Nach Signal-Phishing: Bundestag forciert Umstieg auf Wire
Der Deutsche Bundestag will die Nutzung des Messengerdienstes Wire auf Diensthandys beschleunigen. "Wir sind schon seit Monaten mit Wire im Austausch, aber das Thema hat nun natürlich noch einmal an Relevanz gewonnen", sagte Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) der Süddeutschen Zeitung(öffnet im neuen Fenster) (Paywall). Hintergrund der Pläne sind erfolgreiche Phishingangriffe auf die Signal-Konten hochrangiger Politiker, darunter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU).
Die Bundesverwaltung setzt schon seit Jahren auf Wire. 2020 wurde ein Test mit 1.500 Angestellten aus mehreren Bundesministerien gestartet. Im Jahr 2022 weitete die Verwaltung den Test auf mehr als 60 Behörden mit mehr als 10.000 Nutzern aus.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) nahm den Dienst in seine Liste der zugelassenen IT-Sicherheitsprodukte und -systeme(öffnet im neuen Fenster) auf. Die Bundesregierung teilte im September 2024 in einer Antwort(öffnet im neuen Fenster) (PDF) auf eine parlamentarische Anfrage mit, dass neun Ministerien sowie das Bundeskanzleramt und das Bundespresseamt Wire nutzten.
Firmensitz in der Schweiz und Berlin
Der Firmensitz von Wire befindet sich in der Schweizer Steueroase Zug, der Hauptsitz für Forschung und Entwicklung jedoch laut Firmenangaben(öffnet im neuen Fenster) in Berlin. Dort hat auch die Wire Group Holdings GmbH ihren Sitz. Weitere Standorte gibt es in Paris und im US-Bundesstaat Michigan. Der Quellcode ist auf Github verfügbar(öffnet im neuen Fenster). Seit April 2024 gibt es eine "strategische Partnerschaft" zwischen Wire und der Schwarz-Gruppe(öffnet im neuen Fenster), zu der die Handelsketten Lidl und Kaufland gehören.
Der europäische Firmensitz spielt bei der Wahl des künftigen Bundestags-Messenger eine Rolle. "Wir befinden uns in einer Bedrohungssituation, in der wir einen europäischen Anbieter schon aus Gründen der Souveränität vorziehen sollten", sagte Lindholz der Süddeutschen Zeitung. Zudem sprächen für Wire noch andere Faktoren. So sei anders als bei Signal nicht erforderlich, eine Telefonnummer zu hinterlegen und die verwendete E-Mail-Adresse könne nicht eingesehen werden. Laut Lindholz gibt es bei möglichen Angriffen schnell erreichbare Ansprechpartner.
Entscheidung Anfang Mai möglich
Dem Bericht zufolge steht am 5. Mai 2026 steht das Thema auf der Tagesordnung der Kommission für Informationstechnologien und Digitalisierung (IuD)(öffnet im neuen Fenster), die den Ältestenrat des Bundestags in Digitalisierungsfragen berät und der Lindholz aktuell vorsteht.
Sollte die Kommission eine Beschlussempfehlung für den Umstieg geben, müsste der Ältestenrat noch zustimmen. Dann könnte die Nutzung von Signal auf Geräten des Deutschen Bundestags verboten werden, etwa auf Dienstgeräten.
Auch geheime Kommunikation möglich
Der Bundesdatenschutzbeauftragten zufolge(öffnet im neuen Fenster) besteht Wire Bund "aus drei verschiedenen Säulen mit unterschiedlichen Schutzbedarfen, Netzwerkzonen sowie Föderierungen mit anderen Wire-Instanzen". So lässt sich mit geeigneten Geräten(öffnet im neuen Fenster) auch innerhalb der Netze des Bundes in der niedrigsten Geheimhaltungsstufe kommunizieren.
Darüber hinaus ist eine Kommunikation auf IT-Grundschutzniveau in weiteren Behördennetzen möglich. Diese beiden Nutzungen befinden sich demnach in der Pilotphase. Dabei wird die technische Infrastruktur vollumfänglich vom Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund) als eigenständige On-Premise Lösung in den Rechenzentren des ITZBund betrieben.
Zudem bestehe als weitere Säule die "Kommunikation mit nicht an behördliche Netze angeschlossenen Organisationen und externen Personen mit Erreichbarkeit über das Internet". Das werde "aktuell nicht umgesetzt".
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