Mozilla: Wenn Experimente besser sind als Produkte

Mit Rust, Servo und dem Videocodec Daala hat Mozilla Infrastruktur-Experimente gepflegt, die erst Jahre später langsam produktiv genutzt werden. Für VR, Sprache und Machine Learning soll das genauso laufen. Wer braucht da schon konkrete Produktideen?

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Wie die neue Technik am Ende im Firefox landet, ist noch nicht abesehbar.
Wie die neue Technik am Ende im Firefox landet, ist noch nicht abesehbar. (Bild: Mozilla)

Das wichtigste und bekannteste Produkt von Mozilla ist nach wie vor der Firefox-Browser. Dieser wird in dem Projekt-Quantum gerade generalüberholt. Unabhängig davon erstellt Mozilla aber auch extrem viel Technik, die einfach nur da ist und auf den ersten Blick ohne wirkliches Ziel erstellt wird. Bei der Eröffnung des neuen Berliner Büros auf diesen Eindruck angesprochen, dementiert der Mozilla-Chef Chris Beard mit Verve: "Natürlich sollen das auch Produkte werden".

Inhalt:
  1. Mozilla: Wenn Experimente besser sind als Produkte
  2. Einfacher und freier Zugang zu neuer Technik

Die dabei von Mozilla eingeschlagene Taktik erinnert jedoch ein wenig an den Plan der Unterhosenwichtel aus South Park: "Phase 1: Unterhosen sammeln, Phase 2: ?, Phase 3: Profit". Das mag despektierlich erscheinen, im Falle von Mozilla lässt sich jedoch feststellen, dass das Unternehmen mit diesem Vorgehen bisher eigentlich sehr erfolgreich gewesen ist, auch wenn das so wohl niemand aus der Führungsriege bestätigen würde. Darüber hinaus soll diese etwas andere Art des Wirtschaftens offensichtlich beibehalten werden.

Erfolg aus Experimenten

Als Erfolge in dieser Reihe lassen sich vor allem Rust und Servo nennen. Die Arbeit an der Programmiersprache Rust begann als Hobby eines Mozilla-Angestellten und wird mittlerweile von einer Community genutzt und gepflegt, die klar über Mozilla hinausgeht. Die Liste der Freunde von Rust zeigt sehr eindrucksvoll, wer Rust bereits produktiv einsetzt.

Die Rendering-Engine Servo, die in Rust geschrieben ist, war offiziell immer nur ein Experiment, um Dinge auszuprobieren und Ideen umzusetzen, die mit Gecko, der Engine von Firefox, aber nur durch massive Umwälzungen hätten erreicht werden können. In den vergangenen fünf Jahren ist Servo aber in einigen Teilen derart besser geworden als Gecko, dass diese Techniken unter anderem im Projekt Quantum wieder in den Firefox integriert werden. Damit erreicht Mozilla Hunderte Millionen von Nutzern. Bisher umfassen die Servo-Bestandteile in Firefox aber nur einige sehr wenige Module und Servo ist auch weit entfernt davon, für einen vollständigen Browser genutzt werden zu können.

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Ebenfalls noch nicht ganz fertig, aber kurz vor der Fertigstellung ist der freie Videocodec AV1. Dieser führt Mozillas Daala, Ciscos Thor und Googles nie fertiggestellten VP9-Nachfolger zusammen und wird zusätzlich zu den Browser-Herstellern auch von Streamingdiensteanbietern und Hardware-Unternehmen unterstützt. Dank dieser breiten Industrieunterstützung ist es absehbar, dass sich AV1 zumindest als Webstandard für das Streaming durchsetzen wird. Ähnlich ist das mit dem freien Audiocodec Opus abgelaufen, der ebenfalls mit starker Unterstützung von Mozilla erstellt wurde.

Vergleichsweise neu in dieser Reihe an Experimenten sind die Unterstützung von virtuelle Realität (VR), einige Sprachfunktionen sowie ein generelles Interesse an maschinellem Lernen. Zusammengefasst wird das bei Mozilla als Emerging Technologies und der für diesen Bereich zuständige Senior Vice President (SVP) Sean White verweist im Gespräch mit Golem.de auch eher auf die vielen positiven Möglichkeiten dieser Techniken statt auf konkrete Produktideen.

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Einfacher und freier Zugang zu neuer Technik 
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