Nach russischem Luftangriff: Ukraine nimmt gehackte Kameras vom Netz

Russland hat die in Kiew stationierten Überwachungskameras wohl für die Vorbereitung von Angriffen missbraucht.

Artikel veröffentlicht am , Marc Stöckel
Der russische Geheimdienst hat wohl zwei Kameras in Kiew gehackt.
Der russische Geheimdienst hat wohl zwei Kameras in Kiew gehackt. (Bild: pixabay.com/Filmbetrachter)

Am 2. Januar kam es zu einem russischen Luftangriff auf die ukrainische Hauptstadt Kiew, der wohl durch zwei vom russischen Geheimdienst gehackte Überwachungskameras unterstützt wurde. Der Sicherheitsdienst der Ukraine (SSU) machte die Adressen dieser Kameras nach eigenen Angaben im Anschluss ausfindig und blockierte den Zugriff.

Der russische Geheimdienst habe versucht, die ukrainischen Verteidigungskräfte auszuspionieren und sich Aufnahmen von kritischen Infrastrukturen zu beschaffen, hieß es dazu. Eine der Kameras habe sich auf einem Balkon eines Mehrfamilienhauses befunden, um die Umgebung zu überwachen. Die andere sei in einem Wohnkomplex in Kiew geortet worden und eigentlich für die Überwachung eines angrenzenden Parkplatzes gedacht gewesen.

Die Angreifer manipulierten den Angaben zufolge die Einstellungen der Kameras und veränderten die Blickwinkel, um Informationen über ukrainische Infrastruktureinrichtungen zu sammeln. Die erfassten Daten seien im Anschluss verwendet worden, um Angriffe auf Kiew vorzubereiten, erklärte der SSU. Eine der Kameras habe der russische Geheimdienst dafür sogar mit der Videoplattform Youtube verbunden.

Streaming öffentlicher Orte untersagt

Der SSU warnte die ukrainischen Bürger davor, Überwachungskameras für das Streaming von öffentlichen Orten einzusetzen. Die Veröffentlichung solcher Aufzeichnungen im Internet könne als feindlicher Akt gewertet und mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 12 Jahren geahndet werden. Zugleich forderte der Sicherheitsdienst die Bürger dazu auf, entdeckte und für derartige Zwecke eingesetzte Kameras über einen Telegram-Chatbot des SSU zu melden.

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine blockierte der Sicherheitsdienst nach eigenen Angaben bereits rund 10.000 IP-Kameras, die für die Planung feindlicher Angriffe hätten missbraucht werden können.

Digitale Kriegsführung mit weitreichenden Folgen

Angriffe über das Internet spielen in Kriegsszenarien wie jenem zwischen Russland und der Ukraine eine immer größere Rolle. Besonders folgenschwere Cyberangriffe gab es zuletzt in beide Richtungen: In der Ukraine hatte der Telekommunikationsdienstleister Kyivstar im Dezember für mehrere Tage mit weitreichenden Ausfällen zu kämpfen, die Millionen ukrainischer Bürger betrafen.

Auf der anderen Seite hackte der ukrainischen Militärnachrichtendienst nach eigenen Angaben Russlands föderalen Steuerdienst und infiltrierte mehr als 2.300 Server der Steuerbehörde. Wichtige Konfigurationsdateien sowie die "gesamte Datenbank" der russischen Steuerbehörde inklusive aller Sicherungskopien seien gelöscht worden, hieß es weiter.

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