• IT-Karriere:
  • Services:

Biozusätze und Recycling

"Aber aus Maniokschalen lässt sich auch Stärke als Fließmittel herausziehen", sagt Schmidt. Und danach verbrannt, dient die Asche zusätzlich als biologische Komponente im Beton. "Damit lässt sich sicher ein Drittel CO2 einsparen bei gleicher Bauqualität und Festigkeit", ist Schmidt überzeugt. Mit diesem Bio-Beton plant der BAM-Forscher mit Kollegen an der Universität Lagos in Nigeria derzeit ein Pilotbauwerk, ein einstöckiges Versammlungshäuschen. 2020 könnte der Bau fertiggestellt werden und als ökologisches Beispiel für nachhaltige Betonmischungen aus regional verfügbaren Grundstoffen dienen.

Stellenmarkt
  1. Melitta Business Service Center GmbH & Co. KG, Minden
  2. Volkswagen Vertriebsbetreuungsgesellschaft mbH, Wolfsburg, Berlin

Neben Holz und Bio-Beton bietet sich in Zukunft ein natürlicher, uralter Baustoff an: Lehm, eine Mischung aus Sand, grobkörnigen Schluff und Ton. "Es gibt wohl keinen nachhaltigeren Baustoff auf der Welt", sagt Schmidt. Allerdings verfallen Bauwerke aus Lehm schnell bei Regen und müssen regelmäßig repariert werden. Lehmbauten sind seit mehr als 9.000 Jahren bekannt, und noch heute lebt etwa ein Drittel der Weltbevölkerung in Lehmhäusern. Doch für Anwendungen im Innern - etwa als Wandputz - könnte der Baustoff auch in unseren Breiten eine Renaissance erfahren.

Für Dirk Hebel, Professor für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), geht die Suche nach neuen oder wieder zu entdeckenden Baustoffen nicht weit genug. Er fordert deutlich mehr Recycling der verbauten Materialien. "Wir müssen das Baugewerbe zu einer Kreislaufwirtschaft umbauen", sagt er. Das sei der einzige Ausweg, den man habe, da viele unserer natürlichen Ressource zur Neige gingen.

Holz etwa sieht Hebel nicht automatisch als ein nachhaltiges Baumaterial. Vor allem nicht, wenn es verklebt oder chemisch behandelt wurde. Denn Baustoffe müssen sich sortenrein trennen lassen, um recycelt werden zu können. "Metalle werden in Deutschland bereits zu über 90 Prozent stofflich verwertet. Das müssen wir auch für andere Baustoffe erreichen", sagt der KIT-Forscher.

Im Konzepthaus Next Evolution in Sustainable Building Technologies (Nest) auf dem Gelänge des schweizerischen Forschungsinstituts Empa in Dübendorf kann Hebel das Recycling optimal erproben. "Das Haus ist eine Spielwiese für innovative, neue Ideen", sagt er. Gemeinsam mit seinen Kollegen Werner Sobek und Felix Heisel spielt Hebel in der Nest-Unit Urban Mining & Recycling (Umar) den Kreislauf-Gedanken konsequent durch.

Eine Tragkonstruktion aus Holz wird ohne chemische Beschichtungen oder Kleber gesteckt und verschraubt, um sortenreines Recycling zu ermöglichen. Abfälle wieetwa Getränkekartons verwandeln sich in Wandpaneele, Altglas findet sich in einer Küchen-Arbeitsplatte wieder, alte Jeanshosen werden zur Dämmung eingesetzt. Sogar ein Myzelium - das fadenförmige Netzwerk gewisser Pilzsorten - lässt sich in Kombination mit organischen Abfallstoffen wie Sägespäne in druckfeste dämmende Baustoffe verweben. Dank dieser Strategie verleiht die Umar-Einheit Abfall eine neue, hochwertige Nutzung und wird selbst zum Materiallager für spätere Bauten.

Welche Ideen für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft von Baustoffen wann von innovativen Unternehmen aufgegriffen werden, lässt sich heute noch nicht absehen. Doch die ebenfalls im Nest verbauten Recycling-Ziegel vom niederländischen Unternehmen Stonecycling belegen ein wachsendes Interesse einzelner Bauträger.

Seit 2013 fertigt das Unternehmen Ziegel in zahlreichen Farbtönen ausschließlich aus Betonresten, Backsteinen aus Abbruchhäusern, Altglas oder Schotter. Erste Häuser sind aus diesen Schuttziegeln bereits entstanden. "Solche Firmen braucht es, um die Idee des Recyclings im Bau umzusetzen", sagt Hebel. An Konzepten und Technologien für nachhaltiges und klimaschonendes Bauen mangelt es jedenfalls nicht.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Besserer Beton
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6. 5


Anzeige
Hardware-Angebote

berritorre 12. Aug 2019

Ich glaube, gerade Deutschland hätte es sehr gut getan, wenn zu einer bestimmten Zeit die...

rcp48 09. Aug 2019

:-) Schick mir mal deiene Email dann schick ich dir ein paar photos. da gibt es was ganz...

WaffelFry 09. Aug 2019

Immer schön für jedes Problem irgendwelche Wischi-Waschi-Lösungen überlegen... ... 7,7...

JackIsBack 07. Aug 2019

+ 1000000 Du sprichst mir aus der Seele.

rcp48 07. Aug 2019

Da kann ich nur Zustimmen. Hab zwei bald 3 Anlagen am Laufen. Anlage 1 10 jahre alt...


Folgen Sie uns
       


Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /