Nach internem Streit: Digitalcourage wählt Thilo Weichert zum Vorstand

Der Datenschutzverein Digitalcourage hat einen neuen Vorstand gewählt, dem nun unter anderem Thilo Weichert angehört. Er war bis 2015 vor allem als Landesdatenschützer von Schleswig-Holstein und für seine Kritik an Unternehmen wie Facebook bekannt.
Zusammen mit Weichert wurden das Digitalcourage-Mitglied und IT-Sicherheitsberaterin Daniela Schlegel sowie der ehemalige Geschäftsführer von Digitalcourage, Detlev Sieber, gewählt. Der einzige Gegenkandidat Lars Freitag, der früher schon einmal im Vorstand des Vereins saß, wurde nicht gewählt.
Der Umstrukturierung ging ein Eklat bei der letzten Mitgliederversammlung im November 2023 voraus. Die letzte Mitgliederversammlung sei "nicht gut gelaufen" , so Digitalcourage-Gründer Padeluun. Er entschuldigte sich, dass er "damals emotional überreagiert habe" . Golem.de hatte über die Hintergründe der umstrittenen Wahlveranstaltung berichtet .
Gründer übernehmen neue Leitungspositionen
Es ist der erste Vorstand in der 37-jährigen Geschichte des Vereins, dem die beiden Gründer Rena Tangens und Padeluun nicht angehören. Sie übernehmen zukünftig andere Rollen. Tangens ist nun als politische Geschäftsführerin tätig, Padeluun im neu geschaffenen Posten als künstlerischer Leiter. Außerdem wurden beide zu Ehrenmitgliedern ernannt.
"Die alte Struktur, dass der Vorstand auch gleichzeitig Geschäftsführung macht, passte, als wir noch kleiner waren, aber Digitalcourage ist enorm gewachsen" , sagte Tangens. Sie freue sich auf "die kritische Begleitung durch den neuen Vorstand."
Der ehemalige Digitalcourage-Mitarbeiter Markus Korporal, dessen Kandidatur bei der letzten Mitgliederversammlung Auslöser für den Konflikt war, schrieb auf Mastodon(öffnet im neuen Fenster) , die Trennung von Vorstand und Geschäftsführung sei "richtig, wichtig, aber auch eine Selbstverständlichkeit, für die es kein Lob geben sollte."