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Mr. Robot rezensiert: Domo Arigato, Mr. Robot!

Wie im Achtziger-Klassiker Mr. Roboto von Styx hat auch Elliot in Mr. Robot Geheimnisse. Die Dramaserie um den Hacker ist nicht nur wegen Rami Malek grandios. Sie hat einen ganz eigenen beeindruckenden visuellen Stil und zeigt Hacking, wie es wirklich ist. Wir blicken nach dem Serienfinale zurück.

Eine Rezension von und veröffentlicht am
Immer nachdenklich und im schwarzen Hoodie: Rami Malek als Elliot Alderson
Immer nachdenklich und im schwarzen Hoodie: Rami Malek als Elliot Alderson (Bild: USA Network/Amazon)

Ist das jetzt wirklich passiert? Mehr als einmal sitzen wir mit offenem Mund und in angespannter Schockstarre vor dem Fernseher, wenn eine Folge von Mr. Robot endet und der Abspann läuft. So auch nach der 45. und letzten Folge: Sam Esmails Dramaserie um den sozial ängstlichen Hacker Elliot Alderson ist ein Meisterwerk auf fast allen Ebenen der Filmkunst und zeigt, dass Hacking weit mehr ist als bunte Bilder auf dem Bildschirm und grüne Matrix-Regen.

Inhalt:
  1. Mr. Robot rezensiert: Domo Arigato, Mr. Robot!
  2. Technisch in einer anderen Liga

Dass dieses absurde Image in den Köpfen der Menschen wirklich verbreitet ist, bestätigt unsere Erfahrung im echten Leben. "Ich habe neulich so eine total unrealistische Hackerserie gesehen", erklärt uns ein Freund in der Bar. Wir denken an NCIS. Er überlegt. "Mr. Robot oder so hieß die." Wir sind schockiert. Denn Mr. Robot zeichnet sich gerade durch die realistischen Darstellungen von Hackerangriffen aus. Es werden nicht nur Pen-Testing-Systeme mit Kali Linux und echte Kommandozeilenbefehle gezeigt, sondern auch ganz klassische Social-Engineering-Angriffe, die sich auf die Schwachstelle Mensch konzentrieren.

Die Hacks werden von Sam Esmail und seinem talentierten Team kurzerhand zu dramatischen Actionszenen umfunktioniert. Sie sorgen immer wieder für Spannung und werden vom Erzähler erklärt. So versucht Elliot beispielsweise, in ein Rechenzentrum zu gelangen, indem er sich als ein wichtiger potenzieller Kunden ausgibt. Doch bei der Führung durch das Rechenzentrum kann er nicht in den Bereich gelangen, in dem er einen Raspberry Pi platzieren will. Er muss den Mitarbeiter des Rechenzentrums via Social Engineering dazu bringen, ihn in einen geschützten Bereich zu lassen.

Die Serie zeigt damit immer wieder, dass Hacking eben nicht nur das Ausnutzen von Sicherheitslücken in Software ist, sondern vor allem das Sammeln von Informationen und das Ausnutzen der Schwachstelle Mensch. Ein Telefonanruf und eine gute Geschichte sind ein Hack, der im besten Fall nie bemerkt wird.

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Beim Schauen der Serie müssen wir uns nicht über Computermagic auf schwarzen Bildschirmen ärgern, über die grüne Schrift flimmert, oder über komische Interfaces mit bunten Kästen, die sich Hollywood-Designer ausgedacht haben. Bei Mr. Robot kommen echte Kommandozeilenbefehle in Linux-Terminals zum Einsatz, die manchmal sogar Easter Eggs darstellen. Ein Router mit OpenWRT sammelt Geräte in der Umgebung, mit Schadsoftware verseuchte USB-Sticks werden vor der Polizeiwache "verloren" oder mit einem Rubber Ducky (ein USB-Stick, der sich als Tastatur ausgibt und vorher gespeicherte Befehle eintippt) Computer übernommen. Dabei ist die Serie nah an realen Ereignissen und thematisiert etwa das Datenleck bei der Seitensprungplattform Ashley Madison. Auch Kryptowährungen spielen eine relevante Rolle.

Doch auch Mr. Robot ist in diesem Bereich nicht fehlerfrei. So wird in den ersten Staffeln beispielsweise die IP-Adresse 218.108.149.373 gezeigt, was Netzwerkadmins natürlich direkt aufgefallen ist. Schließlich sind Oktette mit natürlichen Zahlen oberhalb von 255 nicht möglich. Der Grund ist allerdings schnell gefunden: Das Einblenden einer echten IP-Adresse hätten die Anwälte untersagt, erklärt Michael Bazzell, ein Hacker, der den Serienmacher Sam Esmail bei den filmischen Hacks beraten hat. Man habe versucht, so akkurat wie möglich zu sein, aber gleichzeitig nicht einen 20-minütigen Brute-Force-Angriff mit dem Passwortknacker John the Ripper zu zeigen, erklärt Bazzell.

Auch Mr. Robot ist nicht ganz perfekt

Generell zeigt sich in den ersten Folgen der Dramaserie noch eine gewisse Inkonsistenz bei den filmischen Mitteln: Das liegt unter anderem daran, dass der TV-Sender USA Network - in Deutschland auf Amazon Prime Video - dem Regisseur und Macher Sam Esmail nicht uneingeschränkt vertraut hat. Verständlich ist dies sicher, hatte er doch zuvor keine größeren Produktionen zu verantworten. Schnell hat sich aber gezeigt, dass Esmail Meister ihres Fachs um sich geschart hat, seien es die Darsteller selbst, die Kameraleute oder die Drehbuchautoren. So konnte der Regisseur seine Vision uneingeschränkt umsetzen.

Diese zeichnet sich nicht nur durch authentische Hacks aus, sondern verbindet diese mit psychischen Problemen, Kapitalismus- und Gesellschaftskritik zu einer spannenden Story. Der Gesellschaftskommentar ist mal mehr, mal weniger offensichtlich. Dabei wird nicht nur die homophobe Gesellschaft in der Volksrepublik China mit einem kritischen Auge betrachtet, auch das Leben in den USA in einer sich immer wiederholenden Schleife des Konsums, der Arbeit und der Anonymität der Großstadt ist ein größeres Thema, das den Hauptcharakter Elliot Alderson prägt.

Der wird fantastisch gespielt vom Newcomer-Star Rami Malek. Nicht umsonst hat er etwa als Freddy Mercury im Queen-Spielfilm Bohemian Rhapsody den Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen oder als der nächste James-Bond-Bösewicht im kommenden Film No Time to Die eine größere Rolle bekommen. Doch auch andere Schauspieler schaffen es, ihre Charaktere glaubwürdig und emotional darzustellen. So sehen wir Christian Slater als Mr. Robot, Carly Chaikin als Darlene, Martin Wallström als Tyrell Wellick, BD Wong als Whiterose, Portia Doubleday als Angela und viele weitere Akteure, die eine kleine oder große Rolle im Leben des Protagonisten spielen.

Starker Protagonist

Elliot selbst hackt sich durchs Leben, ob auf seiner Arbeitsstelle, in seinem privaten Umfeld oder mit der Hackergruppe Fsociety. Privat kompensiert er damit seine sozialen Ängste, während er seiner Einsamkeit mit Drogenkonsum begegnet. Dann schließt er sich einer Hackergruppe an und die eigentliche Story beginnt, die wir natürlich nicht spoilern wollen. Ein interessantes Stilmittel: Er spricht die Zuschauer direkt als Stimme in seinem Kopf an und durchbricht damit das eine oder andere Mal die sogenannte vierte Wand und schaut direkt in die Kamera.

Die Serie stellt den Charakter von Elliot so überzeugend und realistisch dar, dass sich Menschen mit sozialen Ängsten in ihm wiederfinden können. In der vierten Staffel der Serie werden deshalb im Abspann immer wieder Links und Telefonnummern zu Selbshilfehotlines eingeblendet.

Nur an einigen wenigen Stellen sehen wir ein paar Längen in der Handlung. Auch sind das generelle Spiel mit Metaphern und Anspielungen auf die echte Welt und die langen, sehr gut geschriebenen Dialogszenen nicht unbedingt für jeden Menschen geeignet. Teilweise sorgen die parallelen Erzählstränge von Charakteren für Verwirrung und führen zu einem nicht unbedingt zufriedenstellenden Ende.

Es kommen öfter Fragen auf: Wer war dieser Charakter noch einmal? Welche Beziehung hatte diese Frau mit diesem Mann in vorigen Episoden? Mr. Robot fordert von Anfang bis Ende Aufmerksamkeit von den Zuschauern. Ansonsten können Referenzen auf vorangegangene Handlungsstränge später für noch mehr Verwirrung sorgen.

Wenn wir aufpassen, dann erwartet uns aber ein erzählerisches und technisch perfekt inszeniertes Drama.

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Technisch in einer anderen Liga 
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Jonny Dee 29. Jan 2020

Genau. Und in Staffel 5 stellt sich dann raus, dass doch wieder alles nur geträumt...

crack_monkey 13. Jan 2020

Pauschalisieren hin oder her, Drogen jeglicher Form sind mist wenn sie Außerhalb von...

thecrew 07. Jan 2020

Ja sicher. Aber 23 ist schon noch anders. Da gehts zwar auch um Hacker aber eben nicht...

Ach 07. Jan 2020

Folgendes : Wenn man die klassische Erzählweise zu Grunde legt, mit ihrer klaren und im...

on(Golem.de) 07. Jan 2020

Hallo, absolut richtig, Sam Raimi hat die fantastische Evil-Dead-Reihe zu verantworten...


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