Nach Heartbleed: Neues Zertifikat, alter Key

Nach dem Heartbleed-Bug haben viele Administratoren Zertifikate für TLS-Verbindungen ausgetauscht. Viele haben dabei jedoch einen fatalen Fehler begangen: Sie erstellten zwar ein neues Zertifikat, aber keinen neuen Schlüssel.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Neues Zertifikat, kein neuer Key
Neues Zertifikat, kein neuer Key (Bild: Netcraft)

Nach dem Heartbleed-Bug lautete der Ratschlag an Systemadministratoren: Zertifikate müssen jetzt ausgetauscht werden. Denn im schlimmsten Fall ist ein Angreifer mittels Heartbleed in der Lage, die privaten Schlüssel zu einem Zertifikat zu extrahieren.

Stellenmarkt
  1. (Senior) Expert Development (m/w/d) Backend SAP-Commerce / Hybris
    Fressnapf Holding SE, Düsseldorf
  2. Entwickler (m/w/d) Business Intelligence / Data Warehouse
    bofrost*, Straelen
Detailsuche

Viele Administratoren sind dem auch nachgekommen. Nach einer Statistik, die die Webseite Netcraft veröffentlicht hat, haben etwa 43 Prozent der von Netcraft beobachteten Webseiten nach Heartbleed ihre Zertifikate erneuert. Doch die Statistik von Netcraft zeigt auch, dass etwa sieben Prozent davon offenbar einen kapitalen Fehler begangen haben: Sie haben zwar ein neues Zertifikat erstellt, aber den kryptographischen Schlüssel, der Teil eines jeden Zertifikats ist, nicht geändert.

Damit ist der Austausch der Zertifikate völlig nutzlos. Denn das neue Zertifikat soll davor schützen, dass Angreifer möglicherweise bereits vor oder kurz nach der öffentlichen Bekanntgabe von Heartbleed private Schlüssel extrahiert haben. Doch wenn derselbe private Schlüssel auch für das neue Zertifikat gilt, kann ein Angreifer damit nach wie vor Verbindungen abhören.

Manche Zertifizierungsstellen bieten ihren Kunden an, Zertifikate nicht komplett neu zu erstellen, sondern lediglich zu "erneuern". Das bedeutet, dass der User seinen privaten Schlüssel weiterhin nutzen kann und lediglich das Zertifikat selbst austauschen muss. Sonderlich empfehlenswert ist das allerdings nicht: Da die Erzeugung eines neuen Schlüssels nichts kostet und nur wenige Sekunden dauert, ist es besser, generell bei einem neuen Zertifikat auch einen neuen Schlüssel zu verwenden.

Golem Akademie
  1. Linux-Systeme absichern und härten
    8.-10. November 2021, online
  2. Microsoft 365 Security Workshop
    27.-29. Oktober 2021, Online
  3. Penetration Testing Fundamentals
    23.-24. September 2021, online
Weitere IT-Trainings

Netcraft weist darauf hin, dass Zertifizierungsstellen ein solches Wiederverwenden des Schlüssels bei zurückgezogenen Zertifikaten generell unterbinden sollten. Wenn ein Zertifikat zurückgezogen wird, geht man, anders als bei einem abgelaufenen Zertifikat, in der Regel davon aus, dass der private Schlüssel nicht mehr als sicher angesehen werden kann. Die Zertifizierungsstellen müssten lediglich eine Liste der Schlüssel von zurückgezogenen Zertifikaten vorhalten und neue Zertifikate damit vergleichen.

Neben dem Problem mit den wiederverwendeten Schlüsseln beobachtete Netcraft, dass bei vielen neuen Zertifikaten die zugehörigen alten Zertifikate nicht zurückgezogen wurden. Das betrifft etwa die Hälfte der neuen Zertifikate. Ein Grund dafür dürfte sein, dass manche Zertifizierungsstellen für das Zurückziehen von Zertifikaten Geld verlangen. Allerdings: Das Zurückziehen von Zertifikaten mittels des CRL- oder OCSP-Protokolls ist sowieso weitgehend nutzlos. Insofern dürfte das Zurückziehen in der Praxis auch nur einen geringen Sicherheitsgewinn bringen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


derdiedas 12. Mai 2014

... die meisten haben den Bug damit erledigt das Betroffene Produkt zu Patchen. Damit ist...

Ingwar 12. Mai 2014

Im Grundstudium haben wir sowas auch nicht gelernt - vielleicht einem der Schwerpunkte...

nirgendwer 11. Mai 2014

In dieser Kombination nicht unbedingt. Da hats doch wer nicht geglaubt und einen...

justanotherhusky 11. Mai 2014

Nicht böse sein, aber der einzig tiefere Sinn für wahrscheinlich 75% der...

neocron 11. Mai 2014

tolle auffassungsgabe!



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
William Shatner
Captain Kirk fliegt offenbar in die Erdumlaufbahn

Energie! Noch im Oktober 2021 fliegt William "Kirk" Shatner möglicherweise mit Jeff Bezos ins All.

William Shatner: Captain Kirk fliegt offenbar in die Erdumlaufbahn
Artikel
  1. Browser: Edge unterstützt Maus und Tastatur auf Xbox
    Browser
    Edge unterstützt Maus und Tastatur auf Xbox

    Microsoft hat Edge auf den aktuellen Xbox-Konsolen aktualisiert. Jetzt lässt sich der Browser fast wie am PC per Maus und Tastatur bedienen.

  2. 600 Millionen Euro: Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen
    600 Millionen Euro
    Bundeswehr lässt Funkgeräte von 1982 nachbauen

    Das SEM 80/90 mit 16 KBit/s wird exakt nachgebaut, zum Stückpreis von rund 20.000 Euro. Das Retrogerät geht für die Bundeswehr in Serie.

  3. MacOS Monterey Beta: Hinweise auf neues MacBook Pro 16 mit höherer Auflösung
    MacOS Monterey Beta
    Hinweise auf neues MacBook Pro 16 mit höherer Auflösung

    Die neueste Beta von MacOS Monterey beinhaltet Hinweise auf ein MacBook Pro 16 Zoll, welches ein Display mit 34.56 x 2.234 Pixel Auflösung haben soll.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Samsung Odyssey G7 499€ • Alternate (u. a. Thermaltake Level 20 RS ARGB 99,90€) • Samsung 980 1 TB 83€ • Lenovo IdeaPad Duet Chromebook 229€ • Lenovo-Laptops zu Bestpreisen • 19% auf Sony-TVs bei MM • Samsung SSD 980 Pro 1TB 150,50€ • AeroCool Cylon 4 ARGB 25,89€ [Werbung]
    •  /