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Nach Nokia München: Nokia will auch Infinera in München schließen

Während Nokia die zweite Schließung in Deutschland beschlossen hat, gibt der Konzern eine Milliarden-Investition in den USA bekannt, koordiniert mit der Trump-Regierung.
/ Achim Sawall
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IG Metall München bei einer Aktion bei Infinera im Jahr 2019 (Bild: IG Metall München)
IG Metall München bei einer Aktion bei Infinera im Jahr 2019 Bild: IG Metall München

Nokia will Infinera in München schließen. Das hat Golem von der IG Metall erfahren. Laut der Gewerkschaft wird die Schließung bis 2030 vollzogen, 70 Arbeitsplätze gehen dadurch verloren.

Das Unternehmen wurde als Coriant von Nokia Siemens Networks abgespalten und an das Private Equity-Unternehmen Oak Tree verkauft. Im Juli 2018 erwarb Infinera den Glasfaser-Spezialisten und schloss den Berliner Standort trotz Protesten der Belegschaft.

Zuvor wurde intern die Schließung von Nokia in München angekündigt, was laut IG Metall über 300 Beschäftigte in München, Düsseldorf, Stuttgart, Ulm und Nürnberg betrifft. Nokia hat dies auf Anfrage nicht kommentiert. Im Intranet des Konzerns werden kritische Beiträge zeitnah wegmoderiert.

Nokia beschäftigt in Deutschland derzeit noch rund 2.500 Menschen. Nokia hatte Infinera erst im Juli 2024 für 2,3 Milliarden US-Dollar gekauft . Der Ausrüster für optische Netzwerke hat seinen Sitz im kalifornischen San José.

Am 21. November 2025 gab der finnische Telekommunikationsausrüster zudem bekannt(öffnet im neuen Fenster) , 4 Milliarden US-Dollar in den USA investieren. 3,5 Milliarden US-Dollar gehen laut den Angaben in den Bereich Forschung, Entwicklung und 500 Millionen US-Dollar in die Produktion in Texas, New Jersey und Pennsylvania.

Hohe Subventionen für Nokia in Deutschland

Nokia betonte dabei die enge Zusammenarbeit des Konzerns mit der Trump-Regierung. US-Handelsminister Howard Lutnick sagte: "Nokias Investition von 4 Milliarden US-Dollar ist ein weiterer Erfolg für die USA unter der Trump-Regierung." Durch die Investition in Fertigung, Verpackung und Forschung und Entwicklung optischer Chips würden Technologien für "KI, Rechenzentren und kritische Anwendungen der nationalen Sicherheit hier in den USA entwickelt und gebaut" .

Daniele Frijia, Geschäftsführer der IG Metall München und Mitglied des deutschen Aufsichtsrats bei Nokia, sagte Golem: "Wir sehen hier eine glasklare Strategie, das Unternehmen stärker in den USA zu verankern. Auch kulturell in Sachen Führung. Das geht erfahrungsgemäß mit einer Schwächung der Mitbestimmung einher."

Als europäisches Unternehmen täte es Nokia gut, seine Wertschöpfung in Europa zu erhalten, besonders weil die EU hohe Fördermittel an Nokia vergeben habe. "Die Politik ist hier gefordert, sich mehr in solche unternehmerischen Entscheidungen einzumischen. Die Souveränität Europas wird nicht gestärkt, sondern eher geschwächt" , betonte Frijia.

So gab die Europäische Kommission am 8. Juni 2023 die Genehmigung des Programms IPCEI ME/CT für Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien bekannt, in dem 14 Mitgliedstaaten, darunter Deutschland öffentliche Mittel von bis zu 8,1 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Nokia wird hier als einer der direkt Beteiligten genannt, der das Projekt in den Bereichen Mikroelektronik, 5G und 6G vorantreibt. Das Bundeswirtschaftsministerium beschreibt Nokias Beteiligung in dem Bereich Software basierte Funksysteme für den Entwurf integrierter Schaltungen (SDR4SOC) innerhalb des IPCEI ME/CT in Deutschland.


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