Deepmind will Gesundheitssystem radikal umwandeln

Eine Opt-out-Möglichkeit für die Patienten gab es nicht, Medienberichten zu Folge wurden sie nicht einmal über die Verwendung ihrer Daten informiert - ein Rechtsbruch. Google versicherte später, dass eine Identifizierung der Patienten durch Google-Personal nicht vorgesehen sei. Aufhorchen lassen sollte, dass Deepmind-Mitbegründer Mustafa Suleyman in typischer Silicon-Valley-Manier mitten in der Debatte verkündete, dass Deepmind "hier nicht tätig wäre, wenn wir nicht glauben würden, dass wir das Gesundheitswesen innerhalb von zehn Jahren radikal umwandeln könnten".

Die Gründer von Deepmind gehören zu den Investoren von Babylon, einem Unternehmen, das für das NHS unter anderem über Smartphone-Apps den Notrufdienst 111 des NHS sowie hausärztliche Beratungsdienste organisiert. Wirklich interessant für Investoren seien aber Gesundheitsdienste, die sich speziellen Krankheiten widmeten, und nicht länger eine teure Rundum-Versorgung für die ganze Bevölkerung anbieten müssten, berichtete Open Democracy über die Verhandlungen der britischen Regierung mit der US-Regierung unter Donald Trump.

Kurz vor den Parlamentswahlen vom 12. Dezember 2019 legte Labour-Chef Jeremy Corbyn Belege vor, wonach die konservative Partei bereits Vorbereitungen getroffen habe, neben einem erleichterten Marktzugang für US-Konzerne auch eine Erhöhung der bislang gedeckelten Medikamentenpreise zuzulassen.

Google greift auf Patientendaten zu

In den USA ist die Entwicklung schon einen Schritt weiter: Dort hat Google bereits unmittelbaren Zugriff auf Patientendaten dank einer Vereinbarung mit dem Krankenhauskonzern Ascension, der in manchen Regionen ein Versorgungsmonopol hat. Millionen sensibler Patientendaten werden auf Google-Servern gespeichert und ausgewertet.

Google dürfte vor allem daran interessiert sein, Verfahren der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens auf Basis der Patientendaten zu erforschen. Diese Anwendungen sollen das Potenzial haben, Verbesserungen der klinischen Qualität und Effizienz, Patientensicherheit und der Interessen schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Zudem sollen sie die Zufriedenheit von Verbrauchern und Anbietern stärken.

Gesundheitsprojekte auch in Deutschland

Für den Bundesdatenschutzbeauftragten Ulrich Kelber belegt die Kooperation von Google und Ascension den Trend, das Gesundheitswesen immer weiter zu digitalisieren, gleichwohl hält er ähnliche Kooperationen in Deutschland aufgrund der restriktiveren Regelungen zur Verarbeitung von Gesundheitsdaten für "nur bedingt denkbar".

Die Gesundheitsdaten sind hier jedoch bereits Gegenstand neuer Projekte des Bundesgesundheitsministeriums. Der von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ins Leben gerufene "Health Innovation Hub" organisierte im September 2019 einen "Health Hackathon" in Berlin, bei dem 25 Teams Ideen zur Nutzung von Gesundheitsdaten entwickelten. Der Bundesdatenschutzbeauftragte will sich deshalb nun mit dem Bundesgesundheitsministerium in Verbindung setzen: Bei solchen Projekten seien die Vorgaben des Datenschutzes "von Anfang an zu berücksichtigen", sagt Kelber.

Nach der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dürfen die Gesundheitsdaten nur dann ausgewertet werden, wenn die Patienten zustimmen. Im Forschungsbereich sind Einwilligungserklärungen von Patienten jedoch problematisch, da der Zweck der Forschung nicht immer klar definiert ist. Patienten könnten sich in diesen Fällen bei den Aufsichtsbehörden beschweren.

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 Nach Fitbit-Kauf: Was plant Google mit den Gesundheitsdaten?
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