Nach Protesten: China schafft staatliche Corona-App ab

China hat seine landesweite, staatlich kontrollierte Corona-App eingestellt. Wie unter anderem The Register(öffnet im neuen Fenster) berichtet, wurde die Anwendung in der Nacht vom 12. auf den 13. Dezember 2022 geschlossen. Damit endet eine Zeit von gut zweieinhalb Jahren, in denen die App das tägliche Leben von hunderten Millionen Chinesen bestimmte.
So konnten Bürger nur dann ihrem normalen Alltag nachgehen, wenn die Corona-App einen grünen Status anzeigte. Einen gelben Status bekamen Chinesen bereits bei einem möglichen Verdacht des Kontaktes zu Covid-19-Erkrankten, dann sollten sie sich selbst isolieren. Ein roter Status bedeutete, dass die Nutzer einen positiven PCR-Test oder engen Kontakt zu einer infizierten Person hatten.
Bereits mit dem gelben Status konnten Chinesen beispielsweise nicht mehr den öffentlichen Nahverkehr verwenden. Die staatliche Corona-App sammelte ungehindert Standortdaten, Telefonsignale, auch verschlüsselte Telefonnummern, Reisedaten der vorangegangenen zwei Wochen sowie die Namen aller Städte, in denen sich Nutzer mehr als vier Stunden lang aufhielten.
Risikostatus bestimmte das Leben von Millionen Chinesen
Anhand dieses Profils wurde von der App der Risikostatus der Bürger ermittelt, die verpflichtet waren, ihre Standorte auch durch das Scannen von QR-Codes anzugeben. Kritiker bemängelten den offensichtlich fehlenden Datenschutz. Gleichzeitig konnte bereits der Aufenthalt in einer Stadt mit einer Lockdown-Zone dazu führen, dass der eigene Status gelb wurde – auch wenn die Nutzer nicht einmal in die Nähe der Zone gekommen waren.
Die Einstellung der Corona-App ist ein weiterer Bestandteil der neuen Coronapolitik der Kommunistischen Partei Chinas. Nachdem die Staatsführung über fast drei Jahre eine Null-Covid-Politik verfolgte, in der durch strenge Lockdowns und Quarantänen Ausbrüche kontrolliert werden sollten, drehte die Partei Anfang Dezember 2022 ihren Kurs um 180 Grad. Vorausgegangen waren Proteste in vielen Städten gegen die strengen Auflagen, aber auch gegen die Einparteienherrschaft der Kommunistischen Partei und des Staatschefs Xi Jinping.
Seitdem wurden die bisherigen Beschränkungen abgeschafft, die Bürger des Landes können sich mittlerweile weitgehend frei bewegen – im Rahmen der grundsätzlichen Bewegungsbeschränkungen für bestimmte Gebiete Chinas. Die Bekämpfung der Coronapandemie wurde mehr oder weniger komplett von staatlicher Seite auf die Bürger verlagert, die sich fortan selbst darum kümmern sollen.
Fiebersenkende Schmerzmittel vielfach ausverkauft
Das führte in der vergangenen Woche unter anderem dazu, dass fiebersenkende Schmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen sowie andere Grippearzneien in Apotheken ausverkauft waren. Die Krankenhäuser sollen bereits überlastet sein, da das medizinische System Chinas nicht auf einen großflächigen Ausbruch von Covid-19 vorbereitet ist.
Problematisch ist, dass ein großer Teil der älteren Chinesen gar nicht geimpft ist. Die bisher verwendeten Totimpfstoffe aus chinesischer Produktion machen erst nach drei Impfungen einen Krankenhausaufenthalt unwahrscheinlich, mRNA-Impfstoffe westlicher Produktion haben in China keine Zulassung bekommen. Experten erwarten eine schwere Omikron-Welle in China, die zu vielen Toten führen könnte.
Neben der staatlichen Corona-App für ganz China gibt es in dem Land auch noch lokale Anwendungen. Von deren Einstellung ist bislang noch nichts bekannt.