Die große Freiheit in winzigen Kabinen

Denn die neue Form des Zusammenlebens, die auf der MS Satoshi erprobt werden sollte, war geprägt von Regeln. Sogar die Größe und das erwartete Benehmen etwaiger Haustiere wurde in Vorschriften gegossen. Auch was man mit an Bord nehmen durfte oder sich an Bord hätte liefern lassen dürfen, war streng reglementiert.

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Da Regeln ohne Kontrolle nicht funktionieren, ist es durchaus erheiternd, sich enthusiastische Satoshi-Bewohner beim Erstbezug ihrer Kabinchen vorzustellen, denen zuallererst wie beim Dschungelcamp sehr stämmige Security-Mitarbeiter das Gepäck durchsuchen und alle verbotenen Gegenstände wegnehmen.

Dazu hätten auch Lebensmittel und Getränke gehört, denn Essen und Trinken wäre lediglich in den Bordrestaurants möglich gewesen, wobei für Satoshi-Kunden ein Rabatt von 20 Prozent vorgesehen war. Ob auf Diätwünsche oder individuelle Vorlieben Rücksicht genommen worden wäre, ist unbekannt.

Die neue Freiheit war zudem auch im Wortsinn sehr karg bemessen und rein optisch eher piefig: Die Größe der Kabinen variierte von 18 bis hin zu 52 Quadratmetern. Die überwiegende Zahl der Unterkünfte entsprach der kleinsten Kategorie. Die Mühe, sie für Interessenten schön und luxuriös herzurichten, hatten sich die Anbieter nicht gemacht.

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Auf Fotos sind Stockbetten mit Leitern oder von klobigen Nachttischen eingerahmte Doppelbetten zu sehen, deren weiß-graue Bezüge so gar nicht zum beige-braunen Ambiente passen. Selbst die teuersten Kabinen, Suiten genannt, wirken eher wie eine mit zufällig auf Opas Dachboden gefundenen Möbeln ausstaffierte altmodische Ferienwohnung - und die Bezüge von Couch und Sesseln sehen aus wie etwas, von dem man nur inbrünstig hoffen kann, dass es sehr sorgfältig gereinigt wurde. Oder dass Vor-Passagiere wenigstens keine ansteckenden Hautkrankheiten hatten.

Eine Idee ohne Zielgruppe

Der Zielgruppe dürfte früh klar geworden sein, dass diese Kabinen nichts sind, was einem Zuhause auch nur leidlich nahekäme. Allein schon Besuch zu empfangen, wäre in den kleinen Wohn-Versionen maximal unbequem, falls man es nicht außergewöhnlich schätzt, dass die Gäste des gemütlichen Beisammenseins wegen auf den Betten sitzen und man selber am Schreibtisch Platz nimmt.

Apropos Schreibtisch: Es existiert kein Bild eines der auf der Satoshi in jeder Kabine vorgesehenen Arbeitsplätze, entsprechend ist auch die Größe der Workplaces nicht bekannt.

Viel interessanter ist aber ohnehin ein anderer Punkt: Wenn man es irgendwie geschafft hat, sich mit den neuen Bekannten in eine Kabine zu quetschen, was dann? Den Gästen wie daheim etwas anzubieten, vielleicht ein Getränk oder einen Snack, wäre leider nicht möglich gewesen. Speisen und Getränke hätte man ja wie gesagt ausschließlich in den dafür vorgesehenen Lokalitäten, den Restaurants und Bars, einnehmen dürfen.

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Womit sich die Frage stellt, wer die Zielgruppe für die Satoshi sein sollte. Elwartowski beschrieb sie beim Kauf des Schiffes so: digitale Nomaden, Kryptowährungsenthusiasten, Expats, Erfinder und Unternehmer. Das Schiff solle ein Inkubator für technologische Innovation werden, man wolle erforschen, wie man nachhaltig auf dem Meer leben könne und neue Gewässer dafür erkunden.

Aber: Wie realistisch ist es, dass reiche Menschen ihre Villen oder großzügig geschnittenen Luxusappartements mit eigenem Pool gegen ein Domizil im unteren zweistelligen Quadratmeterbereich plus Gemeinschaftsschwimmbecken eintauschen wollen?

Wenn es solche reichen Menschen in Massen gäbe, hätte sich da nicht längst ein Markt für billige, gleich neben öffentlichen Schwimmbädern gelegene Kleinstwohnungen gebildet, mit deren Hilfe sich zwar keine Steuern, sehr wohl aber die Wohnkosten drastisch senken lassen? Und selbst wenn ein Leben auf hoher See lockt: Ist es dann nicht womöglich angenehmer, es mit Freunden und Familie und ohne vorgegebene Regeln auf einer eigenen Yacht zu verbringen als mit fremden Leuten, mit denen man allenfalls eine gewisse Begeisterung für Kryptowährungen teilt?

Vielleich ja, vielleicht auch nicht. Für die MS Satoshi gab es jedenfalls keine Zielgruppe.

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 MS Satoshi: Die abstruse Geschichte des Bitcoin-Kreuzfahrtschiffs''Das Schiff ist coronafrei.'' Ach ja? 
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chefin 05. Dez 2021 / Themenstart

Hätten ein paar wirklich clevere Menschen sowas angegangen und geplant und wären...

Lebostein 01. Dez 2021 / Themenstart

Warum nicht gleich eine Stadt unter Wasser?

Dakkaron 29. Nov 2021 / Themenstart

Ein Anarchismus, in dem der Stärkste gewinnt, nennt sich absolutistische Diktatur^^ Wie...

Doener 29. Nov 2021 / Themenstart

Reiche haben etwas, was die anderen nicht haben, sehr viel Geld. Was jetzt schöner ist...

Achranon 29. Nov 2021 / Themenstart

Hätten sie mal eine Kreuzfahrt gemacht und sich angesehen wieviel Personal man dort hat...

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