Grauer oder grüner Wasserstoff

Entweder geht Arcelor Mittal eine Kooperation für den Bau eines 50-MW-Elektrolyseurs auf dem Werksgelände ein oder das Unternehmen bezieht grünen Wasserstoff aus einer zukünftigen, mindestens 100-MW-Anlage im Hamburger Hafen. Deren Bau wurde von Wirtschaftssenator Michael Westhagemann im vergangenen Herbst angekündigt. Wann es soweit sein soll, ist aber derzeit noch nicht klar.

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Platz ist jedenfalls genug vorhanden. Gellert zeigt auf eine Freifläche zwischen dunkelgrauen Halden aus Eisenerzpellets und einem rostbraunen Stahlmonstrum - dem 40 Meter hohen Schachtofen. Genau dort soll die Pilotanlage zur Rohstahl-Erzeugung entstehen, bei der Wasserstoff anstelle von Erdgas tritt. Dafür wird allerdings ein neuer Schachtofen gebaut.

Zuerst soll darin grauer Wasserstoff getestet werden, der aus der bestehenden Anlage abgezweigt wird. Mit einer geplanten Produktion von 100.000 Tonnen Eisenschwamm (Direct Reduced Iron, DRI) pro Jahr würde dieser dort "erstmals auf industriellem Niveau mit Wasserstoff entstehen", sagt Gellert.

Grau oder grün? Der Preis ist entscheidend

Der graue Wasserstoff soll sobald wie möglich durch grünen ersetzt werden. Allerdings sind die Kosten für grünen Wasserstoff noch hoch. Mehrkosten von 150 bis 200 Euro pro Tonne Stahl würde ihr Produkt laut Braun am Weltmarkt "unverkäuflich" machen.

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Die komplette Umstellung von Erdgas auf grünen Wasserstoff wäre nur möglich mit einer Förderung für den laufenden Betrieb durch "Differenzverträge in Höhe von 150 bis 200 Millionen Euro pro Jahr", sagt Braun. Solche Verträge zur Absicherung sind im Handlungskonzept Stahl des Bundeswirtschaftsministeriums auch vorgesehen.

Die Formalitäten wie Baugenehmigung und Fördergelder zu beantragen, laufen bereits, ebenso die technischen Vorbereitungen für einen Baubeginn ab 2021. Die Anfangsinvestition beziffert Geschäftsführer Braun auf 110 Millionen Euro; das ginge nur mit finanzieller Unterstützung. Notwendig sei eine Förderung von 50 Prozent; der Ansatz wäre dann aber auch übertragbar, so dass andere Unternehmen von den Test-Ergebnissen profitieren könnten.

Auch Schweden plant mit seinem Hybrit-Projekt den Bau einer Pilotanlage für grünen Stahl, die ebenfalls per Direktreduktion funktionieren soll, plus Elektrolyseur und aus Grünstrom von Vattenfall hergestelltem Wasserstoff. Die Realisierung des Ziels wird aber nach eigenen Angaben bis ungefähr 2035 dauern.

"Wenn jetzt nicht die Weichen für die Zukunft gestellt werden, dann wird die Stahlindustrie hier sterben," sagt Braun, und zwar in weniger als zehn Jahren - nicht zuletzt durch die hohen Kosten für CO2-Zertifikate. "Wir brauchen dringend den politischen Willen, die Transformation der Wirtschaft zu fördern, und wir brauchen Fairness am Markt," mahnt der Ingenieur.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)

Die Transformation kostet Milliarden

Auf rund 30 Milliarden Euro bis 2050 schätzt die Wirtschaftsvereinigung Stahl die für die Transformation nötigen Investitionskosten, davon 10 Milliarden Euro bis 2030. Demgegenüber stand 2019 ein Umsatz von 32,8 Milliarden Euro, was im laufenden Jahr aufgrund der Corona-Krise nur weniger werden wird, vor allem weil monatelang kaum Autos produziert wurden. Arbeitsplatz-Streichungen wurden schon angekündigt.

  • In dieser Halle werden die Eisenknüppel gewalzt. (Bild: Monika Rößiger)
  • Jeder einzelne Walzdrahtring wiegt zwei Tonnen. (Bild: Monika Rößiger)
  • Die Enden der Drahtprodukte bei der Drahtstraße - sie werden aus Qualitätsgründen abgeschnitten und, wenn sie abgekühlt sind, wieder eingeschmolzen, um zu neuem Stahl zu werden. (Bild: Monika Rößiger)
  • Insgesamt werden in dem Werk in Hamburg pro Jahr 1,1 Millionen Tonnen Stahl hergestellt. (Bild: Monika Rößiger)
Jeder einzelne Walzdrahtring wiegt zwei Tonnen. (Bild: Monika Rößiger)

Die Krise betrifft auch die Stahlproduzenten anderer EU-Mitglieder, die den begehrten Werkstoff bereits heute klimafreundlicher herstellen als in vielen anderen Ländern der Welt. Differenzverträge sind da nur eine Möglichkeit, um am globalen Markt mithalten zu können. Höhere Einfuhrzölle auf Stahl, der von Drittländern in die EU importiert wird, wären eine andere, weil der Stahl mit höheren CO2-Emissionen hergestellt und nicht über Zertifikate kompensiert wurde. Die Politik wird sich jedenfalls etwas einfallen lassen müssen, damit die europäischen Stahlhersteller gegenüber China als dem Land mit der größten Stahlproduktion der Erde nicht noch mehr Marktanteile verlieren.

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 Hamburg soll eine Pilotanlage zur Direktreduktion mit Wasserstoff erhalten
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Bouncy 16. Nov 2020

Zitieren wir mal das WSJ: Also ja, es geht bergab mit dem Gewinn - aber wir bewegen uns...

m4mpf 13. Nov 2020

Na, das ist ja Klasse! Der Offshore-Windstrom bleibt dann gleich im Norden und wir können...

Kosake 13. Nov 2020

Mein Beitrag ist das Gegenteil von "am Thema vorbei".

lestard 13. Nov 2020

Gibts dafür seriöse Zahlen? In Deutschland trägt der gesamte Industrie-Sektor 21% zu den...



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