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Nach Insolvenz: Neuer Chef schockiert über "inakzeptable Praktiken" bei FTX

Der Insolvenzverwalter ist entsetzt vom Zustand der Kryptowährungsbörse . FTX-Gründer Bankman-Fried schießt derweil gegen die Regulatoren.
/ Daniel Ziegener
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"Scheiß auf die Regulierungsbehörden!", so FTX-Gründer Sam Bankman-Fried. (Bild: Reuters)
"Scheiß auf die Regulierungsbehörden!", so FTX-Gründer Sam Bankman-Fried. Bild: Reuters

Der neue Chef der insolventen Kryptowährungsbörse FTX ist entsetzt über den Zustand des insolventen Unternehmens. Das geht aus Gerichtsunterlagen(öffnet im neuen Fenster) hervor. "Noch nie in meiner Karriere habe ich solch ein komplettes Versagen an Unternehmenskontrolle und so einen Mangel an vertrauenswürdigen Finanzinformationen erlebt" , erklärte John Ray. Die Arbeit von FTX-Gründer Sam Bankman-Fried und seinem Führungsteam sei von "inakzeptablen Managementpraktiken" geprägt.

Ray hatte die Geschäftsführung nach der Beantragung des Konkursverfahrens vom Gründer Sam Bankman-Fried am 11. November 2022 übernommen.

Die Kontrolle über FTX habe "in den Händen einer sehr kleinen Gruppe von unerfahrenen, naiven und womöglich kompromittierten Personen" gelegen, sagte Ray am Donnerstag in einem Bericht an das Insolvenzgericht. Er sprach von einer "beispiellosen" Situation. Ray hatte unter anderem die Insolvenz des Energiekonzerns Enron betreut.

Gründer schießt in Interview gegen Regulatoren

Auch der ehemalige CEO von FTX hat sich in einem Interview geäußert – per Direktnachrichten auf Twitter. Sam Bankman-Fried sagte dem US-amerikanischen Magazin Vox(öffnet im neuen Fenster) , dass seine für den Kryptowährungsmarkt ungewöhnlich offene Haltung gegenüber Finanzregulatoren "nur PR" war.

Andere Aussagen scheinen die Einschätzung von John Ray zu bestätigen. Nachdem Bankman-Frieds Unternehmen Alameda Research bei der Pleite der Stablecoin Luna massive Verluste verbuchen musste, sagte Ray, dass er das Ausmaß des Problems aufgrund einer "chaotischen Buchhaltung" nicht erkannt hätte. Das volle Ausmaß habe er erst vor wenigen Wochen begriffen.

Die Kryptowährung Terra Luna war im Juni 2022 nach dem Einbruch des gesamten Kryptowährungsmarktes zusammengebrochen. Viele Kleinanleger verloren(öffnet im neuen Fenster) ihre gesamten Ersparnisse.

Auch wenn Bankman-Fried erneut einräumte, dass er "mehrere Male große Scheiße gebaut" habe, hält er die Anmeldung der Insolvenz nach dem Chapter-11-Verfahren für seinen größten Fehler. Bis zuletzt soll Bankman-Fried noch versucht haben, neue Investoren zu finden, um die mehr als eine Millionen Gläubiger entschädigen zu können .

"Scheiß auf die Regulierungsbehörden!" , sagte er. Sie würden alles schlimmer machen und nicht den Kunden helfen.

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Sammelklage gegen prominente Werbefiguren

Zahlreiche von der FTX-Pleite geschädigte Kunden versuchen derweil, sich selbst zu helfen: In den USA wurde eine erste Sammelklage(öffnet im neuen Fenster) eingereicht. Der Schaden belaufe sich nach den Anwälten auf 11 Milliarden US-Dollar allein bei Kunden in den USA.

Die Klage richtet sich nicht nur gegen Sam Bankman-Fried, sondern auch gegen mehrere Prominente, die für FTX geworben hatten. Darunter sind Shaquille O'Neal, die Sportler Stephen Curry und Tom Brady, das Model Gisele Bündchen und der Komiker Larry David. FTX hatte mit ihnen unter anderem Werbespots für das American-Football-Event Superbowl produziert.

In der Anklageschrift werden auch Tweets von Sam Bankman-Fried als Belege für Fehlverhalten des ehemaligen CEO herangezogen.


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