Mutmaßungen zum Sony-Einbruch: Die bösen Hacker aus Nordkorea
Über den jüngsten Sony-Hack gibt es massenhaft Gerüchte und Mutmaßungen: Die Hacker seien aus Nordkorea, das FBI habe die verwendete Malware identifiziert. Allesamt sind sie mit Vorsicht zu lesen, denn Beweise gibt es bislang dafür keine. Die gesicherten Informationen lassen aber dennoch einige Schlüsse zu.
Was bisher geschah
Zunächst waren mehrere Filme zum illegalen Download aufgetaucht, die noch nicht in den Kinos sind. Die Gruppe Guardians of Peace (GOP) gab an, sich in Sonys Server gehackt zu haben.
"Hacked by #GOP", heißt es demnach auf einem Bild, das auf den Computerbildschirmen erschienen sein soll. Darauf soll ein 3D-Skelett mit einer Reihe darübergeblendeter URLs zu sehen sein. "Ein Freund von mir arbeitet noch immer dort und hat mir das geschickt. Es ist auf jedem Computer von Sony Pictures im ganzen Land", gab der Unbekannte auf Reddit an. Auch außerhalb der USA sollen die Computer von Sony Pictures heruntergefahren worden sein, berichtet Deadline(öffnet im neuen Fenster). Die Hacker gaben auch Links zu entsprechenden ZIP-Dateien bekannt, die Listen von Dateinamen von zahlreichen Dokumenten mit finanziellen Bilanzen und Server-Zugangsberechtigungen enthielten.
Auch Sonys Twitter-Konten seien gehackt und für die Verbreitung der Hackbotschaften missbraucht worden, berichtet The Verge(öffnet im neuen Fenster).
Hacker hatten vermutlich Zugriff auf Sonys Play-Store-Konto
Am gleichen Tag wurde Sonys Android-App Backup and Restore durch eine modifizierte Version ersetzt, wie das Sony-Fanblog Xperiablog.net berichtete(öffnet im neuen Fenster). Die manipulierte App wurde einige Zeit im Play Store zum Download bereitgestellt – mittlerweile wurde der App-Eintrag wieder entfernt. Alles deutet darauf hin, dass Sonys Play-Store-Konto gehackt wurde und Unbefugte Zugriff auf das Konto erhalten haben.
Bereits aus der App-Beschreibung geht hervor, dass etwas mit der App nicht stimmt. So wird als Anbieter der App nicht Sony Mobile Communications angegeben, sondern ein gewisser Nirav Patel Kanudo. Auch in der App-Beschreibung wird auf einen Hack hingewiesen, denn es gibt den Zusatz "Managed By : HeArT HaCkEr Group".
Zugriff auf die gesamte Infrastruktur
Diesen Erkenntnissen zufolge hatten die Hacker Zugriff auf Sonys gesamte Infrastruktur. Dazu passen auch die diversen Meldungen, dass nach Bekanntgabe des Hacks offenbar sämtliche Server im Unternehmen vom Netz genommen wurden. Auch die Angaben der Hacker, sie hätten mehrere Monate lang Zugriff auf die Server, könnten stimmen. Denn die bereits veröffentlichten Daten dürften nicht über Nacht entdeckt und heruntergeladen worden sein. Und es sollen laut Guardians of Peace noch viel mehr sein, insgesamt mehr als hundert Terabyte.
Wie fand der Einbruch statt?
Das FBI ist in die Ermittlungen zu dem Einbruch eingeschaltet worden. Das teilte Sony selbst in einer ersten Pressemitteilung mit. Kurz darauf versendete die US-Strafverfolgungsbehörde eine Warnung zu der Malware Wiper an zahlreiche Unternehmen(öffnet im neuen Fenster). Laut einem Sony-Sprecher sollen die Hacker tatsächlich Malware verwendet haben, die "sehr ausgeklügelt" sei. Hinweise in der FBI-Warnung, dass genau diese Malware für den Einbruch bei Sony verwendet wurde, gibt es jedoch nicht. Lediglich die fast zeitgleiche Veröffentlichung der Warnung gilt als Indiz dafür, dass sie von den Sony-Hackern eingesetzt wurde.
Die Malware soll allerdings auch in der Lage sein, sämtliche Daten auf einem infizierten Rechner zu löschen und sich über Server zu verbreiten. Außerdem soll sie erst eine Woche vor der Bekanntgabe des Hacks kompiliert worden sein. Wiper könnte also Teil des offenbar großangelegten Angriffs auf Sony gewesen sein. Hinweise, dass sie für das Einsammeln der Daten genutzt wurde, gibt es nicht. Das FBI hat drei hart-kodierte IP-Adressen in der Malware entdeckt, sie sollen zu Servern in Italien, Thailand oder Polen gehören. Rückschlüsse von den Servern auf die Hacker zu ziehen, dürfte aber schwierig werden.
Es ist auch eher unwahrscheinlich, dass Datenexperten so kurz nach einem Hack in einer so umfangreichen Infrastruktur umfassende Details zu dem Angriff entdeckt haben. Sony hat nach eigenem Bekunden das IT-Sicherheitsunternehmen Mandiant mit der Datenwiederherstellung beauftragt und damit, den Einbruch zu untersuchen. Das könnte darauf hinweisen, dass die Malware Wiper tatsächlich Schaden angerichtet hat. Sie dürfte aber nicht das einzige Werkzeug sein, das die Hacker genutzt haben.
Wer war's?
Die Guardians of the Peace sind bislang noch nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein vollkommen neuer Name für einen einzigartigen Hack ausgewählt wird.
Die öffentliche Fahndung nach dem Ursprung der Hackergruppe führte ziemlich bald nach Nordkorea. Es soll sogar ein staatlich gelenkter Angriff gewesen sein. Darauf hätten ähnliche Angriffe auf Unternehmen im Sommer dieses Jahres in Südkorea hingedeutet. Auch damals geriet das Nachbarland als potenzieller Urheber in die Nachrichten. Beweise fanden sich jedoch nie.
Als weiteres Indiz für einen Angriff aus Nordkorea galt der vermeintliche Protest gegen den Film The Interview. Im Juli 2014 hatte ein Sprecher der nordkoreanischen Regierung die Veröffentlichung des Films im Oktober in den USA als "kriegerischen Akt" bezeichnet. Die Komödie über ein misslungenes Attentat auf das nordkoreanische Oberhaupt ist zwar von Sony produziert, wurde aber von den Hackern nicht veröffentlicht. Zunächst hieß es, Sony würde in einer offiziellen Mitteilung den Hack mit Nordkorea in Verbindung bringen(öffnet im neuen Fenster). Sony selbst bezeichnete die Meldung als unwahr und inzwischen hat Nordkorea den Sony-Einbruch offiziell dementiert.
Die Kommentare der Hackergruppe zu dem Angriff sprechen ebenfalls gegen einen staatlich gelenkten Hack. Sofern sie überhaupt zu beweisen sind, dürften sich Regierungshacker wohl kaum in Interviews über mangelnde IT-Sicherheit in Unternehmen lustig machen oder ihre Beute über Pastebin veröffentlichen. In einer Mitteilung an die Webseite Salted Hash(öffnet im neuen Fenster) bezeichnen sich die Hacker als "eine internationale Organisation". Ihre teils berühmten Mitglieder aus Politik und Gesellschaft kämen aus den USA, Großbritannien und Frankreich. "Wir unterstehen keinem staatlichen Einfluss."
Verschwurbelte Begründung
Das Ziel der Hacker sei nicht Rache für den Film The Interview gewesen. Die Berichterstattung habe aber bewiesen, wie gefährlich der von Sony produzierte Film für den "regionalen Frieden" sei. Seine Veröffentlichung sei nur eine der vielen "kriminellen Aktivitäten", die Sony aus Geldgier betreibe, heißt es weiter. Die Guardians of the Peace würden weiter gegen die Gier von Unternehmen wie Sony Pictures kämpfen. Ganz astrein ist das Englisch in der Mitteilung aber nicht, im Original lautet der Satz: "We struggle to fight against such greed of Sony Pictures."
In dieser Mitteilung finden sich immerhin konkrete Beweggründe für den Sony-Hack. In der Nachricht, die die Hacker im Sony-Netzwerk verbreiteten, drohten sie mit der Veröffentlichung von internen Daten, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Kurioserweise sind diese Forderungen weiterhin unklar.
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