Nach Lynchmorden: Whatsapp schränkt Weiterleitung drastisch ein

Der Messengerdienst Whatsapp will die gleichzeitige Weiterleitung von Nachrichten an viele Empfänger drastisch einschränken. In einem Blogpost(öffnet im neuen Fenster) teilte das Unternehmen am Donnerstag mit, diese Funktion für alle Nutzer weltweit zu begrenzen. Die genaue Zahl der erlaubten Weiterleitungen wurde darin nicht genannt. Einem Bericht des US-Technikblogs Recode zufolge(öffnet im neuen Fenster) sollen es nur noch 20 sein. Zuvor seien es mehr als 250 gewesen. Whatsapp kündigte an, die Zahl in Indien sogar auf 5 zu beschränken. Zudem werde in dem Land auch der Button für die schnelle Weiterleitung von Mediendateien entfernt.
Hintergrund des Vorgehens sind Berichte, wonach es durch das Verbreiten falscher Behauptungen über den Messengerdienst schon zu Lynchmorden gekommen ist(öffnet im neuen Fenster) . So wurden in Indien mit solchen Nachrichten Ängste vor angeblichen Kindesräubern geschürt. Zwei ortsfremde Männer wurden aus ihrem Auto gezerrt und getötet, nur weil sie nach dem Weg gefragt haben sollen. In Ländern wie Brasilien oder Kenia ist der Messengerdienst demnach ein beliebtes Medium geworden, um Fake-News zu verbreiten. Laut Whatsapp werden in Indien mehr Nachrichten, Bilder und Videos weitergeleitet als in jedem anderen Land der Welt.
Medium für private Kommunikation
Das Unternehmen will mit den neuen Einschränkungen erreichen, dass Whatsapp weiterhin für den eigentlich vorgesehenen Zweck genutzt wird: ein privates Kommunikationsmittel. "Wir sind entsetzt über die Gewalt in Indien. Und wir haben einige Änderungen angekündigt, die diese Themen angehen" , sagte ein Firmensprecher laut Recode. Die Vorfälle erforderten Handlungen durch die Zivilgesellschaft, Regierung und IT-Konzerne.
Nicht nur Whatsapp, sondern auch der Mutterkonzern Facebook war zuletzt in die Kritik geraten, weil die Verbreitung von Falschnachrichten zu Gewalttaten gegen Personen und Bevölkerungsgruppen haben sollen, darunter die Vertreibung der Rohingyas in Myanmar. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hatte in diesem Zusammenhang erläutert, dass er Falschbehauptungen, wie die Leugnung des Holocaust, nicht von der Plattform entfernen wolle . Erst dann, wenn in Beiträgen zur Gewalt angestiftet werde, wolle des Netzwerk einschreiten. Schließlich könne man nicht feststellen, ob die Massenvernichtung von Juden im Zweiten Weltkrieg durch Nazi-Deutschland "absichtlich" geleugnet werde.
Kritik von Bundesregierung und Wiesenthal-Zentrum
Zuckerbergs Position war anschließend stark kritisiert worden, obwohl die Leugnung des Holocaust in den USA, anders als in Deutschland, von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. "Mark Zuckerberg liegt falsch" , twitterte das Simon-Wiesenthal-Zentrum(öffnet im neuen Fenster) , das mit der weltweiten Suche nach untergetauchten Nazi-Verbrechern bekannt geworden war. Es gäbe zwei Arten von Holocaust-Leugnern, hieß es weiter. Die einen wollten nicht glauben, dass es Auschwitz gegeben habe, die anderen, wie Iran, "wollten den Job fertig machen" .
Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hatte Zuckerberg kritisiert. "Wer den Holocaust leugnet, den sollte niemand verteidigen" , schrieb Maas am Donnerstag auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) und fügte hinzu: "Antisemitismus darf nirgendwo einen Raum haben." Weltweit müsse alles getan werden, um jüdisches Leben zu schützen.



