Nach Zwist mit Russland: Cyberangriff drängt Wodkahersteller in die Insolvenz

Zwei Tochtergesellschaften der Stoli Group, dem Hersteller der weltweit bekannten Wodka-Marke Stoli (ehemals Stolichnaya), sind offenbar durch einen im August erfolgten Ransomware-Angriff in eine finanzielle Schieflage geraten. Wie Bleeping Computer(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf einen am Freitag eingereichten Insolvenzantrag(öffnet im neuen Fenster) berichtet, führte der Cyberangriff zu starken Beeinträchtigungen der IT-Systeme der gesamten Unternehmensgruppe.
Der Antrag bezieht sich auf die beiden Tochtergesellschaften Stoli USA und Kentucky Owl. Den Angaben nach wurde die IT-Infrastruktur der gesamten Stoli Group durch den Cyberangriff schwer gestört, einschließlich des ERP-Systems des Unternehmens. Das soll dazu geführt haben, dass Prozesse wie die Buchhaltung derzeit manuell abgewickelt werden müssen.
Die beiden genannten US-Tochtergesellschaften sollen infolge des Angriffs nicht in der Lage gewesen sein, Kreditgebern aktuelle Finanzberichte vorzulegen. Laut The Record(öffnet im neuen Fenster) haben die Unternehmen zusammen Schulden in Höhe von 84 Millionen US-Dollar. Eine vollständige Erholung von der Ransomware-Attacke wird demnach frühestens im ersten Quartal 2025 erwartet.
Konflikte mit Russland
Wer hinter dem Cyberangriff steckt, ist bisher nicht bekannt. Das scheint allerdings auch nicht der einzige Vorfall zu sein, der der Stoli Group zuletzt finanziell zusetzte. Den Angaben nach wurden die Unternehmensgruppe sowie deren Gründer Yuri Shefler einen Monat zuvor in Russland aufgrund ihrer Unterstützung für ukrainische Flüchtlinge als "extremistisch" eingestuft.
In diesem Zuge beschlagnahmten die russischen Behörden wohl zwei Brennereien im Wert von 100 Millionen US-Dollar. Dabei soll es sich um die letzten Vermögenswerte gehandelt haben, die die Stoli Group in Russland noch hatte.
Hinzu kommt ein mehr als zwei Jahrzehnte andauernder Rechtsstreit, der die Stoli Group bereits mehrere Millionen US-Dollar kostete. Dieser geht auf einen Erlass des russischen Präsidenten Putin von März 2000 zurück, durch den sich Russland die Rechte an Wodkamarken sichern will, die in den 1990er Jahren von privaten Unternehmen erworben wurden - darunter Stolichnaya und Moskowskaya.
Von dem Namen Stolichnaya verabschiedete(öffnet im neuen Fenster) sich die Stoli Group im März 2022 als Reaktion auf den Einmarsch Russlands in die Ukraine. Seitdem wird der Wodka des Herstellers nur noch unter dem schon zuvor geläufigen Kurznamen Stoli verkauft.



