Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Nachruf: Assembly-Erfinderin Kathleen Booth gestorben

Gemeinsam mit ihrem Mann baute Kathleen Booth einen der ersten Rechner mit Von-Neumann-Architektur und beschrieb eine Assembly-Sprache dafür.
/ Sebastian Grüner
8 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Kathleen Booth in den 1950er Jahren an dem Rechner APE(X)C (Bild: The Telegraph)
Kathleen Booth in den 1950er Jahren an dem Rechner APE(X)C Bild: The Telegraph

Die Mathematikerin und Informatikerin Kathleen Booth ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Das berichtet ihre maßgebliche Wirkungsstätte, das Birkbeck College London(öffnet im neuen Fenster) , sowie einige britische Zeitungen(öffnet im neuen Fenster) . Booth zählt zu den Pionieren im Computerzeitalter und gilt als Erfinderin von Assembly-Sprachen.

Booth erhielt bereits 1944 einen BSc in Mathematik und arbeitete danach als wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem Luftfahrtforschungsinstitut Royal Aircraft Establishment. 1946 wechselte Booth zum Birkbeck College, zunächst als Assistentin in der Arbeitsgruppe ihres späteren Ehemanns, Andrew Booth. Gemeinsam mit diesem entwickelte und überarbeitete sie den Automatic Relay Calculator (ARC).

In der Frühzeit der Computerentwicklung, in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts, bestand die Programmierung von Computern meist darin, diese neu zu verkabeln. Rechenmaschinen, die im heutigen Sinne nicht als Computer bezeichnet werden, sind außerdem über Lochkarten bedient worden, was später für erste Rechner wie den ARC genutzt worden ist. Die Rechner hatten zunächst aber praktisch keinerlei Möglichkeit, Programme zu speichern. Die einzigen Ausnahmen bildeten wohl die Rechner Konrad Zuses. Das änderte sich international erst mit der Von-Neumann-Architektur(öffnet im neuen Fenster) . Diese beschreibt unter anderem, wie Programme in einem Speicher gehalten und einem Rechenwerk zugeführt werden.

Programmierung in Binär- und Assembly-Code

Im Jahr 1947 unternahmen Kathleen und Andrew Booth einen sechsmonatigen Forschungsaufenthalt an der Princeton University und der Forschungsgruppe von Neumanns. Die dabei gemachten Erkenntnisse flossen in die Entwicklung des ARC und ARC 2 ein. In den Arbeiten General considerations in the design of an all-purpose electronic digital computer ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) und Coding for A.R.C. ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ) ist dies beschrieben worden.

Zwar werden in diesen Arbeiten Andrew und Kathleen Booth (noch unter ihrem Geburtsnamen Britten) als Co-Autoren genannt, doch die Erstellung der Hardware wird üblicherweise Andrew Booth zugeschrieben, während Kathleen Booth die Programmierung übernommen hat.

In Coding for A.R.C und einer 1948 folgenden Überarbeitung beschreibt Booth das, was heute als Befehlssatz und Instruktionen bezeichnet wird. Die Befehle selbst bestehen aus fünfstelligen Binärzahlen. Zur einfacheren Verständlichkeit werden diese mit einer für Menschen lesbaren Schreibweise abgekürzt. Dies wird heute als Assembly-Sprache bezeichnet. Details dazu hat Hackaday in einer Recherche(öffnet im neuen Fenster) bereits vor rund vier Jahren veröffentlicht.

Forschungen zu Sprachverarbeitung und neuronalen Netzen

Booth arbeitete die folgenden Jahre weiter mit ihrem Mann an weiteren neuen Rechnern und promovierte 1950. Später wandte sich Booth der Erforschung der maschinellen Verarbeitung natürlicher Sprachen sowie auch neuronalen Netzen zu. Letztere dominieren den aktuellen KI-Trend. Ab 1962 wirkte Booth in Kanada, zuletzt bis 1978 als Professorin für Mathematik an der Lakehead University. Noch im Jahr 1993, also im Alter von 71 Jahren, verfasste sie gemeinsam mit ihrem Sohn Ian Booth eine Forschungsarbeit zu neuronalen Netzen.

Andrew Booth starb bereits im Jahr 2009. Kathleen Booth verstarb am 29. September 2022, wie erst jetzt bekannt wurde.


Relevante Themen