Nach Attentat in Halle: Seehofer möchte "Gamerszene" stärker kontrollieren
Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat Computerspielen eine Mitschuld an dem rechtsextremen Attentat in Halle gegeben. In einem ARD-Interview kündigte er deshalb eine stärkere Überwachung der "Gamerszene" an. Seine Äußerungen sorgten für kontroverse Reaktionen.
"Das Problem ist sehr hoch. Viele von den Tätern oder potenziellen Tätern kommen aus der Gamer-Szene,"sagte Seehofer der ARD, die einen Ausschnitt des Interviews auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichte. "Manche nehmen sich Simulationen geradezu zum Vorbild. Man muss genau hinschauen, ob es noch ein Computerspiel ist, eine Simulation, oder eine verdeckte Planung für einen Anschlag, und deshalb müssen wir die Gamerszene stärker in den Blick nehmen." Damit stelle der Bundesinnenminister Computerspieler unter Generalverdacht, anstatt das beängstigende Problem Rechtsextremismus anzugehen, erklärte der Verband der deutschen Games-Branche(öffnet im neuen Fenster).
Kritik von Politikern und Youtubern
Der Bundesvorsitzende der Piratenpartei, Sebastian Alscher, warf Seehofer vor, erneut der rechten Szene zu signalisieren, dass sie in Deutschland weitestgehend ungestört ihre Strukturen ausbauen und pflegen könne. "Nicht haltlose Behauptungen über Computerspiele sind gefragt, sondern klare Worte, dass nun deutlich mehr Ressourcen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus bereitgestellt werden, allein um den Opfern gerecht zu werden. Stattdessen werden die gängigen Nebelkerzen geworfen, wie die Verschärfung des NetzDG und Plattformen für Computerspiele ins Visier zu nehmen,"sagte Alscher.
"Die Neunzigerjahre haben angerufen und wollen ihre Killerspiel-Debatte zurück. Ernsthaft: Digitaler Rechtsextremismus ist ein riesen Problem,"kommentierte der FDP-Innenpolitiker Konstantin Kuhle. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast mahnte zur Besonnenheit: "Wir sollten mal in Ruhe auf das Problem schauen. Und genau hinsehen. Und uns nicht über das Wort Gamerszene von Seehofer in die Irre leiten lassen. Um die geht es nämlich nicht."
Der Youtuber Rezo kritisierte Seehofer auf Twitter(öffnet im neuen Fenster) als "krass inkompetent". Der Youtuber Peter Smits (Pietsmiet) fühlt sich an den Amoklauf in Erfurt erinnert: "Auch damals war es für Politiker leichter; die Schuld den Videospielen zuzuschieben statt an echten gesellschaftlichen Problemen zu arbeiten. Wie in dem jetzigen Fall bspw. Rechtsextremismus,"schreibt Smits auf Twitter(öffnet im neuen Fenster). Es sei eine Schande und unwürdig.
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