Nach Berliner Blackout: Alle sechs Jahre passiert ein Stromausfall
Fünf Tage ohne Strom bei Frost, das bedeutet: kein Licht, kein Heizen, kein Kochen, kein Laden des Smartphones. Ein derart großflächiger und andauernder Stromausfall wie Anfang Januar in Berlin dürfte jeden auf die Probe stellen.
Allerdings kam hier vieles zusammen, nicht nur die Jahreszeit. Eine absolut essenzielle Kabelverbindung wurde, noch dazu mut- und böswillig, komplett zerstört. Sie führte über einen Kanal und ließ sich nur mit viel Aufwand reparieren. Das Ergebnis war der längste Stromausfall in Berlin seit 80 Jahren und einer größten in der Geschichte der Bundesrepublik.
Blackout oder Stromausfall
Ein Blackout(öffnet im neuen Fenster) war es wohl dennoch nicht. Dafür reichte das Ausmaß trotz 100.000 betroffener Personen nicht, zumal aus den umliegenden Stadtvierteln Hilfe geleistet werden konnte.
Am ehesten als Blackout könnte das sogenannte Münsterländer Schneechaos(öffnet im neuen Fenster) bezeichnet werden, bei dem 2005 größere Landstriche wegen starker Schneefälle und umgeknickter Hochspannungsmasten mehrere Tage ohne Strom blieben. Auch bei dem kompletten Blackout in Spanien im April 2025 bleibt die Einordnung schwierig, denn eigentlich müsste ein solches Ereignis mehrere Tage umfassen, dauerte hier aber nur etwa 16 Stunden.
Jeden Tag bleibt 430-mal der Strom weg
Auch wenn sie immer wieder vorkommen und dank umfangreicher Berichterstattung sehr präsent sind: Großflächige Stromausfälle oder gar Blackouts treten in Deutschland und Europa fast nie auf.
Stromausfälle an sich, ausgelöst durch Defekte, menschliches Versagen oder mutwillige Einwirkung, gibt es dagegen häufig. 2024 registrierte die Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) 158.000 ungeplante Stromunterbrechungen.
Das waren 430 am Tag oder 18 pro Stunde. Das lässt sich so genau nachprüfen, weil sämtliche Netzbetreiber zur Meldung dieser Vorfälle(öffnet im neuen Fenster) verpflichtet sind und sie mit Ursache, Ausbreitung und Dauer dokumentieren müssen.
Mit Glück ein Jahrzehnt ohne Stromausfall
Dank dieser genauen Aufschlüsselung (xlsx-Datei)(öffnet im neuen Fenster) errechnete die Bundesnetzagentur für 2024 eine durchschnittliche Ausfallzeit für jeden Haushalt von 11,6 Minuten im gesamten Jahr. 2006 lag der Wert bei 21,5 Minuten. 2005 bedeutete allein der Stromausfall im Münsterland 12,7 Minuten Aufschlag.
Laut Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) erfüllt ein Wert von unter 17 Minuten im Jahr den Zuverlässigkeitsstandard. Erst bei 166 Minuten ist die Versorgungssicherheit gefährdet.
Laut dem Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V. (VDE)(öffnet im neuen Fenster) liegt Deutschland damit global gesehen auf einem der vorderen Plätze.
Pro Haushalt fast zu vernachlässigen
Aus den gesammelten Daten der Agentur ergibt sich zudem die durchschnittliche Dauer der erfassten Stromausfälle. Sie lag 2024 bei 70 Minuten, womit in dem Jahr nur jeder sechste Haushalt davon betroffen war. Andersherum fällt, ausgehend vom Jahr 2024, nur alle sechs Jahre der Strom unvorhersehbar aus. Geplante und angekündigte Reparaturen sind hier nicht erfasst.
Geht man von einer Normalverteilung aus, schafft ungefähr jeder vierzigste Haushalt ein ganzes Jahrzehnt ohne Stromausfall. Nicht wenige Menschen dürften somit sogar noch nie einen Stromausfall erlebt haben.
Für 2025 gibt es allerdings noch keine neuen Zahlen. Die Meldungen werden noch gesammelt. Immerhin ist für 2026 schon klar, dass der Wert bei über 7 Minuten liegen muss, denn dafür allein ist bereits der Stromausfall in Berlin verantwortlich.
Vorsorgen lohnt, aber richtig
Es lässt sich festhalten, dass im Durchschnitt alle sechs Jahre für etwa eine Stunde der Strom ausfällt. Extra dafür ein Notstromaggregat, eine komplette Inselanlage, die sich stromnetzunabhängig betreiben lässt, oder eine Powerstation anzuschaffen, scheint angesichts der Zahlen wirklich übertrieben.
Deshalb finden sich solche Ratschläge auch nicht in den vorbeugenden Maßnahmen des Katastrophenschutzes. Der rät dazu, Taschenlampen, Kerzen und ein batteriebetriebenes Radio bereitzuhalten.
Mit Essen in Dosen wird man auch ohne Kochen satt und ein paar Liter Wasser auf Vorrat schaden nie. Gegen eventuelle Kälte hilft zudem ein dicker Schlafsack. Das Gute an all den Sachen: Man kann sie auch sonst ganz gut gebrauchen, denn ein Notstromaggregat allein macht weder satt noch spendet es Licht.
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