Das Chaos begann mit der Übergabe

Doch zurück zum Betrieb: Nachdem das Schiff übergeben worden war, heuerte Ocean Builders eine Managementfirma für Kreuzfahrtschiffe an. Sie stellten eine Minimal-Mannschaft von 40 Seeleuten ein, hauptsächlich Ukrainer. Diese standen unter dem Kommando des erfahrenen britischen Kapitäns Peter Harris. Harris war von dem Job schnell nicht mehr begeistert: "Innerhalb einer Woche dachte ich schon daran, zu kündigen." Koch, der die Übergabe abgewickelt hatte, verstand laut Harris nichts von der Kreuzfahrtindustrie und "wollte das Schiff wie eine Yacht behandeln".

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Die Zertifikate des Schiffes zur Seetüchtigkeit waren mit dem Verkauf des Schiffes abgelaufen. Normalerweise besteht ein neuer Eigentümer darauf, dass diese noch einige Monate nach dem Verkauf vom vorherigen Eigner weiterbestehen; aber die unerfahrenen Ocean Builders hatten darauf nicht geachtet und Verträge ohne diese Klauseln unterschrieben. Bevor das Schiff irgendwohin fahren konnte, musste es erst mal auf kürzestem Weg nach Gibraltar in ein Trockendock. Kosten, die im Budget nicht eingeplant waren.

Noch mehr Chaos in Panama

Mit den neuen Zertifikaten ging es endlich vorwärts. In den Gewässern von Panama wollte man das Schiff weit vor der Küste verankern und hoffte darauf, das verankerte Schiff zu einer schwimmenden Residenz umdeklarieren zu können. Die Behörden sagten aber nein, das Schiff blieb auch rechtlich ein Schiff, mit allen daraus entstehenden Konsequenzen: Grauwasser, also geklärtes Abwasser, darf zwar von Land (und damit auch von einer schwimmenden Residenz) aus direkt ins Meer geleitet werden - Schiffen ist das aber nur außerhalb der 12-Meilen-Grenze gestattet.

Und dann war da noch die Versicherung, die jedes Schiff braucht. Für die MS Satoshi war sie einfach nicht zu bekommen. "Sie sagten uns nicht einmal, warum wir nicht versicherbar waren, sie sagten nur nein," beschrieb Romundt die Situation.

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Auch wenn kein Versicherer sagen wollte, wieso, Kapitän Harris hat dazu eine Theorie: Die eher risikoscheue Versicherungsbranche könnte sowohl einem Bitcoin-Geschäft als auch einem hauptsächlich von als prozessfreudig geltenden Amerikanern bevölkerten Schiff gegenüber misstrauisch eingestellt gewesen sein.

Endgültig gescheitert

Als die MS Satoshi in Panama ankam, war den Ocean Builders klar, dass ihr Projekt gescheitert war. Die Kabinen verkauften sich nicht, niemand wollte das Schiff der schwimmenden Siedlung versichern und in die Kreuzfahrtindustrie wollte man auch nicht einsteigen. Monatelanges Warten, ob sich das eine oder andere der Probleme lösen lassen würde, war nicht drin. Der Leerbetrieb des Schiffes kostete monatlich eine Million US-Dollar, die Treibstoffkosten allein betrugen 12.000 US-Dollar am Tag.

Das frühe Scheitern war für die Eigentümer eigentlich ein Glück. Denn so bleiben ihnen weitere Überraschungen erspart, die die Seefahrt traditionell mit sich bringt. Denn Wasser, im speziellen Meerwasser, ist keine besonders freundliche Umgebung.

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Kreuzfahrtschiffe müssen alle drei bis fünf Jahre ins Trockendock, denn das sogenannte Unterwasserschiff muss auf Schäden geprüft und gegebenenfalls repariert werden. Neue Opferanoden sind nötig, die das Schiff vor übermäßigem Rost schützen und der Rumpf benötigt eine Antikorrosionsschicht. Diese Reparaturzyklen gelten für alle Schiffe, selbst die größten Containerschiffe oder Tanker werden alle paar Jahre aus dem Wasser geholt.

Bei Kreuzfahrtschiffen werden während der Zeit im Trockendock normalerweise auch die öffentlichen Bereiche komplett renoviert. Teppiche und Möbel werden ausgetauscht oder instandgesetzt. Kein Wunder, denn ein paar Tausend Menschen an Bord so eines Schiffs, die jeden Tag durch die Gänge gehen, hinterlassen mit der Zeit Spuren - ein Grund für Pflastersteine oder Asphalt statt Teppich auf den Bürgersteigen von Kleinstädten.

Doch die Überholung wäre im Rahmen des Projekts MS Satoshi schwierig geworden. Permanente Bewohner, die alle paar Jahre für einige Monate ausziehen müssen, weil das Schiff aus dem Wasser muss, standen nicht im Konzept. Alternative Wohnmöglichkeiten für sie waren ebenfalls nicht vorgesehen.

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 ''Das Schiff ist coronafrei.'' Ach ja?Wie das Projekt MS Satoshi zu Ende ging 
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chefin 05. Dez 2021 / Themenstart

Hätten ein paar wirklich clevere Menschen sowas angegangen und geplant und wären...

Lebostein 01. Dez 2021 / Themenstart

Warum nicht gleich eine Stadt unter Wasser?

Dakkaron 29. Nov 2021 / Themenstart

Ein Anarchismus, in dem der Stärkste gewinnt, nennt sich absolutistische Diktatur^^ Wie...

Doener 29. Nov 2021 / Themenstart

Reiche haben etwas, was die anderen nicht haben, sehr viel Geld. Was jetzt schöner ist...

Achranon 29. Nov 2021 / Themenstart

Hätten sie mal eine Kreuzfahrt gemacht und sich angesehen wieviel Personal man dort hat...

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