Nach "Judenhasser"-Eklat: Facebook erlaubt wieder gezielte Werbung an Berufsgruppen

Facebook hat 5.000 werberelevante Zielgruppen wieder per Hand freigeschaltet. Facebook-Managerin Sheryl Sandberg zeigte sich "enttäuscht" über das Versagen ihres Unternehmens, das Werbung für "Judenhasser" ermöglichte.

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Sheryl Sandberg zeigte sich enttäuscht über die fehlende Kontrolle bei der Zielgruppenwerbung.
Sheryl Sandberg zeigte sich enttäuscht über die fehlende Kontrolle bei der Zielgruppenwerbung. (Bild: Philippe Wojazer/Reuters)

Das soziale Netzwerk Facebook hat eine der wichtigsten Funktionen für seine Werbekunden reaktiviert. Wie Firmenmanagerin Sheryl Sandberg in einem umfangreichen Blogbeitrag erläuterte, stehen rund 5.000 häufige Berufsbezeichnungen - etwa Krankenschwester, Lehrer oder Zahnmedizin - wieder für gezielte Werbung zur Verfügung. Die Möglichkeit war in der vergangenen Woche abgeschaltet worden, nachdem ein US-Medium festgestellt hatte, dass sich darüber auch Gruppen wie "Judenhasser" auswählen ließen.

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Facebook-COO Sandberg verwies in ihrem Beitrag auf die besondere Bedeutung dieser Funktion für Werbekunden. Damit sei es auch kleineren Firmen möglich, mit wenig Budget potenzielle Kunden anzusprechen. Um die Zielgruppe noch besser definieren zu können, habe Facebook die Kategorien "Ausbildung" und "Arbeitgeber" hinzugefügt. Dort hatten Facebook-Nutzer auch Angaben wie "Die Geschichte von 'Warum Juden die Welt ruinieren'" oder "Wie man Juden verbrennt" eingetragen. Als Arbeitgeber hatten mehrere Tausend Nutzer "German Schutzstaffel" oder "Nazi Party" angegeben.

"Angewidert und enttäuscht"

Die Facebook-Managerin zeigte sich "angewidert", dass Nutzer diese Angaben gemacht hätten. Allerdings sei sie auch "enttäuscht, dass unsere Systeme das erlaubt haben". Sandberg fügte hinzu: "Hass hat keinen Platz auf Facebook. Und als Jüdin, Mutter und Mensch weiß ich, welcher Schaden daraus entstehen kann".

Inhalte, die gegen Facebooks Gemeinschaftsregeln verstoßen, sollen künftig nicht mehr für die zielgerichtete Werbung genutzt werden können. Dazu gehöre alles, was sich direkt gegen Menschen aufgrund von Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Nationalität, Religion, sexueller Orientierung, Geschlecht oder Krankheiten richte. Der automatisierte Prozess soll laut Sandberg stärker manuell überwacht und kontrolliert werden.

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Das US-Portal Propublica hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass für die Vermarktung von Nazi-Memorabilien oder die Werbung für rechtsradikale Veranstaltungen die genannten Zielgruppen ausgewählt werden konnten. Propublica schaltete nach eigenen Angaben auf diese Weise drei Anzeigen, die auf einen Artikel ohne Bezug zum Thema verlinkten. Das Werbeunternehmen akzeptierte die Aufträge innerhalb von 15 Minuten.

Facebook kündigte anschließend an, seine Zielgruppenwerbung zu verändern. Die von den Nutzern selbst angegebenen Interessen sollten vorerst nicht mehr verwendet werden, damit Werbung nicht zur Diskriminierung genutzt werden könne. Allerdings ist die zielgerichtete Werbung für den Erfolg des Unternehmen zu wichtig, um den Kunden diese Möglichkeit eine längere Zeit vorzuenthalten.

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