Strategie und Geschäftsentwicklung bei Lockheed Martin, für dienstleistungsbasierte Missionen eingesetzt werden. Der Konzern würde dann die Flüge von der Erde zum Zielort durchführen. Dort würde das Orion-Raumschiff andocken – etwa an der fliegenden Mondraumstation Lunar Gateway. Anschließend würde man die Besatzung wieder zur Erde bringen.

Schrittweise Wiederverwendbarkeit für Artemis-Raumfahrzeuge

Die Kosten des Raketenstarts sollten für die Wettbewerbsfähigkeit jedoch die Zwei-Milliarden-Dollar-Marke nicht überschreiten. Dafür müssen die Artemis-Komponenten wiederverwendbar werden. Dies soll schrittweise erfolgen, teilte Howard Hu, Orion-Programmmanager der Nasa, mit. Ab Artemis V sollen etwa 250 Komponenten, vor allem Lebenserhaltungs- und Avionikausrüstung aus Artemis II wiederverwendet werden.

Bei Artemis VI sollen die Primärstruktur (Druckbehälter) und Sekundärstrukturen (Verstrebungen, Verkleidungen, Halterungen, Platten) vom Orion-Raumschiff der dritten Artemis-Mission sowie circa 3.000 Komponenten wiederverwendet werden.

Zeitgleich plant Lockheed den Bau einer Flotte von drei weitgehend wiederverwendbaren Raumfahrzeugen, die jeweils bei den Missionen Artemis III, IV und V zum ersten Mal zum Einsatz kommen sollen. Diese drei Fahrzeuge würden dann auch auf zukünftigen Missionen fliegen.

Dagegen wird das von Airbus gebaute europäische Servicemodul (ESM), von dem Orion angetrieben wird, bei der Rückkehr zur Erde in der Atmosphäre zum Verglühen gebracht werden. Zudem muss nach dem Wiedereintritt auch das Hitzeschild für eine Folgemission erneuert werden. Vollkommen wiederverwendbar wird das Orion-Raumschiff wohl nie werden.

Noch keine Alternativraketen gefunden

Jedoch arbeitet Lockheed an der teilweisen Wiederverwendbarkeit – ist aber noch auf der Suche nach Alternativraketen. Einschließlich des Abbruchsystems hat Orion eine Startmasse von 35 Tonnen. Detaillierte Studien zu Vibrationen, Akustik, thermischen Belastungen und anderen Kompatibilitätsbewertungen müssen laut Kirk Shireman, Vizepräsident und Programmmanager für Orion bei Lockheed Martin, noch durchgeführt werden.

Von Artemis II bis V sollen die Produktionskosten vom Orion-Raumschiff um 50 Prozent gesenkt werden. Bei Folgemissionen könnten die Kosten um weitere 30 Prozent oder mehr fallen. Vielleicht gelingt es aber den privaten Raumfahrtunternehmen SpaceX oder Blue Origin, bereits vorher ein entsprechendes System aus Mondraumschiff und Startrakete zu entwickeln, das die Nasa eher überzeugt.


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