Abo
  • Services:
Anzeige
Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff
Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff (Bild: BfDI)

Nach 36 Jahren: Bundesdatenschutz wird unabhängige Behörde

Die Europäische Union verlangt seit 1995 die "völlige Unabhängigkeit" der Datenschutzbeauftragten von der Regierung. Ex-Bundesdatenschützer Schaar hält die Neuregelung aber für "völlig unzureichend".

Anzeige

Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff soll in Zukunft nicht mehr dem Bundesinnenministerium unterstellt sein. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch einen Gesetzesentwurf zur Änderung des Bundesdatenschutzgesetzes, wonach das Amt zum 1. Januar 2016 in eine eigenständige oberste Bundesbehörde mit Dienstsitz in Bonn überführt wird. Die neue Behörde soll nicht Teil der Bundesregierung sein. Gleiches gilt beispielsweise für den Bundesrechnungshof oder das Bundespräsidialamt.

Nach Angaben der Regierung üben Voßhoff und ihre Mitarbeiter schon jetzt ihr Amt unabhängig aus, sind organisatorisch aber an das Innenministerium angegliedert. Die Bundesbeauftragte werde künftig "ausschließlich parlamentarischer und gerichtlicher Kontrolle unterstehen" und einen "eigenen Einzelplan im Bundeshaushalt bewirtschaften".

Hintergrund der neuen Regelung ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom März 2010. Damals hatte das Gericht Deutschland dazu verurteilt, seine Datenschützer anders zu organisieren. Geht es um die Aufsicht privater Firmen - und damit um den im Bundesdatenschutzgesetz sogenannten nichtöffentlichen Bereich - seien die Aufsichtsbehörden nicht unabhängig genug, befanden die Richter. Sie mahnten einen Umbau an. Es gehe nicht an, dass die meisten Behörden den Innenministerien der Länder angegliedert seien. Sie seien so einem direkten politischen Einfluss ausgesetzt. Immerhin seien sie "ein wesentliches Element zum Schutz der Bürger bei der Verarbeitung personenbezogener Daten".

In dem von der EU-Kommission angestrengten Rechtsstreit war es darum gegangen, was der Begriff Unabhängigkeit bedeutet. Fordert doch Artikel 28 der EU-Datenschutzrichtlinie von 1995, dass die Aufsichtsbehörden ihre Aufgaben in "völliger Unabhängigkeit" wahrnehmen sollen. Der Bund und einige Länder hatten dies so ausgelegt, dass die Datenschützer unabhängig von den der Kontrolle unterstellten Einrichtungen sein müssten. Also von den Firmen. Der EuGH befand, das beziehe sich ausdrücklich auch auf Unabhängigkeit in die andere Richtung. Die Datenschützer müssten völlig frei sein "von Weisungen und Druck" - und somit auch von Ministerien. Das Amt des Bundesdatenschutzbeauftragten war 1978 mit dem Inkrafttreten des ersten Bundesdatenschutzgesetzes eingerichtet worden.

Nachtrag vom 27. August 2014, 17:15 Uhr

Die SPD-Fraktion im Bundestag begrüßte den Schritt der Bundesregierung. Die Unabhängigkeit der Bundesdatenschutzbeauftragten sei "immens wichtig", sagte der SPD-Abgeordnete Gerold Reichenbach. In den weiteren Beratungen zum Gesetzentwurf sei sicherzustellen, dass die Beauftragte "weiterhin bei allen datenschutzrechtlich relevanten Vorhaben von vornherein einbezogen wird und auch von sich aus aktiv werden kann".

Nachtrag vom 27. August 2014, 18:15 Uhr

Voßhoffs Amtsvorgänger Peter Schaar kritisierte den Entwurf als "völlig unzureichend". So beanspruche die Bundesregierung weiterhin ein exklusives Vorschlagsrecht für den Beauftragten. Anders als in vielen Bundesländern sei deshalb der Vorschlag von Kandidaten aus den Reihen des Parlaments weiterhin nicht möglich, schrieb Schaar auf netzpolitik.org. Die Regelungen zur Zeugenvernehmung würden gegenüber den derzeitigen deutlich eingeschränkt: "Betrifft die Aussage laufende oder abgeschlossene Vorgänge, die dem 'Kernbereich exekutiver Eigenverantwortung der Bundesregierung zuzurechnen sind' oder auch nur 'sein könnten', soll die oder der Bundesbeauftragte zukünftig nur im 'Einvernehmen mit der Bundesregierung' aussagen dürfen." Auch solle in Zukunft der Bundesbeauftragten jegliche Sanktionsmöglichkeit gegen Unternehmen der Post- und Telekommunikationswirtschaft vorenthalten werden. Schaar hofft darauf, "dass der deutsche Bundestag den völlig unterambitionierten Gesetzentwurf substantiell nachbessert".


eye home zur Startseite
Schnarchnase 28. Aug 2014

Es ist eine Farce. Das Amt wird immer noch von der Regierung besetzt, ist also nur auf...

bad1080 28. Aug 2014

scheint also wirklich "immens wichtig" zu sein...

__destruct() 28. Aug 2014

Wer reden über Kompetenz und Professionalität. Man verwendet nicht einfach für 3 Angaben...

tibrob 28. Aug 2014

Alter Schwede ... die Frau Voßhoff ist ja eine richtig hübsche und sympatisch aussehende...

golam 27. Aug 2014

kwt...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Böblingen
  2. Unitymedia GmbH, Köln
  3. Cassini AG, verschiedene Standorte
  4. Sparkassen DirektVersicherung AG, Düsseldorf


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 199,99€ statt 479,99€ - Ersparnis rund 58%

Folgen Sie uns
       

  1. Building 8

    Facebook arbeitet an modularem Mobilgerät

  2. Remote Control

    Serienklassiker Das Boot wird VR-Antikriegsspiel

  3. TLS-Zertifikate

    Symantec fällt auf falschen Key herein

  4. Shipito

    Mit wenigen Mausklicks zur US-Postadresse

  5. Ausprobiert

    JPEGmini Pro komprimiert riesige JPEGs um bis zu 80 Prozent

  6. Aufstecksucher für TL2

    Leica warnt vor Leica

  7. Autonomes Fahren

    Continental will beim Kartendienst Here einsteigen

  8. Arduino 101

    Intel stellt auch das letzte Bastler-Board ein

  9. Quartalsbericht

    Microsoft kann Gewinn durch Cloud mehr als verdoppeln

  10. Mobilfunk

    Leistungsfähigkeit der 5G-Luftschnittstelle wird überschätzt



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Moto Z2 Play im Test: Bessere Kamera entschädigt nicht für kürzere Akkulaufzeit
Moto Z2 Play im Test
Bessere Kamera entschädigt nicht für kürzere Akkulaufzeit
  1. Modulares Smartphone Moto Z2 Play kostet mit Lautsprecher-Mod 520 Euro
  2. Lenovo Hochleistungs-Akku-Mod für Moto Z
  3. Moto Z Schiebetastatur-Mod hat Finanzierungsziel erreicht

Razer Lancehead im Test: Drahtlose Symmetrie mit Laser
Razer Lancehead im Test
Drahtlose Symmetrie mit Laser
  1. Razer Blade Stealth 13,3- statt 12,5-Zoll-Panel im gleichen Gehäuse
  2. Razer Core im Test Grafikbox + Ultrabook = Gaming-System
  3. Razer Lancehead Symmetrische 16.000-dpi-Maus läuft ohne Cloud-Zwang

Ikea Trådfri im Test: Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
Ikea Trådfri im Test
Drahtlos (und sicher) auf Schwedisch
  1. Die Woche im Video Kündigungen, Kernaussagen und KI-Fahrer
  2. Augmented Reality Ikea will mit iOS 11 Wohnungen virtuell einrichten
  3. Space10 Ikea-Forschungslab untersucht Umgang mit KI

  1. Re: Gibts doch schon; zb dns über TOR oder DNScrypt

    ikhaya | 10:36

  2. Re: Obendrein muss das OS an jeden ARM-Chip...

    ElTentakel | 10:36

  3. Re: Ich vermisse die Kennzeichnung "sponsored Post"

    SchmuseTigger | 10:33

  4. Re: IT Experten beklagen zu niedrige Löhne

    c0nsultant | 10:32

  5. Re: Darf man Einbrecher platt machen?

    __destruct() | 10:32


  1. 10:31

  2. 10:09

  3. 09:51

  4. 09:05

  5. 08:03

  6. 07:38

  7. 07:29

  8. 07:20


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel