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Nachruf: Computerpionier Gordon Bell gestorben

Gordon Bell war 1992 der erste Empfänger der John-von-Neumann-Medaille des IEEE und der Architekt der VAX-Minicomputer von DEC.
/ Boris Mayer
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Der Vater der Minicomputer, Gordon Bell, ist gestorben. (Bild: Queensland University of Technology)
Der Vater der Minicomputer, Gordon Bell, ist gestorben. Bild: Queensland University of Technology

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der Computerpionier Gordon Bell(öffnet im neuen Fenster) am 17. Mai im Alter von 89 Jahren an einer Lungenentzündung gestorben.

In den Nachrufen werden nicht nur seine techischen Erfolge gefeiert: "Er war so brilliant, so ruhig, so optimistisch und neugierig, was die Zukunft wohl bereithalten würde" , erinnerte sich beispielsweise der ehemalige Microsoft-CTO Ray Ozzie an den Mann, von dem er weiter sagte: "Ich kann nicht ausdrücken, wie sehr ich ihn liebte und dafür respektierte, was er für die Branche bedeutete."

Gordon Bell wurde am 19. August 1934 in Kirksville/Missouri geboren. In der Kleinstadt mit damals 9.000 Einwohnern betrieb der Vater eine Firma namens Bell Electric. Gordon half ihm schon als Junge, Geräte zu reparieren und Stromleitungen zu legen. Im Alter von zehn Jahren beschloss er, Ingenieur zu werden, obwohl er, wie er später in einem Interview sagte, "keine Ahnung hatte, was ein Ingenieur überhaupt ist" .

Sein Mathelehrer traute ihm einst das Studium nicht zu

Entgegen dem Rat seines Mathelehrers, der befürchtete, dass er mit den Großstadtkommilitonen nicht mithalten können würde, entschied sich Bell für das E-Technik-Studium am MIT. 1956 machte er dort seinen Bachelor, 1957 den Master.

Sein erster Job führte ihn nach Australien, wo er am UNSW Kurse im Fach Computerdesign gab und außerdem einen der ersten dorthin importierten DEUCE-Computer programmierte.

Zurück in den USA arbeitete Gordon Bell zunächst für DEC, er entwarf dort unter anderem das I/O-Subsystem des PDP-1 inklusive des ersten UART, außerdem war er der Architekt von PDP-4 und -6 (PDP steht für Programmed Data Processor).

Aus der Industrie in die Lehre und zurück in die Industrie

Nach einer sechsjährigen Unterbrechung, während der er an der Carnegie Mellon University Informatik lehrte, ging Bell 1972 zurück zu DEC, wo er maßgeblich an der Entwicklung der VAX-Computers beteiligt war – als die Carnegie Mellon University ihm 2010 die Ehrendoktorwürde in Wissenschaft und Technologie verlieh, wurde er darin als "der Vater der Minicomputer" bezeichnet. Nebenbei gründete er mit seiner Frau Gwen das Computermuseum in Boston.

Die Arbeit bei DEC jedoch war stressig, nach einem Herzinfarkt beschloss Gordon Bell 1983, es ruhiger angehen zu lassen. Und gründete die Unternehmen Encore Computer sowie Ardent Computer.

Vier Jahre lang, von 1991 bis 1995, beriet Gordon Bell außerdem Microsoft, das damals eine eigene Forschungsgruppe gründen wollte.

Zahlreiche Auszeichnungen

Bell wurde 1992 als erster Empfänger mit der John-von-Neumann-Medaille des Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) ausgezeichnet. Ein Jahr zuvor hatte er die National Medal of Technology der Vereinigten Staaten bekommen. Zu seinen Auszeichnungen gehören weiter der W. Wallace McDowell Award aus dem Jahr 1975 und der Seymour Cray Computer Engineering Award von 2014.

Gordon Bell war Fellow der American Association for the Advancement of Science, der American Academy of Arts and Sciences, des IEEE und der ACM. Zudem war er seit 2007 Mitglied der National Academy of Sciences, seit 2009 der Australian Academy of Technological Sciences and Engineering und seit 1977 der National Academy of Engineering. Neben dem Ehrendoktortitel der Carnegie Mellon University erhielt er 1993 auch Ehrendoktor des Worcester Polytechnic Institute.

Es gibt aber auch einen Preis, der nach ihm benannt ist: Auf seine Initiative hin wurde 1987 der Gordon-Bell-Preis von ACM und IEEE für die Entwicklung paralleler Rechner ins Leben gerufen.


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