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Nachhaltigkeit: Infineon veröffentlicht CO2-Emissionen von Halbleitern

Wie viele Treibhausgase setzt die Produktion eines Mikrocontrollers frei? Kunden sollen mit Infineons Zahlen nachhaltigere Produkte entwerfen können.
/ Johannes Hiltscher
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In Infineons Werk in Dresden wird ein Wafer untersucht. Die Emissionen der eigenen Werke kennt das Unternehmen gut. (Bild: Infineon)
In Infineons Werk in Dresden wird ein Wafer untersucht. Die Emissionen der eigenen Werke kennt das Unternehmen gut. Bild: Infineon

413 Gramm CO 2 -Equivalent verursacht ein Aurix-Mikrocontroller von Infineon, bis er in einem Auto verbaut wird. Diesen Wert nennt der Halbleiterhersteller(öffnet im neuen Fenster) Product Carbon Footprint (PCF). Der Mikrocontroller gehört – neben Dioden, Transistoren und Controllern für Leistungselektronik und zwei Sensoren – zu den ersten Produkten, für die Infineon den PCF angibt. Das Unternehmen will damit als Vorreiter im Elektronikbereich sein Nachhaltigkeitsprogramm unterstreichen.

Kunden sollen die Möglichkeit bekommen, gezielt Bauteile mit geringen Emissionen auszuwählen und ihre eigenen Produkte nachhaltiger zu gestalten. Laut Infineon(öffnet im neuen Fenster) kann man aktuell für die Hälfte der Produkte den PCF angeben. Langfristig will man Daten für die gesamte Produktpalette bereitstellen, nennt aber keinen konkreten Zeitraum.

Bei der Produktion elektronischer Bauelemente entstehen in verschiedenen Schritten klimaschädliche Emissionen, die Infineon zu einem Endwert summiert: bei Herstellung und Transport der Vorprodukte, der eigentlichen Fertigung und schließlich dem Transport zum Kunden. In der Halbleiterfertigung haben perfluorierte Verbindungen, die teilweise um ein Vieltausendfaches klimaaktiver sind als CO 2 , einen großen Anteil an den angegebenen Emissionen. Diese werden als Prozessgase zur Reinigung von Maschinen und zum Trockenätzen verwendet ( PDF(öffnet im neuen Fenster) ). Die Emissionen sind als eigener Punkt hervorgehoben.

Einsamer Vorreiter, begrenzte Aussagekraft

Vorerst lässt sich mit den Daten allerdings nicht viel anfangen. Selbst innerhalb von Infineons eigenem Portfolio sind die Vergleichsmöglichkeiten noch gering, zu anderen Herstellern lässt sich gar kein Vergleich ziehen. Selbst wenn diese Zahlen veröffentlicht werden, müssen die nicht unbedingt vergleichbar sein.

Denn es gibt keinen einheitlichen Standard, nach dem die Emissionen bewertet werden. Auch werden, das sagt Infineon offen, an einigen Stellen Erfahrungswerte genutzt – exakt sind die genannten Zahlen somit nicht. Ob andere Hersteller elektronischer Bauteile nachziehen, muss sich zeigen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat auch in der Elektronikbranche in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen: Am belgischen Forschungsinstitut Imec (Interuniversity Microelectronics Centre) wurde ein Programm zur Bewertung der Umweltauswirkungen der Halbleiterfertigung aufgelegt. Es beschränkt sich allerdings auf die Emissionen der Fabs und dient dem Vergleich von Fertigungsprozessen.


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