Murena Pixel Tablet im Test: Das Privacy-Tablet mit Google-Sperre
Bislang konzentrierte sich der französische Privacy-Anbieter Murena auf Smartphones, die er entweder als Refurbished-Produkte oder als Neugeräte mit seinem eigenen Betriebssystem /e/OS ausstattet und dann über seinen Onlineshop verkauft. Im Februar 2025 stellte das Unternehmen erstmals ein Tablet mit /e/OS(öffnet im neuen Fenster) vor, das Golem.de nun ausprobieren konnte.
Im Unterschied zum Februar bietet Murena jetzt zwei Varianten des Tablets an. Die günstigere mit 128 GByte Speicherplatz kostet weiterhin 539 Euro, die teurere mit 256 GByte Speicherplatz liegt bei 564 Euro. Dazu kommen recht hohe Versandkosten in Höhe von 28,75 Euro (UPS-Standardlieferung nach Deutschland).
Nicht immer sind jedoch beide Geräte verfügbar. Wie Murena gegenüber Golem.de einräumte, kam es "in letzter Zeit zu Engpässen in der Lieferkette für dieses Tablet." So waren beispielsweise Ende März beide Geräte "Out of stock" , kurz darauf war dann nur das Modell mit 256 GByte wieder verfügbar. Momentan (Stand Anfang Mai) sind beide Varianten lieferbar.
Hardware von Google und angepasste Software
Technische Basis ist in beiden Fällen jeweils ein Pixel Tablet von Google, wie sie vor knapp zwei Jahren im Sommer 2023 auf den Markt kamen. Die Geräte haben einen 10,9 Zoll großen LC-Bildschirm mit einer Auflösung von 2.560 x 1.600 Pixeln, einem Seitenverhältnis von 16:10 und einer Bildrate von 60 Hz. Die Helligkeit liegt laut Google bei 500 cd/m², so dass man auch bei Tageslicht Inhalte noch gut erkennt. Selbst bei direkter Sonneneinstrahlung kann man noch damit arbeiten.
Der Prozessor ist ein Tensor G2 mit acht Kernen. Dazu kommen 8 GByte RAM, als Grafikprozessor eine Mali-G710 MP7 sowie auf der Vorder- und Rückseite je eine 8-MP-Kamera. Für drahtlose Verbindungen unterstützt das Tablet Wi-Fi 802.11 a/b/g/n/ac/ax sowie Bluetooth 5.2. Weitere Details zum Pixel Tablet hat Golem.de in einem Test am 20. Juni 2023 beschrieben. Im Folgenden beschäftigen wir uns mit der Einrichtung und Benutzung des Geräts unter /e/OS.
Einrichtung und erste Schritte
Beim Booten erscheint ein Hinweis, dass das Tablet "ein anderes Betriebssystem" lädt, dann kommt kurz das Google-Logo und danach ein Willkommensbildschirm zu /e/OS. Der Rest der Einrichtung ähnelt der von Android. Nach der Wahl der gewünschten Sprache konnten wir uns mit dem WLAN verbinden und das Tablet weiter einrichten.
Die Einstellungen für Standortdienste ließen wir aktiviert. Sie erlauben Apps, auf den aktuellen Standort des Geräts zuzugreifen. Es handelt sich also um eine Funktion, die dank der zufälligen Standortverschleierung von /e/OS durchaus aktiviert bleiben kann. Aber dazu später mehr.
Danach legten wir noch eine PIN fest, die das Gerät vor unbefugten Zugriffen schützt. Das Tablet hat zudem von Google einen Fingerabdrucksensor im Ein-/Ausschalter bekommen, der auch unter /e/OS funktioniert. Weitere Fragen beschäftigten sich mit der gewünschten Darstellung (heller oder dunkler Modus) und der bevorzugten Steuerungsmethode.
Als letzten Schritt der Einrichtung erfolgte die optionale Anmeldung bei der Murena-Cloud, einem eigenen Dienst des Anbieters, der die Synchronisation von E-Mails, Kontakten, Kalenderereignissen, Bildern, Videos, Notizen und Aufgaben ermöglicht. Nach einem größeren Ausfall im vergangenen Herbst(öffnet im neuen Fenster) und einer anscheinend aufwendigen Reaktivierung des Angebots scheint der Dienst nun wieder vollständig zu funktionieren.
1 GByte Speicherplatz sind für jeden gratis. Mehr Speicherplatz(öffnet im neuen Fenster) bietet Murena ab 2 Euro im Monat beziehungsweise 20 Euro im Jahr an. Es ist aber auch möglich, darauf zu verzichten und das Tablet ohne verknüpften Cloud-Account zu nutzen. Wer den Dienst nutzt, sollte daran denken, dass das Tablet neue Fotos und Videos automatisch mit der Murena-Cloud synchronisiert. Das lässt sich aber in der Kontosynchronisierung konfigurieren.
Ist auch das erledigt, startet erstmals die /e/OS-Oberfläche. Unten befindet sich eine Taskleiste mit den am häufigsten benötigten Apps, darüber gibt es Symbole für installierte Anwendungen. Bereits vorhanden und eingerichtet sind Apps wie ein Mail-Client, der auf K9-Mail basiert, sowie ein Browser, der auf Cromite aufsetzt, das wiederum ein Fork des Chromium-Browsers Bromite ist.
Insgesamt fiel angenehm auf, dass die Ausstattung auf das Wesentliche begrenzt ist. Alles, was man noch dazu braucht, installiert man einfach selbst, man muss sich aber nicht mit vorinstalliertem Müll herumschlagen.
Aktualisierungen des Betriebssystems
Anfängliche Fehler etwa bei der Notizen-App, die sich nicht mit der Murena-Cloud verbinden konnte, waren nach dem Aktualisieren des Betriebssystems behoben. Auf unserem Testgerät war anfangs noch eine Beta der /e/OS-Version 2.8 installiert. Zum Update angeboten wurde uns in den Einstellungen erst die Version 2.8, die dann nach ihrer Installation ein Update auf die Version 2.9 ermöglichte. Ein direkter Umstieg auf die aktuelle Version war nicht möglich.
/e/OS ist eine Android-Version ohne Google. Das heißt, dass die Murena-Entwickler alle Google-Apps und -Dienste in /e/OS entfernt haben, die auf persönliche Daten der Nutzer zugreifen könnten. So haben sie etwa die Google-Suche gelöscht und mit einer Murena-eigenen Meta-Suchmaschine ersetzt, die im Test allerdings zu Aussetzern neigte.
Die Google-Dienste wurden ebenfalls entfernt und mit MicroG ersetzt . Außerdem greifen nach Angaben von Murena die Connectivity-Checks des Betriebssystems nicht mehr auf Google-Server zu. Das gilt auch für die NTP- und DNS-Server sowie die Geolocation-Server des Unternehmens. /e/OS nutzt stattdessen die Lokalisierungsdienste von Mozilla.
Breites App-Angebot
Trotz dieser Änderungen und obwohl die Google-Dienste entfernt wurden, kann das Tablet die meisten Android-Apps herunterladen und ausführen. Zugriffe auf den Google Play Store sind über die mitgelieferte Anwendung App Lounge möglich, die dafür entweder ein Google- oder ein anonymisiertes Konto verwendet.
Daher lassen sich sogar die von Murena entfernten Google-Apps wieder installieren, wenn man das unbedingt will. Manche Anwendungen wie Google Maps finden sich mehrfach, da sie optional auch als PWA (Progressive Web App) angeboten werden. Google Maps funktionierte im Test zwar etwas holprig, aber sowohl Lokalisierung als auch Navigation waren möglich. Manchmal waren dafür aber mehrere Anläufe nötig.
Mit einem anonymen Konto lassen sich allerdings nur kostenlose Apps aus dem Play Store installieren. Dafür hält die App Lounge sie aber auch aktuell. Wer unbedingt Bezahl-Apps nutzen will, muss sich dazu mit einem Google-Konto anmelden.
Eine Besonderheit der App Lounge ist die zusätzlich zu jeder angebotenen App eingeblendete Datenschutzeinstufung. Bei Google Maps sind es zum Beispiel 0 von 10 Punkten. Genauso schlecht schneiden bei den aktuell in der App Lounge aufgeführten "Top kostenlosen Apps" unter anderem die Android-Apps von Netto, Lidl, Penny, Tiktok und Instagram ab. Die in den App-Store integrierten Privacy-Scores sind hilfreich, um sich bei der einen oder anderen bisherigen Lieblings-App in Zukunft für eine weniger neugierige Alternative zu entscheiden.
Die für den Tracking-Index verwendeten Daten hat Murena nicht selbst erstellt, sondern bezieht sie von Exodus, einer französischen Non-Profit-Organisation, die Android-Apps auf enthaltene Tracker analysiert und die Daten auf ihrer Webseite veröffentlicht. Unter dem Privacy-Index einer App listet die App Lounge zudem die Verknüpfungen "Berechtigungen" sowie "Tracker (Verfolger)" auf. Beide führen zur Exodus-Webseite mit ausführlicheren Informationen zur jeweiligen App.
Advanced Privacy
Eine weitere Besonderheit von /e/OS ist die Murena-App Advanced Privacy. Sie enthält drei Datenschutzfunktionen, die es normalerweise nicht unter Android gibt. So kann sie Tracker in Apps und Diensten blockieren, den tatsächlichen Standort verschleiern und die echte IP-Adresse verbergen. Öffnen kann man sie über die Einstellungen oder das Privacy-Widget im Kontrollzentrum, das man durch Wischen nach links auf der Startseite erreicht.
Dort findet sich auch ein Link, um ausführliche Statistiken des letztes Tages, Monats oder Jahres anzusehen. Aufgelistet sind zudem die Apps mit den meisten identifizierten Trackern (ironisch als "Schandmauer" bezeichnet) sowie die Tracker selbst, die blockiert wurden. Für jede App kann man festlegen, welche der blockierten Tracker durchgelassen werden sollen. Auch bei erkannten Tracker-Diensten kann man gezielt entscheiden, bei welchen Apps sie erlaubt sein sollen. Da der Schutz systemweit ist, erstreckt er sich auch auf den Browser.
Eine weitere Funktion ist Meinen Standort verwalten. Statt des echten Punkts, an dem sich das Tablet befindet, meldet sie einen zufällig ausgewählten Ort an alle oder ausgewählte Apps. Wer will, kann sich auch einen Standort aussuchen, an dem er sich angeblich aufhält. Leider kann man damit die Geolokalisierung nicht austricksen, wie sie viele Streaminganbieter nutzen. Für diese Angebote ist die IP-Adresse wichtiger.
Auch die IP-Adresse kann /e/OS anonymisieren. Nutzer haben aber keinen Einfluss darauf, welche alternative Adresse sie erhalten. Es handelt sich auch nicht um eine VPN-Funktion. Stattdessen baut /e/OS eine Verbindung ins Tor-Netzwerk auf und verschleiert darüber die tatsächliche IP-Adresse. Das schützt die Privatsphäre, verlangsamt aber die Surfgeschwindigkeit erheblich. Im Alltag dürfte die Funktion daher meist deaktiviert bleiben.
Fazit
Das Murena Pixel Tablet hat uns im Test gut gefallen. Ja, die Hardware ist nicht mehr die neueste, aber sie sollte für die meisten Anforderungen noch eine Weile reichen. Man merkt /e/OS zudem an, dass Murena schon mehrere Jahre Zeit hatte, das Betriebssystem zu pflegen und zu optimieren. Bis auf kleinere Fehler am Anfang klappt und flutscht alles gut.
Bleibt der relativ hohe Kaufpreis, den sich nicht jeder leisten mag. Aber immerhin bekommt man dafür ein solides Tablet mit durchdachten und erprobten Privacy-Funktionen, die sonst weder Apple und ganz sicher nicht Google bieten. Außerdem sollte man bedenken, dass man mit einem Kauf eine europäische Firma unterstützt, die sich gegen den sogenannten Trump-Effekt und den Datenhunger der großen US-Konzerne stemmt.
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