Nach Protesten: Chef beendet Arbeit für US-Zoll und -Polizeibehörden

Nach Protesten aus der Community will der Devops-Spezialist Chef nicht mehr mit dem US-Grenzschutz CBP und der Einwanderungspolizei ICE zusammenarbeiten. Zuvor hatte der Vorstand dies noch verteidigt.

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Der Devops-Spezialist Chef will nicht mit CBP und ICE zusammenarbeiten.
Der Devops-Spezialist Chef will nicht mit CBP und ICE zusammenarbeiten. (Bild: Chef)

Nach einem wohl sehr turbulenten Wochenende hat das Open-Source-Unternehmen und Devops-Spezialist Chef angekündigt, seine laufenden Verträge mit dem US-Grenzschutz CBP und der Einwanderungspolizei ICE nicht zu verlängern. Beiden Behörden werden massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, weshalb die Zusammenarbeit von Chef mit diesen zu großer Kritik bei der Community führte.

In der vergangenen Woche wurde Chef öffentlich um eine Aussage zu dem Vertrag gebeten. Daraufhin nahm der Entwickler Seth Vargo einige seiner Ruby-Gem-Pakete offline, die dieser für Chef geschrieben hatte, damit das gleichnamige Werkzeug einfacher zu benutzen ist.

Das Depublizieren der Gems führte dazu, dass viele Nutzer und Kunden von Chef ihre Deployments nicht mehr wie gewohnt einsetzen konnten. Dieser Schritt führte letztlich aber auch zu einer größeren Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für die Verträge des Unternehmens mit den US-Behörden.

Auf Github schrieb der Programmierer: "Ich entschuldige mich für die Unterbrechung eures Workflows. " Im Gespräch mit dem Magazin The Register verteidigte Vargo zudem seine Entscheidung. Er habe handeln müssen, als er von den Verträgen erfahren habe.

Um zunächst die Arbeit seiner Kunden wieder zu gewährleisten, hatte Chef gemeinsam mit dem Betreiber der Ruby-Gems-Paketquelle das Paket wieder hergestellt. Ebenso wurde der Open-Source-Code durch Chef wieder veröffentlicht, wobei der Name des Autors Vargo zunächst überschrieben wurde. Das korrigierte Chef aber ebenfalls und bezeichnete dies als Versehen.

Zurückrudern von Chef nach Druck

Zusätzlich zu den technischen Aufgaben äußerte sich das Unternehmen in der vergangenen Woche auch noch zu den Verträgen mit den kritisierten Behörden. Der Chef-Geschäftsführer Barry Crist schrieb, dass es durchaus angebracht sei, mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Das Unternehmen sehe sich nicht in der Position, seine Kunden nach den persönlichen Ansichten des Vorstands auszuwählen.

Wörtlich heißt es in dem Blogposting von Christ: "Ich möchte klarstellen, dass es bei dieser Entscheidung nicht um den Auftragswert geht - es geht darum, in diesen volatilen Zeiten einen konsequenten und fairen Geschäftsansatz beizubehalten. Ich halte es nicht für angebracht, praktisch oder im Rahmen unserer Mission, bestimmte Regierungsprojekte zu prüfen, um zu bestimmen, welche US-Behörden wir geschäftlich betreiben sollen oder nicht."

Auch der in der Community stark verankerte Technikchef Corey Scobie äußerte sich auf Nachfragen vieler Community-Mitglieder zu der Entscheidung in einem Blogposting. Er schrieb, dass er als Immigrant selbst angewidert sei von dem Vorgehen von ICE. Zwar war der Blog von Scobie deutlich nachdenklicher formuliert als jener von Christ, doch auch der Technikchef verteidigte darin noch die Zusammenarbeit mit den Behörden.

Scobie schrieb: "Ich möchte etwas klarstellen: Der Software-Deal von Chef mit ICE ist in keiner Weise strukturiert oder beabsichtigt, um irgendein abscheuliches Verhalten zu ermöglichen, das die Community bewegt, wie zum Beispiel die Trennung von Kindern und ihrer Familien. Ziel ist es, IT-Experten mit den Tools auszustatten, die sie benötigen, um Veränderungen durch Wissen zu erkennen."

Trotz der Verteidigungen blieb der öffentliche Druck auf Chef wohl zu groß, so dass das Unternehmen nun seine Zusammenarbeit mit den Behörden beenden möchte. Geschäftsführer Christ bittet nun um Entschuldigung für die vorhergehenden Entscheidungen und dankt auch explizit den Mitarbeitern von Chef für deren Engagement in der Sache.

Christ schreibt: "Chef kann, wie auch andere Unternehmen, eine stärkere Position gegen Richtlinien einnehmen, die die grundlegenden Menschenrechte verletzen". Die Einnahmen aus den noch laufenden Verträgen will Chef zudem an gemeinnützige Organisationen spenden, "die schutzbedürftigen Menschen helfen, die von der Politik der Trennung und Inhaftierung von Familien betroffen sind."

In den USA fordern Aktivisten schon länger Technik-Konzerne wie Microsoft, Amazon oder auch das besonders kritisierte Palantir dazu auf, ihre Zusammenarbeit mit ICE und anderen Behörden zu beenden. Die aktuelle Zusammenarbeit wird dabei oft mit der Kooperation von IBM mit dem Nazi-Regime verglichen.

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