MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs

Kryptogeld-Enthusiasten kauften ein Kreuzfahrtschiff und wollten es zum schwimmenden Freiheitsparadies machen. Allerdings scheiterten sie an jeder einzelnen Stelle.

Artikel von Elke Wittich veröffentlicht am
Die MS Satoshi in Bar, Montenegro im Mai 2021
Die MS Satoshi in Bar, Montenegro im Mai 2021 (Bild: Kolma8/Wikimedia Commons/CC-BY-SA 4.0)

Es ist eine alte Idee, die aber für einige Menschen nichts von ihrem Reiz verloren hat: einen Ort grenzenloser Freiheit zu schaffen, an dem kein Staat, keine Institution in das Leben eingreift und an dem Geld keine Rolle spielt - zumindest nicht Geld im herkömmlichen Sinn.

Als Siedlungsort bot sich seit jeher das Meer an, weil es groß ist und (fälschlicherweise) als rechtsfreier Raum mit keinerlei Beschränkungen gilt. Einige solcher Meer-Utopias sind bereits gescheitert, trotzdem wollte sich eine kleine Bitcoin-Community ebenfalls daran probieren.

Kern dieser Gruppe sind Grant Romundt, Rüdiger Koch und Chad Elwartowski, drei Unternehmer mit einer Vision: in Panama sogenannte Sea Pods zu bauen und sie dann aufs Meer hinauszubringen. Auf hoher See sollte so eine Stadt aus diesen Sea Pods entstehen - Häuser, die auf Säulen drei Meter über dem Wasser stehen, mit einem Set von Schwimmern als Basis.

Für ihr Vorhaben, einen Ort der Freiheit im Meer zu schaffen, gründeten Romundt, Koch und Elwartowski das Unternehmen Ocean Builders, kauften gar ein Kreuzfahrtschiff - und scheiterten damit grandios: nicht nur an erstaunlichen Mängeln im Businessplan, sondern an ganz umfassender Ahnungslosigkeit.

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Koch ist Luftfahrtingenieur, Romundt besitzt mehrere Software- und andere Unternehmen, deren Kunden vor allem aus der Kosmetikbranche kommen, Elwartowski ist Software-Entwickler und Bitcoin-Unternehmer. Für das Design der Sea Pods arbeiteten sie mit dem Architekten Koen Olthuis zusammen.

Die Pods sehen aus wie Köpfe, die aus dem Wasser ragen, mit großen Fenstern. Sie zu bauen soll, wie die Gründer schreiben, keinen Lebensraum zerstören, sondern welchen schaffen: Seepocken, später Korallen, Fische, ein ganzes Ökosystem soll sich rund um die schwimmenden Häuser ansiedeln. Autonom sollen sie sein, wasser- und ressourcenschonend - und weitgehend frei von elektromagnetischen Feldern von Funkmasten und Netzen.

Wer heute die Website besucht, wird allerdings feststellen: Von einer Stadt ist nicht mehr die Rede. Schon bei der Produktion des Prototyps Anfang 2020 stellte sich nämlich heraus, dass die Kapazitäten nicht einmal für ein Dorf reichten. Daraufhin änderten die Ocean-Builders-Gründer den Plan: Nun sollte ein Kreuzfahrtschiff der Ort der grenzenlosen Freiheit werden.

Die Pacific Dawn wird zur MS Satoshi

Allerdings waren solche Schiffe viel zu teuer - bis die Pandemie dafür sorgte, dass von heute auf morgen keine Kreuzfahrten mehr stattfanden, die Anbieter solcher Reisen in finanzielle Nöte gerieten und nicht mehr wussten, wohin mit ihren Schiffen, die plötzlich nur noch Kosten verursachten. So erwarb Ocean Builders im November 2020 die Pacific Dawn, ein 1991 gebautes Schiff, für angeblich nur 9,5 Millionen US-Dollar - ein Schnäppchen.

Nach dem Kauf wurde das Schiff erst einmal umbenannt: in MS Satoshi, zu Ehren des unbekannten Bitcoin-Erfinders mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Denn die Meeresgemeinschaft sollte ihren Handel nur in Kryptowährung abwickeln, das gehörte zum Konzept.

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Das Schiff war also da, nun sollte es mit Leben gefüllt werden. Ähnlich wie einst bei Thomas Morus und seiner fiktiven Insel Utopia (1516), Tommaso Campanelle (Der Sonnenstaat, 1623), Francis Bacon (Nova Atlantis, 1627) oder Jules Verne (Die Propellerinsel, 1895) oder, viel später, bei Ken Neumeyer (Sailing the Farm, 1981) und Wayne Gramlich, der mit Neumeyer den Begriff "Seasteading" prägte, der manchmal mit "Seenahme" übersetzt wird.

Gramlich (Seasteading - Homesteading auf hoher See, 1998) gründete zusammen mit Patri Friedman, Enkel von Milton Friedman, und mit einer halben Million Dollar von Peter Thiel das Seasteading Institute, das auch das Projekt von Ocean Builders unterstützt. Friedman ist mittlerweile wieder zu Google zurückgekehrt, wo er auch vorher schon gearbeitet hatte.

Bereits in der Vergangenheit gab es Projekte, die das Besiedeln der Hochsee zum Ziel hatten, darunter Pläne für ausrangierte Bohrinseln, ehemalige Flakplattformen vor England, abgelegene Inseln, die kein Staat beansprucht, künstliche Inseln - und natürlich Schiffe, vom Kreuzfahrtschiff bis hin zum Traum vom 1,8 Kilometer langen und 250 Meter breiten Freedom Ship.

Hintergrund dieser konkreten oder fiktiven Konzepte war und ist immer die Flucht vor den repressiven Staaten, vor allem aber deren Steuern. Grenzenlose Freiheit wird versprochen.

Bei der MS Satoshi endete sie bereits bei der Größe der Kabinen. Das war aber nicht der einzige Fehlschlag.

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Die große Freiheit in winzigen Kabinen 
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chefin 05. Dez 2021 / Themenstart

Hätten ein paar wirklich clevere Menschen sowas angegangen und geplant und wären...

Lebostein 01. Dez 2021 / Themenstart

Warum nicht gleich eine Stadt unter Wasser?

Dakkaron 29. Nov 2021 / Themenstart

Ein Anarchismus, in dem der Stärkste gewinnt, nennt sich absolutistische Diktatur^^ Wie...

Doener 29. Nov 2021 / Themenstart

Reiche haben etwas, was die anderen nicht haben, sehr viel Geld. Was jetzt schöner ist...

Achranon 29. Nov 2021 / Themenstart

Hätten sie mal eine Kreuzfahrt gemacht und sich angesehen wieviel Personal man dort hat...

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