Nachruf: Alien-Schöpfer HR Giger mit 74 Jahren gestorben
Der Schweizer Künstler Hansruedi Giger, besser bekannt als HR Giger, ist nach einem Unfall gestorben. Giger gelangte zu Weltruhm durch das Monster, das er für den Science-Fiction-Film Alien entwarf.
Giger wurde am 5. Februar 1940 in Chur geboren. Nach dem Abitur zog er 1962 nach Zürich um, wo er sich an der Hochschule für Angewandte Kunst in den Fächern Architektur und Industriedesign einschrieb. Er schloss das Studium 1966 ab und nahm danach eine Stelle bei einem Möbelhersteller an.
Von Träumen freigemalt
Bereits während seines Studiums begann Giger, der sich schon als Kind von der Düsternis angezogen fühlte, mit dem Zeichnen. Ab 1968 arbeitete er ausschließlich als Künstler sowie als Filmemacher. Giger entwickelte schnell einen eigenen Stil: Auf seinen Bildern verschmolz er Maschinen mit Lebewesen. Biomechanoiden nannte Giger diese Geschöpfe. Meist malte er sie mit Airbrush in großen Formaten. Er habe, sagte Giger 1995 in einem Interview mit dem Autor dieser Zeilen(öffnet im neuen Fenster), als Kind Alpträume gehabt. Malen sei anfangs eine Art Therapie gegen die Träume gewesen: Er habe sich "davon freigemalt".
Vorwürfe wegen Pornografie
Giger malte auch immer explizit erotische Darstellungen, die Erotomechanoiden, was ihm wiederholt den Vorwurf einbrachte, Pornografie zu produzieren. In den USA kam es sogar zu einem Gerichtsverfahren gegen die kalifornische Punkband Dead Kennedys, weil diese ihrer 1985 veröffentlichten Platte Frankenchrist ein Poster mit Gigers Bild Penis Landscape(öffnet im neuen Fenster) beigelegt hatte. Das Verfahren wurde eingestellt. Giger selbst wehrte sich stets vehement gegen die Pornografie-Vorwürfe.
Seinen Durchbruch bereitete der Maler 1977 vor, als er den Bildband Necronomicon(öffnet im neuen Fenster) herausbrachte, benannt nach einem Buch, das immer wieder in den Geschichten des US-Fantasy-Autors H.P. Lovecraft auftaucht. Das Buch bekam der US-Regisseur Ridley Scott in die Finger und beauftragte daraufhin Giger damit, die Ausstattung für seinen nächsten Film zu gestalten.
Unheimliches Wesen aus dem All
Es wurde Gigers bekanntestes Werk: das Monster aus dem Film Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 1979. Das Monster lebte wieder auf in diversen Nachfolgefilmen, in dem Prequel Prometheus sowie in den Alien-vs.-Predator-Crossovern – nicht immer übrigens mit Wissen und Wohlwollen des Künstlers.
Deutlich weniger erfolgreich war sein zweites außerirdisches Monster Sil, das Giger 1995 für den Film Species(öffnet im neuen Fenster) entwarf.
Plattencover für Danzig...
Auch Musiker nahmen seine Dienste in Anspruch: Für die britischen Progressive-Rocker Emerson, Lake and Palmer schuf er 1973 das Cover der Platte Brain Salad Surgery(öffnet im neuen Fenster). 1992 modifizierte er für die US-Rocker Danzig sein Bild Meister und Margeritha aus dem Jahr 1976 für das Cover der Platte Danzig III: How the Gods Kill(öffnet im neuen Fenster).
Für seine Landsleute Celtic Frost gestaltete er die Hülle des Albums To Mega Therion(öffnet im neuen Fenster). Seine Bilder zieren auch die beiden Langspielplatten der Nachfolgeband Triptykon – Mastermind und Gründer Thomas Gabriel Fischer alias Tom G. Warrior nennt Giger in seinem Nachruf(öffnet im neuen Fenster) einen Mentor seit den frühen Tagen.
... und Mikrofonständer für Korn
Es blieb nicht bei Plattencovern – Giger schuf auch andere Accessoires für die Musikbranche: Der japanische Gitarrenhersteller Ibanez brachte mehrere Gitarren-Kollektionen mit Giger-Bildern auf dem Korpus heraus. Jonathan Davis, Sänger der US-Band Korn, ließ sich von Giger einen Mikrofonständer entwerfen.
Ohnehin blieb Giger seinen Anfängen treu: Er schuf immer auch Skulpturen, gestaltete Gegenstände und Möbel, wie zum Beispiel die Harkonnen-Stühle für eine Verfilmung des Science-Fiction-Romans Der Wüstenplanet, die nicht zustandekam. Sie wurden später Teil der Einrichtung der Bar, die Giger 1992 in Chur eröffnete und die er nach eigenen Angaben zeitweise nicht besuchte. Grund war das Faible der Wirtin für deutsche Schlager, die Giger nach eigenem Bekunden überhaupt nicht mochte.
Giger-Museum in Gruyères
1997 kaufte Giger das Schloss St. Germain in Gruyères im Schweizer Kanton Freiburg. Im Folgejahr wurde in dem Schloss das HR Giger Museum(öffnet im neuen Fenster) eröffnet. Es zeigt die Sammlung des Malers, zu der viele surrealistische Werke, etwa des Spaniers Salvador Dalí, gehören. Es zeigt aber auch Werke von Giger selbst.
Für seine Werke erhielt Giger einige bedeutende Auszeichnungen: 1980 bekam der Schweizer den Oscar in der Kategorie Beste visuelle Effekte für das Alien. 2004 verlieh ihm der Bürgermeister von Paris die Ehrenmedaille der Stadt. Im vergangenen Jahr wurde er – zusammen mit David Bowie und John Ronald Reuel Tolkien – in die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen.
HR Giger starb am 12. Mai 2014 in einem Krankenhaus in Zürich. Er erlag den Verletzungen, die er sich bei einem Treppensturz in seinem Haus zugezogen hatte. Giger wurde 74 Jahre alt.
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