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Nachhaltigkeit: Amogy stattet Schlepper mit Brennstoffzellenantrieb aus

Die Schifffahrt soll bis 2050 keine Schadstoffe mehr emittieren. Ein Schiff auf dem Hudson River macht den Anfang.
/ Werner Pluta
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Elektroschlepper NH3 Kraken: zehn bis zwölf Stunden Einsatzdauer (Bild: Amogy)
Elektroschlepper NH3 Kraken: zehn bis zwölf Stunden Einsatzdauer Bild: Amogy

Brennstoffzelle statt Zylinder, Ammoniak statt Diesel: Das US-Unternehmen Amogy hat einen historischen Flussschlepper auf einen umweltfreundlichen Antrieb umgerüstet. Damit will Amogy zur Dekarbonisierung des Schiffsverkehrs beitragen.

Das im Jahr 1957 gebaute Schiff wird nicht mehr durch eine konventionelle Dieselmaschine angetrieben, sondern mit einem Elektromotor. Den Strom dafür liefert eine von Amogy entwickelte Brennstoffzelle, die mit Ammoniak betrieben wird.

Der Treibstoff wird in einem rund 7.500 Liter fassenden Tank gespeichert. Das ist ausreichend, um das Schiff zehn bis zwölf Stunden lang zu betreiben. Bei der Jungfernfahrt auf dem Hudson River bei New York wurde der Schlepper NH3 Kraken mit grünem Ammoniak betankt.

Ammoniak ist eine Verbindung von Wasserstoff und Stickstoff. Damit lässt sich eine Brennstoffzelle nicht direkt betreiben. Amogy hat einen Reaktor entwickelt, in dem Ammoniak in Stickstoff und Wasserstoff gespalten wird. Der Wasserstoff wird dann in die Brennstoffzelle geleitet und verstromt.

Ammoniak wird häufig genutzt

Ammoniak ist eine häufig genutzte Chemikalie, etwa als wichtiger Bestandteil von Düngemitteln. Es gibt also eine entsprechende Industrie ebenso wie die nötige Infrastruktur wie Tanks. Etabliert ist auch das Haber-Bosch-Verfahren zur Herstellung der Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung, das vor rund 100 Jahren entwickelt wurde.

Ammoniak lässt sich zudem besser speichern als Wasserstoff: Er muss auf minus 33 Grad Celsius gekühlt werden, damit er flüssig wird. Alternativ kann er auch komprimiert werden. Bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius reichen 9 bar, damit Ammoniak flüssig wird. Wasserstoff braucht für Transport und Lagerung niedrigere Temperaturen oder höheren Druck.

Amogy – der Name ist ein Kofferwort aus Ammonia und Energy – hat sich zum Ziel gesetzt, schwere Fahrzeuge auf sauberen Antrieb umzurüsten. Der Schlepper NH3 Kraken ist nicht das erste Vehikel, das die Ausgründung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) umgebaut hat: Den Anfang machte 2021 eine Drohne. 2022 folgte ein Traktor , 2023 ein Sattelschlepper .

Derzeit verursacht die Schifffahrt etwa drei Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen. Nach dem Willen der International Maritime Organization (IMO) sollen diese bis 2050 auf null sinken. "Regierungen auf der ganzen Welt und Branchenorganisationen wie die IMO haben ehrgeizige Ziele für die Reduzierung der weltweiten Kohlenstoffemissionen gesetzt" sagte Seonghoon Woo(öffnet im neuen Fenster) . "Durch die erste Demonstration unserer Technologie auf dem Wasser haben wir wichtige Erkenntnisse gewonnen, die uns helfen werden, schnell zur Kommerzialisierung und zu realen Anwendungen zu gelangen."


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