In Wahrheit ist es ein Problem, das nicht aufgetreten ist

"Es ist nicht so, dass wir etwas nicht offengelegt hätten. Wir wussten, dass wir einige Probleme hatten. Eines wurde durch eine Anomalie offensichtlich, das andere fanden wir durch eine Analyse, und wir wussten, dass wir mehr zu tun hatten. Also wollten wir nicht spekulieren. Und ich glaube nicht, dass Sie gewollt hätten, dass wir spekulieren und eine falsche Darstellung von dem liefern, was passierte", sagte Chilton. "Ich glaube nicht, dass ich es als etwas charakterisieren würde, das wir nicht offengelegt haben. Denn in Wahrheit ist es ein Problem, das nicht aufgetreten ist, und es ist schwierig, über Dinge zu spekulieren, die nicht passiert sind."

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Der dritte besprochene Fehler betrifft den Kommunikationsausfall zwischen Bodenkontrolle und Raumschiff nach dem Start. Der wurde nach dem Flug zuerst damit erklärt, dass sich das Raumschiff zwischen dem Empfangsbereich von zwei TDRS-Relaissatelliten befunden habe. Nach der Landung hieß es, dass die falsche Ausrichtung der Antenne durch die falsche Fluglage das Problem gewesen sei. Mulholland erklärte sie nun mit "einem erhöhten Grundrauschen über spezifischen geografischen Gegenden", die auch ohne die Lage- und Kursabweichung aufgetreten wäre.

Erst auf hartnäckiges Nachfragen mehrerer Journalisten, die in Antennenproblemen mögliche Probleme beim Andocken an die internationale Raumstation ISS sahen, wurde der zunehmend resigniert wirkende Mulholland deutlicher. Demnach entstanden die Störungen nach der bisherigen Einschätzung durch unbeabsichtigt aufgefangene Signale von Mobilfunksendern auf der Erde, nicht durch Störsignale, die vom Raumschiff selbst erzeugt wurden. Die Relaissatelliten konnten deshalb nur dann mit dem Starliner kommunizieren, wenn er nicht über bewohntes Gebiet mit Mobilfunksendern flog.

Eine Million Code-Zeilen müssen überprüft werden

Auf die Frage nach dem Ausmaß der Softwareprobleme und der notwendigen Korrekturen sagte Boeing-Vertreter Chilton, dass die gesamte Flugsoftware zusammen mit der Nasa überarbeitet und neu zertifiziert werden müsse. Die Software für das Raumschiff habe etwa eine Million Zeilen Code. Davon seien rund 66 Prozent während des unvollständigen Testfluges im Dezember ausgeführt worden. Mulholland sieht jetzt die Aufgabe von Nasa und Boeing nicht einfach nur darin, die Softwarefehler zu beheben, sondern die Prozessfehler beim Programmieren der Software zu identifizieren.

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Mulholland beschrieb den Entwicklungsprozess als eine reine Standardprozedur für die Softwareentwicklung: Er fängt an mit dem Aufstellen der Anforderungen an die Software und geht weiter mit dem Schreiben des Codes. Anschließend folgt ein Peer Review, in dem andere Programmierer den geschriebenen Code überprüfen. Danach geht es zum Unit-Testing, in dem einzelne funktionale Einheiten des Codes getestet werden, und anschließend kommen Integrationstests, nachdem der gesamte Code zusammengefügt wurde. Den Abschluss bilden die formalen Qualifikationstests.

Loverro ergänzte, bei der Ursachenforschung sei festgestellt worden, dass die Fehler entstanden seien, weil dieser Prozess von den Boeing-Mitarbeitern an mehreren Stellen umgangen worden sei. Sie hätten an mehreren Stellen während des Prozesses auffallen sollen. Nur weil der Prozess an so vielen Stellen durchbrochen worden sei, müsse nun der gesamte Code eingehend überprüfend werden. Bis dahin sei noch viel zu tun. Erst danach werde über die Notwendigkeit eines neuen Testflugs entschieden.

Schließlich wurde die Frage gestellt, welche systematischen Fehler es innerhalb der Nasa gab, damit es überhaupt zu den Zuständen bei Boeings Starliner kommen konnte. Wie solle die Nasa in den nächsten Jahren die Sicherheit viel ambitionierterer Vorhaben wie die geplanten Mondlandungen mit kommerziellen Landefähren garantieren können, wenn sie nicht einmal das schaffe? Loverro, der für diese Programme bei der Nasa verantwortlich ist, bedankte sich für die Frage und übte Selbstkritik an der Agentur.

Berichte über 737 MAX waren Anlass für Kontrollen

"Unsere Nasa-Aufsicht war unzureichend. Das ist offensichtlich. Das haben wir erkannt. Die Überprüfung ergab nicht nur Empfehlungen für Boeing, sondern auch für uns [die Nasa]", sagte Loverro. Die Nasa habe aber ohnehin geplant, viel mehr Einsicht in die Details der Mondlandefähren zu haben, denn Flüge zur ISS seien inzwischen in gewisser Weise Routine, anders als Flüge zum Mond. Dort sei ein Prozess mit begrenzter Aufsicht wie beim Commercial Crew Programm nicht geeignet.

In Bezug auf die systematischen Fehler sagte Loverro außerdem, wie es zu der anstehende Überprüfung der Sicherheitskultur des Raumfahrtprogramms von Boeing kam. Demnach hatten vor allem "Presseberichte über die Sicherheitskultur in anderen Bereichen von Boeing" den Ausschlag gegeben. Nach dem Absturz von zwei Boeing 737 MAX Flugzeugen wurden dort zahlreiche Probleme in Boeings Unternehmenskultur festgestellt. Dort wurde die begrenzte Aufsicht durch die Flugaufsichtsbehörde FAA kritisiert. Die Überprüfung soll der Nasa Anhaltspunkte liefern, wie es zu den Prozessfehlern überhaupt kam.

Nasa-Chef Bridenstine schloss mit der Anmerkung, dass er sich explizit bei den anwesenden Nasa-Mitarbeitern für ihre Transparenz bedanke. Er wisse das zu schätzen. Vor der Pressekonferenz habe er allen Beteiligten gesagt, sie sollten so transparent wie möglich sein und niemals Angst vor der Wahrheit haben.

Der Abschlussbericht wird erst Ende Februar erwartet.

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 Nasa: Boeing umging Sicherheitsprozeduren bei Starliner
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Legendenkiller 21. Feb 2020

ja, stimm soweit. Auchwenn ich mal irgenswo gehört hatte das die Flugzeugbauer das dank...

Olliar 19. Feb 2020

Den Begriff "Bananen Software - reift beim Kunden" gibt es schon lange. Die "Innovation...

Olliar 19. Feb 2020

Ah! Das erklärt, warum eine andere Quelle sagte, dass die nicht genug Kabel...

cu7003 13. Feb 2020

Warum erinnert mich das Artikelbild an "Kerbal Space Program"

danh 12. Feb 2020

Passt irgendwie zum Thema und bei dem was da angesprochen wird, kommt einem das dann gar...



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