• IT-Karriere:
  • Services:

Nahverkehr: Vergesst den Fahrplan!

Im schwäbischen Schorndorf bei Stuttgart stellt das DLR den öffentlichen Nahverkehr auf den Kopf. Busse verkehren dort in Zukunft nicht mehr nach Fahrplan, sondern nach Bedarf.

Artikel von veröffentlicht am
App zum Rufen des Busses: keine Leerfahrten mehr
App zum Rufen des Busses: keine Leerfahrten mehr (Bild: DLR/CC-BY 3.0)

Gehen Sie bitte weiter, sagt der Busfahrer. Nur: wohin im überfüllten Bus? Wohl dem, der in der Randzeit fahren kann. Dann fährt der Bus noch nach dem gleichen Takt wie zur Stoßzeit, der Fahrgast hat ihn aber für sich allein. Auch bei Regen bietet sich der Bus als Transportmittel etwa zum wichtigen Arzttermin an. Doch leider ist gerade einer weggefahren, und mit dem nachfolgenden ist der Termin nicht zu schaffen.

Inhalt:
  1. Nahverkehr: Vergesst den Fahrplan!
  2. Die Bürger reden mit

Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) ist eine praktische Einrichtung. Doch leider machen die Verkehrsbetriebe den Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel nicht immer leicht. Das System ist recht unflexibel, der Fahrgast muss sich dem Angebot anpassen und äußere Gegebenheiten wie etwa das Wetter können nur ungenügend berücksichtigt werden. Da steigen viele lieber gleich ins eigene Auto.

Wie aber wäre es, wenn der Bus kommt, wenn er gebraucht wird? Wenn er nicht seine Route abspult und eine Haltestelle nach der anderen ansteuert? Sondern die Passagiere dort einsammelt, wo sie sich gerade befinden?

Bus soll attraktiver werden

Was höchst ungewöhnlich klingt, ist das Konzept des Reallabors Schorndorf, eines Projekts des Bereichs Verkehr beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). In Schorndorf, einer Mittelstadt bei Stuttgart mit knapp 40.000 Einwohnern, sollen Busse in Zukunft nicht mehr nach Fahrplan, sondern nach Fahrgastaufkommen verkehren. Neben dem DLR und der Stadt Schorndorf sind noch die Hochschule Esslingen, das Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart (Zirius), Knauss Linienbusse und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) beteiligt. Versuche mit solchen Rufbussen gab es schon früher, etwa Ende der 1970er-Jahre in Friedrichshafen am Bodensee.

Stellenmarkt
  1. Hallesche Krankenversicherung a. G., Stuttgart
  2. BSH Hausgeräte GmbH, Giengen

"Wir entwickeln in Schorndorf ein haltestellenloses Quartiersbussystem", sagt Projektleiter Matthias Klötzke im Gespräch mit Golem.de. "Damit wollen wir die nächste Generation des öffentlichen Personennahverkehrs einläuten."

App ersetzt Fahrplan

Die Fahrgäste sollen den Bus rufen, wenn sie ihn brauchen. Über eine App melden sie dem System, wann sie wohin fahren möchten. Ein Computer berechnet aus den eingehenden Fahrtwünschen eine Route für den Bus und wann dieser losfahren muss. Dann teilt er den Passagieren mit, wann und wo sie den Bus bekommen. Das kann direkt vor der eigenen Haustür sein. Es kann aber auch sein, dass der Fahrgast ein kurzes Stück laufen muss.

Das System wird also eine Mischung aus Bus und Taxi sein. "Der Unterschied zum Taxi ist, dass ich nicht direkt von meinem Standort zum Zielpunkt gefahren werde, sondern dass auf dem Weg noch weitere Passagiere eingesammelt und abgesetzt werden können", sagt Klötzke.

Reaktionszeit muss kurz sein

Welchen Vorlauf das haben wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. "Wenn ich einen Fahrtwunsch eingebe und ich liege auf der Route, dann könnte das auch zwei Minuten vor der Ankunft des Busses noch klappen", sagt Klötzke.

Etwas mehr Vorlauf werden die Passagiere aber im Normalfall einkalkulieren müssen. Wie viel, das hängt unter anderem von der Dauer des Umlaufs, der Zahl der Busse und der Verkehrssituation ab. Auf keinen Fall dürfe es so sein, dass ein Fahrtwunsch Stunden vorher oder gar am Vorabend angemeldet werden müsse. "Wir versuchen, die Reaktionszeit, die wir brauchen, um die Routen festzulegen, so weit es geht zu minimieren."

Busse sollen nicht mehr leer fahren

Ein Ziel des Projekts ist, die zur Verfügung stehenden Busse effizienter einzusetzen. Das gilt vor allem für die Randzeiten. In Stoßzeiten, wenn Schüler und Pendler unterwegs sind, sind die Busse voll. In den Randzeiten oder am Wochenende hingegen sind sie oft weitgehend leer.

Außerhalb der Hauptverkehrszeiten sollen statt der großen Busse kleinere Fahrzeuge unterwegs sein, die für etwa 30 Passagiere ausgelegt sind. Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoller, als große Busse fahren zu lassen. Wird der Takt dem Bedarf angepasst und nicht umgekehrt, macht das den Bus zudem für die Schorndorfer attraktiver als bisher.

Das zumindest ist das Kalkül. Immerhin: Das Konzept wird nicht von oben verordnet.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Die Bürger reden mit 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Top-Angebote
  1. 679€ (inkl. 60€-Rabatt + 60€-Gutschein - Release: 01.06.)
  2. 1.199€ (Bestpreis)
  3. (u. a. Apple MacBook Air M1 13,3 Zoll 8GB 256GB SSD 7-Core GPU für 999€, Apple AirPods Pro für...
  4. (u. a. State of Mind für 2,50€, Animal Doctor für 11,99€, Where the Water Tastes Like Wine...

RvdtG 07. Jun 2016

Unter der Annahme, dass deine Zahlen stimmen fährst du eine...

RvdtG 07. Jun 2016

Die "Entzivilisation" der Fläche erleichtert eigentlich die Erfüllung von...

Kondom 06. Jun 2016

Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass die Fahrzeuge bei UberPool privat sind und...

Kondom 06. Jun 2016

Es sollte auf jedenfall getestet werden. Schon allein um festzustellen mit welchen Busgrö...

.02 Cents 06. Jun 2016

Ich find umziehen so schon mühsam ... all die Kartons mit dem Bus transporiteren ... ich...


Folgen Sie uns
       


Xiaomi MiTV Q1 im Test

Für das Streamen von Serien oder den Filmeabend zu Hause reicht der preiswerte Fernseher locker aus.

Xiaomi MiTV Q1 im Test Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /