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Nach Trump-Wahl: Ericsson-Chef würde Konzernzentrale in die USA verlegen

Ericsson erwägt nach einem Großauftrag von AT&T eine Umsiedlung. Auch eine Übernahme durch die US-Regierung würde er beklatschen.
/ Achim Sawall
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Der designierte US-Präsident Donald Trump spricht am 13. November 2024 bei einer Konferenz der Republikaner. (Bild: Allison Robbert-Pool/Getty Images)
Der designierte US-Präsident Donald Trump spricht am 13. November 2024 bei einer Konferenz der Republikaner. Bild: Allison Robbert-Pool/Getty Images

Ericsson-Chef Borje Ekholm erwägt, den Hauptsitz des Konzerns von Schweden in die USA zu verlegen. "Würden wir irgendwann umziehen? Das könnte durchaus passieren" sagte Ekholm der Nachrichtenagentur Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) . Unternehmen würden ihre Investitionen weiterhin von Europa weg verlagern.

Europa sei einer der schwächsten Telekommunikationsmärkte der Welt. Europa falle zurück und die Gesetzgeber müssten Konsolidierung und Regulierungsabbau priorisieren. Wenn dies nicht passiere, werde sein Unternehmen die Investitionen auch weiterhin auf ausländische Märkte verlagern, sagte er.

"Europa braucht Konsolidierung" , sagte Ekholm. "Es gibt zu viele Betreiber." Die Netzbetreiber böten jetzt Tarife zu so niedrigen Preisen an, dass sie sich Investitionen nicht leisten könnten.

Ekholm erklärte, dass die Verlegung des Konzernsitzes in die USA ein wiederkehrendes Thema sei und dass Ericsson zwar enge Bindungen in Europa habe, aber auch eine Sicht darauf, wie die Welt in Zukunft aussehen werde. "Europa fällt zurück" , sagte der Chef des schwedischen Telekommunikationsausrüsters. "Die natürliche Schlussfolgerung daraus ist, dass wir in Europa schrumpfen und in Nordamerika wachsen werden."

Ericsson setzte Nokia bei AT&T ins Aus

Ericsson und sein finnischer Konkurrent Nokia kämpfen seit Jahren mit einem schwachen Markt für Mobilfunkausrüstung in Europa. Ericsson hat sich Märkten wie den USA zugewandt, wo man einen 14-Milliarden-Dollar-Auftrag von AT&T erhielt . Nokia rüstete zuvor rund 50.000 bis 60.000 Mobilfunkstandorte, rund 35 Prozent des AT&T-Mobilfunknetzes, aus. Bis Ende 2026 sollten 70 Prozent des Datenverkehrs von AT&T über Open RAN abgewickelt werden. AT&T wollte ab 2025 Netzwerktechnik verschiedener Hersteller einsetzen, neben Ericsson und Fujitsu auch von Unternehmen wie Corning, Dell oder Intel.

Dafür investierte das Unternehmen in eine Fabrik in Texas, um die US-Anforderungen für eine heimische Produktion zu erfüllen. Ein maßgeblicher Teil der Konzerne in den USA und zunehmend auch anderswo setzt auf Abschottung, offenen Wirtschaftskrieg und internationale Vernichtungsschlacht. Gleichzeitig kann niemand die Internationalisierung der Produktion rückgängig machen.

Die erste Trump-Regierung hatte einen Kauf Nokias und Ericssons in die Diskussion gebracht, um die Angriffe auf Huawei zu verstärken und damit den Marktführer zu schwächen. "Unsere Aktie wird jeden Tag gehandelt" , sagte Ekholm. "Wer weiß also?" US-Justizministers William Barr hatte im Februar 2020 eine Übernahme von Nokia oder Ericsson durch die USA gefordert.

Huawei ist im Bereich Open RAN nicht aktiv

Ekholm betonte, dass sich die US-Sanktionen gegen Huawei als wirkungslos erwiesen hätten und der chinesische Konzern weiterhin der größte Konkurrent sei. Ericsson versuche, dies durch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie Investitionen in Open RAN auszugleichen. Huawei ist im Bereich Open RAN nicht aktiv.

Der schwedische Anbieter hatte zudem 6,2 Milliarden US-Dollar für die Übernahme des Cloudanbieters Vonage Holdings ausgegeben. Die Übernahme zielte auf Netzwerk-APIs, die Softwareentwicklern helfen, direkt mit mobilen Plattformen zu kommunizieren.

Ekholm räumte ein, dass der Open-RAN-Ansatz das Risiko berge, Ericsson stärkerer Konkurrenz auszusetzen, dass aber eine "horizontale Plattform (...) der Weg für uns ist, die Chinesen tatsächlich zu schlagen" .

Ekholm hob Indien als einen weiteren starken Markt für Ericsson hervor. "Aus Beschäftigungssicht ist Indien unser größter Markt – 25.000 Menschen" , sagte er. Zugleich steht die Regierung von Premierminister Narendra Modi und seiner Bharatiya Janata Party (BJP) für Drohungen gegen Oppositionelle und die Einschränkung der Pressefreiheit, wie die Tagesschau berichtete(öffnet im neuen Fenster) .


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