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Nach tödlichem Unfall: Uber-Testfahrerin zu Bewährungsstrafe verurteilt

Slack gelesen oder The Voice geschaut? Nach der Einigung zu einem tödlichen Unfall mit einem autonomen Testauto bleiben wichtige Fragen ungeklärt.
/ Friedhelm Greis
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Der Unfallort (links) und das Unfallauto (Bild: NTSB)
Der Unfallort (links) und das Unfallauto Bild: NTSB

Die Fahrerin eines Uber-Testautos ist wegen eines tödlichen Unfalls zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Wie das Magazin Wired berichtet(öffnet im neuen Fenster) , kam es am 28. Juli 2023 in einem Gericht in Arizona zu einer sogenannten Verständigung im Strafverfahren(öffnet im neuen Fenster) , auch als Deal bezeichnet.

Dabei erklärte sich die Testfahrerin für schuldig, durch ihr Verhalten während der Testfahrt Menschenleben gefährdet zu haben (endangerment). In Arizona ist dies definiert (öffnet im neuen Fenster) als "rücksichtslose Gefährdung einer anderen Person mit dem erheblichen Risiko eines unmittelbar bevorstehenden Todes oder einer Körperverletzung" .

Durch diese Einigung bleibt den Beteiligten ein Gerichtsverfahren erspart. Die Testfahrerin war im September 2020 wegen fahrlässiger Tötung angeklagt worden . Im Falle einer Verurteilung hätte ihr eine Haftstrafe von vier bis acht Jahren gedroht. Nun erhält sie eine dreijährige beaufsichtigte Bewährung.

Auto hat Fußgängerin nicht erkannt

Laut Wired bleibt durch den Deal die Klärung wichtiger Aspekte des damaligen Unfalls durch ein Gericht aus. Das betreffe beispielsweise die Verantwortung des Mitfahrdienstes Uber sowie die Frage, womit sich die Testfahrerin von der Überwachung des Verkehrs während der Fahrt abgelenkt hatte.

Bei dem Unfall im März 2018 in Phoenix (Arizona) war ein Testfahrzeug vom Typ Volvo XC90 im nächtlichen Verkehr mit einer 49 Jahre alten Frau kollidiert , die mit ihrem Fahrrad in der Dunkelheit eine vierspurige Straße überquerte.

Durch Videostreaming abgelenkt?

Der Testfahrerin wurde vorgeworfen, kurz vor dem Unfall nicht die Fahrstrecke kontrolliert zu haben. Einem Polizeibericht zufolge(öffnet im neuen Fenster) hat sie stattdessen auf ihrem Smartphone die Fernsehsendung The Voice verfolgt. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB kam bei ihren Ermittlungen zu dem Schluss , dass die Unaufmerksamkeit der Testfahrerin die "wahrscheinliche Ursache" des Unfalls gewesen sei. Allerdings habe eine "unzureichende Sicherheitskultur" bei Uber zu dem Fehlverhalten der Fahrerin beigetragen

In dem Verfahren widersprachen die Anwälte der Fahrerin nun teilweise dieser Darstellung. Demnach hat die Frau während der Fahrt die Sendung The Voice lediglich gehört, was erlaubt gewesen sei. Parallel dazu habe sie auf ihrem Diensthandy die unternehmensinterne Kommunikation auf Slack verfolgt.

Angesichts des nun ausbleibenden Hauptverfahrens forderte der Jura-Professor Bryant Walker Smith, dass die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB die Slack-Frage untersuchen solle. "Ich möchte nicht, dass die Geschichte über den ersten tödlichen Unfall mit einem automatisierten Fahrzeug eine Lüge ist oder umstritten bleibt" , sagte er Wired. Sollte die Fahrerin tatsächlich The Voice gesehen haben, würde ihr das eine gewisse Mitschuld geben. Die Beobachtung von Slack werfe Fragen über die Richtlinien und Praktiken von Uber auf.

Nach dem Unfall stellte Uber sämtliche Testfahrten mit den autonom fahrenden Autos ein. Nach einem Dreivierteljahr, im Dezember 2018, fuhren die Fahrzeuge erstmals wieder in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania. Es folgten weitere Städte in den USA und Kanada. Im Dezember 2020 verkaufte Uber seine Entwicklungssparte an das Start-up Aurora.


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