Nachruf: Astronaut John Glenn im Alter von 95 Jahren gestorben

Astronaut, Senator, Weltraumsenior: 36 Jahre und eine politische Karriere lagen zwischen den beiden Ausflügen von John Glenn ins All. So lange musste kein Raumfahrer warten. Jetzt ist Glenn im hohen Alter gestorben.

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John Glenn, 1998, vor seinem zweiten Flug ins All
John Glenn, 1998, vor seinem zweiten Flug ins All (Bild: Nasa)

Er war der erste US-Bürger, der die Erde umrundet hat. Jahrzehnte später flog er noch einmal als 77-jähriger und ältester Astronaut ins All. Der Astronaut und Raumfahrtpionier John Glenn ist im Alter von 95 Jahren gestorben.

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20. Februar 1962, 9:47 Uhr in Cape Canaveral: Der Countdown für die Mercury-Atlas-6-Mission läuft. Es ist höchste Zeit: Die USA liegen im Rennen in den Weltraum wieder hinter der Sowjetunion zurück. Zehn Monate zuvor war der Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins All geflogen. Jetzt ziehen die Amerikaner nach.

Der erste US-Bürger umkreist die Erde

An Bord des Mercury-Raumschiffs war John Glenn, ein ehemaliger Kampf- und Testpilot. Glenn stieg in die Erdumlaufbahn auf und umrundete den Planeten drei Mal. Die beiden US-Astronauten Alan Shepard und Virgil Grissom waren vorher zwar im Weltraum gewesen, aber im suborbitalen.

Für den Orbit benötigte Glenn knapp fünf Stunden. Um 14:43 Uhr wasserte das Raumfahrzeug, dem Glenn den Namen Friendship 7 gegeben hatte, schließlich im Atlantik - allerdings 60 km vom vorher berechneten Landepunkt entfernt.

Mit der Präsidentschaft klappte es nicht

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Zwei Jahre später verließ Glenn die Nasa und wurde Geschäftsführer eines Unternehmens. Etwa zu der Zeit begann er eine politische Karriere: Er trat für die demokratische Partei im US-Bundesstaat Ohio als Kandidat für den US-Senat an. 1974 wurde er gewählt und später mehrfach wiedergewählt. Er hatte den Sitz im Senat bis 1999 inne. Sein Versuch, sich für die Wahl 1984 als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen, scheiterte.

Dafür kehrte er kurz vor dem Ende seiner politischen Karriere an Bord eines Spaceshuttle ins All zurück: Am 29. Oktober 1998 startete er mit der Mission STS-95 ins All und blieb dort bis zum 7. November. Ziel der Mission war es, zu untersuchen, wie sich die Schwerelosigkeit auf ältere Menschen auswirkt. Er ist mit 77 Jahren bis jetzt immer noch der älteste Mensch im All. Außerdem hält er damit den Rekord für die längste Pause zwischen zwei Raumflügen.

Glenn wurde 1942 Marineflieger

John Herschel Glenn Jr. wurde am 18. Juli 1921 in Cambridge in Ohio geboren. Nach der Schule studierte er Ingenieurwissenschaften. Nach dem japanischen Überfall auf den US-Marinestützpunkt Pearl Harbor meldete er sich zur US-Marine und trat im März 1942 seinen Dienst bei den Marinefliegern an - einen Privatpilotenschein hatte er bereits.

Nach Einsätzen im Zweiten Weltkrieg und im Koreakrieg wurde Glenn Testpilot bei den Marinefliegern. Im Juli 1957 überquerte er als erster den amerikanischen Kontinent im Überschalltempo. Für den Flug von Kalifornien nach New York brauchte er 3 Stunden und 23 Minuten.

Jeff Bezos hat eine Rakete nach ihm benannt

1958 bewarb er sich für das neue Astronautenprogramm der Nasa und wurde 1959 angenommen, obwohl er zu dem Zeitpunkt mit 37 Jahren schon recht alt war - die Altersgrenze lag bei 40 Jahren. Er war einer der Mercury Seven, der sieben Astronauten für das Mercury-Programm. Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, hat seine neue Rakete nach ihm New Glenn benannt - der Vorgänger hieß nach dem ersten Astronauten New Shepard.

Glenn starb am 8. Dezember 2016 in Columbus in Ohio. Er sei "ein wahrer amerikanischer Held" gewesen, würdigte ihn die US-Raumfahrtbehörde Nasa und wünschte ihm eine gute Reise: "Ad astra" - zu den Sternen.

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