Nachruf: 8-Bit-Byte-Erfinder Fred Brooks gestorben

Der Physiker, Mathematiker und Informatiker Frederick Phillips "Fred" Brooks Jr. ist gestorben. Das berichtet der Informatik-Professor Steven M. Bellovin auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf das von Brooks gegründete und von ihm 20 Jahre lang geleitete Informatik-Institut an der University of North Carolina.
Brooks erhielt 1953 einen Bachelor of Science in Physik und schloss 1956 direkt eine Promotion an der Harvard University in angewandter Mathematik an. Das Fach entspricht dem, was heute Informatik genannt wird. Auf die Promotion folgte eine Anstellung bei IBM, wo Brooks zunächst an dem IBM 7030(öffnet im neuen Fenster) arbeitete, aus heutiger Sicht wohl der erste Supercomputer mit Transistoren und Anfang der 1960er Jahre der schnellste Rechner der Welt.
Daraufhin folgte für Brooks die für sein Lebenswerk wohl entscheidende Arbeit an IBMs System/360(öffnet im neuen Fenster) sowie dem dazugehörigen Betriebssystem OS/360. Für diesen ersten Mainframe von IBM fungierte Brooks in der Position des Projektmanagers, was wohl die gesamte moderne Informatik geprägt hat. Denn Brooks erfand dabei unter anderem das Byte mit einer Länge von 8 Bit.
Erfindung des 8-Bit-Bytes und einflussreiche Essays
In der Anfangszeit der modernen Rechner Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre war ein Byte lediglich die Sammlung derjenigen Bits, die zur Kodierung eines einzelnen Schriftzeichens notwendig sind. Je nach Rechner und genutzter Architektur war dies aber nicht einheitlich festgelegt und konnte etwa 6 Bit, 9 Bit, 12 Bit oder andere teils frei wählbare Werte umfassen.
Zu der Entscheidung für das 8-Bit Byte sagte Brooks im Interview mit Wired(öffnet im neuen Fenster) : "Die wichtigste Einzelentscheidung, die ich je getroffen habe, war, die IBM 360-Serie von einem 6-Bit-Byte auf ein 8-Bit-Byte umzustellen und damit die Verwendung von Kleinbuchstaben zu ermöglichen. Diese Veränderung verbreitete sich überall." Dass heute also ein Byte synonym mit 8 Bit verwendet wird, liegt letztlich an Brooks.
Unter anderem aus den Erfahrungen seiner Zeit bei IBM als Verantwortlicher für Rechner- und Programmierprojekte speisten sich die Ideen für die zahlreichen Essays, die Brooks vor allem zur Verwaltung derartiger Projekte schrieb. Das bekannteste ist wohl The Mythical Man-Month(öffnet im neuen Fenster) (Vom Mythos des Mann-Monats).
Die dabei auch als Brooks'sches Gesetzt bekannte Hauptbotschaft lautet: "Durch Hinzufügen von Arbeitskräften zu einem verspäteten Softwareprojekt wird dieses weiter verzögert." Ebenfalls bekannt ist Brooks' Essay No Silver Bullet, wonach es keine einzige technische Entwicklung oder Managementstrategie gebe, die für sich alleinstehend massive Verbesserungen bringen könne.
In The Design of Design beschäftigt sich Brooks mit der Frage, was gute Design-Entscheidungen für Softwareentwicklung, technische Neuerungen und Architekturen ausmacht und welche Prozesse zu diesen führen. Für seine Leistungen und wichtigen Beiträge auf dem Gebiet der Informatik erhielt Brooks im Jahr 1999 den renommierten Turing Award, der als höchste Auszeichnung in der Informatik gilt.
Fred Brooks starb am 17. November 2022 im Alter von 91 Jahren.



