Nachruf: Kraftwerk-Gründer Florian Schneider gestorben

Einer der Wegbereiter der elektronischen Musik ist im Alter von 73 Jahren gestorben.

Ein Nachruf von veröffentlicht am
Florian Schneider, bei einem Auftritt mit Kraftwerk im Jahr 2003 (1947 - 2020)
Florian Schneider, bei einem Auftritt mit Kraftwerk im Jahr 2003 (1947 - 2020) (Bild: Getty Images)

Wie so oft gilt der Prophet nichts im eigenen Land: Hierzulande wurden sie wegen ihres Outfits als musizierende Finanzbeamte belächelt und ihrer Klänge wegen geradezu gehasst. Im Ausland, vor allem dem angelsächsischen, hingegen galten Kraftwerk als Wegbereiter einer neuen Musik, auf die sich mehrere Musikergenerationen bezogen. Florian Schneider, einer der beiden Gründer, ist im April 2020 in Düsseldorf gestorben.

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Florian Schneider, eigentlich Florian Schneider-Esleben, wurde am 7. April 1947 geboren. Sein Vater war der bekannte Architekt Paul Schneider-Esleben, der in der Frühzeit der Bundesrepublik einige Bedeutung hatte. Unter anderem entwarf er den Flughafen Köln-Bonn. Sein Sohn Florian wollte das Werk des Vaters jedoch nicht weiterführen und beschloss stattdessen, nach dem Abitur Musik zu studieren.

1968 traf er Ralf Hütter, mit dem er die Gruppe Organisation zur Verwirklichung gemeinsamer Musikkonzepte, kurz: Die Organisation, gründete. Die Gruppe spielte experimentellen Krautrock noch auf konventionellen Instrumenten, Schneider unter anderem Querflöte. Zwei Jahre später, die Gruppe war inzwischen zum Quartett angewachsen, benannten die beiden Masterminds Hütter und Schneider sie in Kraftwerk um.

Erfolg mit einem Song über das Fahren auf der Autobahn

Auch hier herrschten erst noch konventionelle Instrumente vor. Erst auf der dritten Platte "Ralf und Florian" aus dem Jahr 1973 wurden elektronische Instrumente wie Synthesizer oder Rhythmusmaschinen dominanter. Endgültig durchgesetzt hatten sie sich bei der vierten Platte "Autobahn" (1974), dessen Titelstück eine 22-minütige Toncollage übers Autofahren war. In der heutigen Nomenklatur der Düsseldorfer wird diese Platte als die erste gezählt. Die Vorgänger "Kraftwerk" (1970), "Kraftwerk 2" (1972) und "Ralf und Florian" sind nicht mehr erhältlich.

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Während sie in Deutschland als zu teutonisch abgelehnt wurden, wurden sie in Großbritannien und den USA gefeiert. Die Fans waren begeistert von den Maschinenklängen, den Robotern, die die Musiker auf der Bühne ersetzten, und den Visionen einer technischen Welt aus Computern, Morsezeichen und sterilen Sinuswellen. Zu ihren bekanntesten Alben zählt "Die Mensch-Maschine" aus dem Jahr 1977, auf dem unter anderem das Stück "Die Roboter" zu finden ist. Fünf Jahr später, Anfang 1982, war "Das Model" ein Nummer-1-Hit in Großbritannien.

Von Mitte der 1980er Jahre an, nach dem Erscheinen des Albums "Electric Café" (1986), das den Techno quasi vorwegnahm, wurde es ruhig um die Band. 2000 hatte sie dann wieder einen großen Auftritt, als sie die offizielle Musik für die Expo 2000 komponierte. 2003 erschien das letzte Album "Tour De France".

David Bowie widmete Schneider einen Song

Kraftwerk haben Generationen von Musikern inspiriert, angefangen von David Bowie, der Schneider 1977 das Instrumentalstück "V-2 Schneider" auf der Platte "Heroes" widmete. (Kraftwerk ihrerseits erwähnten Bowie und seinen Freund Iggy Pop in dem Stück "Trans-Europa Express" aus dem demselben Jahr.) Die Düsseldorfer waren Vorreiter für die Musik der 1980er - von New Wave bis Synthi-Pop - und den Dancefloor der 90er, für alle Sparten von House und Techno. Ihre Songs wurden vielfach von Musikern aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen gecovert. Wegweisend war auch die bereits in der Mitte der 1990er Jahre eingerichtete Website der Band. 2014 erhielten Schneider und Hütter den Grammy für ihr Lebenswerk. Der Preis gilt als die höchste internationale Auszeichnung für Musiker.

Vertraten Kraftwerk anfangs noch einen Technikoptimismus, wurden sie im Laufe der Jahre kritischer: Aus dem Feiern der "Radio-Aktivität" (1975), "wenn's um unsere Zukunft geht", wurde in der Version des Jahres 1991 "Stop Radioaktivität, weil's um unsere Zukunft geht". Sehr hellsichtig warnten Hütter und Schneider im Song "Computerwelt" (1982) vor dem Missbrauch von Computerdaten.

Schneider trat zuletzt Ende 2006 mit der Band auf. Bei der Tour 2008 fehlte er, im November des Jahres verließ er die Band endgültig. Danach brach auch der Kontakt ab: Hütter sagte der britischen Tageszeitung The Guardian 2017, er habe danach kaum noch mit Schneider gesprochen.

Schneider starb nach Angaben der Plattenfirma Sony "wenige Tage nach seinem 73. Geburtstag" an einer Krebserkrankung.

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