Nach Brandanschlag: Im Dreischichtbetrieb zu neuem Stromanschluss für Tesla
Während der Netzbetreiber rund um die Uhr einen neuen Strommast aufstellt, gibt es Proteste für und gegen die Tesla-Fabrik in Grünheide.
Der Stromnetzbetreiber Edis macht nach eigenen Angaben schnelle Fortschritte bei der Schadensbehebung nach einem Brandschlag auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide. Inzwischen sei mit der "Konstruktion und Montage zweier imposanter Hochspannungs-Portale begonnen", teilte das Unternehmen am 9. März 2024 mit und fügte hinzu: "Da auf der gesamten Baustelle in einem 3-Schichtsystem gearbeitet wird, konnten bei der Montage sowie im Tiefbau bereits bis heute früh wesentliche Fortschritte erzielt werden."
Bei einem Brandanschlag waren am vergangenen Dienstag ein Strommast für eine 110-Kilovolt-Leitung sowie der Übergang zu einer Erdkabelleitung stark beschädigt worden. Dadurch ist sowohl für die Gigafactory des US-Autoherstellers Tesla in Grünheide als auch das benachbarte Güterverkehrszentrum Freienbrink die Stromversorgung unterbrochen. Im Tesla-Werk soll die Produktion voraussichtlich gegen Ende der Woche wieder angefahren werden.
Laut Edis sind die beiden Hochspannungsportale "tragender Bestandteil für die Verbindung zwischen dem unterirdischen Kabelsystem sowie dem am Mast abgespannten Freileitungssystem". Diese bestünden aus massiven Fundamenten und aufwendigen Stahlgitterkonstruktionen, die von Fachkräften montiert worden seien. Inzwischen seien die Erdkabelsysteme vollständig freigelegt und für die Verbindung mit der vom Mast abgespannten Freileitung vorbereitet worden. Die Baustelle müsse laufend entwässert werden. Wann die Stromversorgung wieder hergestellt wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Beschäftigte demonstrieren am Werk
Aus Solidarität mit dem Unternehmen hatten sich am Freitagabend Beschäftigte vor dem Werk in Grünheide versammelt. Vor dem dunklen Fabrikgebäude ließen sie am Freitagabend ihre Handy-Lichter leuchten. Mehr als 2.000 Mitarbeiter und Familienangehörige seien dem Aufruf des Betriebsrates gefolgt, sagte Tesla-Werksleiter André Thierig. Er schrieb am Freitagabend beim Karrierenetzwerk Linkedin noch, die Beschäftigten setzten ein klares Zeichen gegen Gewalt, für den Zusammenhalt der Belegschaft und "dass wir uns nicht unterkriegen lassen".
Am Sonntag wollten hingegen Umweltaktivisten gegen Tesla-Erweiterungspläne protestieren. Das Bündnis Tesla den Hahn abdrehen erwartete mehrere Hundert Menschen. Die Umweltaktivisten fordern, die Politik solle das Votum der Bürger gegen die Tesla-Erweiterungspläne umsetzen und den Ausbau verhindern. Bei einer Befragung hatte eine Mehrheit der Anwohner die Pläne abgelehnt. Umweltaktivisten protestieren seit vergangener Woche in einem Baumhaus-Camp in Grünheide gegen die geplante Erweiterung des Tesla-Geländes und die Abholzung von Wald.
Generalbundesanwalt ermittelt
Die Sprecherin von Tesla den Hahn abdrehen, Lou Winters, sagte angesichts des Anschlags auf die Stromversorgung von Tesla, die sogenannte Vulkangruppe gehöre nicht zum Bündnis. Die linksextreme Vulkangruppe hatte erklärt, für den Anschlag verantwortlich zu sein. "Wir haben andere, kreative Protestformen und wollen mit den Bürgern vor Ort in Kontakt treten", sagte Winters. Dem Bündnis Tesla den Hahn abdrehen gehören unter anderem die Bürgerinitiative Grünheide, Robin Wood, Extinction Rebellion und Sand im Getriebe an.
Inzwischen übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen in dem Fall. Es bestehe der Anfangsverdacht unter anderem der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der gemeinschaftlichen Brandstiftung, teilte eine Sprecherin der Karlsruher Behörde am Freitag mit. "Weitere Auskünfte werden derzeit nicht erteilt", hieß es weiter aus der obersten Strafverfolgungsbehörde in Deutschland.