Nano-Art: Die kleinste Statue der Welt kommt aus dem 3D-Drucker

Die Skulptur einer Frau auf einem Balken zeigt ein Foto auf den ersten Blick – bei genauem Hinsehen entpuppt sich der Balken als menschliches Haar. Die Statue sei "die kleinste Gestaltung der menschlichen Form in der Geschichte" , sagt der britische Künstler Jonty Hurwitz(öffnet im neuen Fenster) . Mit dem bloßen Auge ist sie nicht zu sehen.
Die Skulptur stellt einen Frauenakt dar, der linke Arm ist erhoben und der rechte nach hinten gestreckt. Sie ist etwa 100 Mikrometer hoch, die ausgestreckten Arme haben eine Spannweite von etwa 80 Mikrometern. Selbst in einem Nadelöhr nimmt sie sich noch winzig aus – der Betrachter braucht ein Rasterelektronenmikroskop, um das Kunstwerk bewundern zu können.
Kunststoff wird belichtet
Die Statue besteht aus Polymer und wurde per 3D-Druck hergestellt. Multiphotonen-Lithographie heißt das Verfahren, das dabei eingesetzt wurde. Dabei wird der lichtempfindliche Kunststoff belichtet und ausgehärtet.
Der Lichtstrahl müsse sehr genau durch ein Mikroskop fokussiert werden. Dann absorbiere das Polymer am Fokuspunkt zwei Photonen und bilde ein Voxel – einen dreidimensionalen Bildpunkt, sagt Hurwitz. Aus vielen solcher Voxel entsteht in stundenlanger Arbeit schließlich Lage für Lage die Skulptur. Es sei "Kunst, im wahrsten Sinne des Wortes erschaffen mit Quantenphysik" .
Eine Frau wird fotografiert
Ausgangspunkt für das Kunstwerk, das den Titel "Trust" trägt, war eine 3D-Datei einer Frau. Hurwitz hatte sie in einem Aufbau mit über 200 Kameras aufgenommen und die Bilder zu einem dreidimensionalen Modell montiert. Den 3D-Druck haben Forscher am Karlsruher Institut für Technologie erstellt.
Hurwitz' zweites Werk ist eine Nanokopie von Antonio Canovas Skulptur " Amor und Psyche(öffnet im neuen Fenster) ". Das Original im Louvre in Paris ist 1,55 Meter breit und 1,68 Meter hoch. Die Kopie kommt auf 100 Mikrometer in der Höhe und Breite. Hurwitz hat die Nanoskulptur "Cupid and Psyche – The first Kiss" auf dem Kopf einer Ameise platziert, um die Dimension zu verdeutlichen.
Handgemachte Miniskulpturen
Hurwitz ist nicht der einzige Künstler, der Skulpturen im Miniformat herstellt: Auch die Werke seines Landsmanns Willard Wigan(öffnet im neuen Fenster) passen in ein Nadelöhr. Verglichen mit den Werken von Hurwitz sind diese jedoch riesig: Sie sind zumindest mit dem bloßen Auge zu erkennen.
Allerdings baut Wigan seine Werke auch per Hand und nicht per 3D-Drucker. So hat er immerhin bewiesen, dass Kamele sehr wohl in ein Nadelöhr passen(öffnet im neuen Fenster) , und es ist ihm gelungen, Leonardo da Vincis berühmte Darstellung des letzten Abendmahls(öffnet im neuen Fenster) auf die Größe eines Nadelöhrs(öffnet im neuen Fenster) zu schrumpfen.
Leider wird niemand die Nanokunstwerke mehr betrachten können: Sie sind bei einer Vorführung an einer Universität verloren gegangen. Ein Mitarbeiter hatte sie versehentlich mit seinen Finger zerstört.



