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Motion Control: Kamerafahrten für die perfekte Illusion

Ein tonnenschweres Ungetüm steuert Kamerafahrten bis auf Bruchteile von Millimetern genau: Mit dem Roboterarm Milo erzeugt die Berliner Firma Mastermoves spektakuläre Visual Effects und Filmtricks, die von Hand unmöglich wären.

Eine Reportage von veröffentlicht am
Kameraroboter Milo Long Arm: Bilder, die man per Hand nicht drehen kann.
Kameraroboter Milo Long Arm: Bilder, die man per Hand nicht drehen kann. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Bis zu 18 Meter lange Kamerafahrten bei hoher Geschwindigkeit, und das absolut präzise und daher jederzeit exakt wiederholbar: So etwas schafft kein Mensch, sondern nur ein Ungetüm, das auf einer Schiene fährt, rund anderthalb Tonnen schwer, etwa mannshoch, nachtschwarz und von Software gesteuert. Es steht in einem Hangar in Berlin-Adlershof. Das Unternehmen Mastermoves ermöglicht damit Visual Effects und Filmtricks, von denen Kameraleute lange geträumt haben. Denn durch die Kombination von virtuellen und real mit dem Roboterarm aufgenommenen Kamerafahrten entsteht die perfekte Illusion.

Wie diese: Eine Badewanne. Die Kamera fährt in Bodenhöhe darauf zu. Sie schwenkt nach oben und gibt den Blick frei auf eine Badende, die sich die Wanne mit einigen Hundert Aalen teilt. Nicht unbedingt ein sehr schöner Anblick, den der US-Regisseur Gore Verbinski dem Zuschauer im Trailer für seinen neuen Film A Cure For Wellness zumutet. Und erst recht wollte er seiner Darstellerin Mia Goth das Bad mit den Aalen ersparen. Kein Problem mit neuer Motion-Control-Filmtechnik.

Die Szene wird in mehrere Teile zerlegt, die einzeln aufgenommen und am Ende montiert werden. Das geht nur mit einem System wie Talos oder Milo: mit Robotern, die die Kamera bis auf Bruchteile von Millimetern genau steuern. "Unsere Roboter bewegen Kameras immer genau gleich, absolut wiederholbar", erklärt Marcel Neumann, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens, im Gespräch mit Golem.de. "Mit dieser Technik kann man Visual Effects und Filmtricks umsetzen, die vor allem in der Werbung und im Spielfilm eingesetzt werden."

  • Der Milo Long Arm im Studio von Mastermoves in Berlin Adlershof (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Roboterarm wird hauptsächlich in der Werbung, aber auch bei Spielfilmen eingesetzt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Er steuert die Kamera wiederholbar ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... und sehr präzise. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Bei einer Fahrt regelt die Steuerungssoftware auch die Schärfe. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Arm sitzt auf einer Basis und kann rotiert werden. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Diese Spindel hebt und senkt den Arm. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Roboter fährt auf den Schienen -  die können bis zu 18 Meter lang sein. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Fast alle Antriebe laufen über Zahnräder, etwa die Basis ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... oder der Head Angle, der die Aufhängung für die Kamera bewegt. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Diese Encoder sorgen für eine genaue Ansteuerung der Achsen. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Milo Long Arm ist der größte Roboter von Mastermoves. Der Ausleger kann verkürzt werden. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Der Talos hat einen ähnlichen Funktionsumfang, ... (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • ... ist aber deutlich kleiner. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Auch dieser Kopf ist für Motion Control gedacht - damit wird auf sehr engem Raum gedreht, etwa in einem Auto. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
  • Alle Systeme werden von der gleichen Software gesteuert - hier Milo, Drehteller und Lichttraverse. (Foto: Werner Pluta/Golem.de)
Der Milo Long Arm im Studio von Mastermoves in Berlin Adlershof (Foto: Martin Wolf/Golem.de)

Das System, anhand dessen Neumann uns Motion Control erklärt, heißt Milo Long Arm. Gebaut wird es von dem britischen Unternehmen Marc Roberts Motion Control (MRMC), im Studio von Mastermoves steht es hinter einem Drehteller. Darauf: ein brauner Porsche, Baujahr 1972, der von zwei Scheinwerfern angestrahlt wird. Über dem Auto hängt ein großes weißes Segel Segel, das das Licht der Scheinwerfer weich reflektiert. "Ich zeige jetzt mal ein paar Moves", sagt Rig-Operator Heiko Matting.

Auf dem Bildschirm ist kein Übergang sichtbar

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Moves, das sind die Kamerafahrten. Matting setzt sich an ein Pult mit einem Computer - ein einfacher Windows-Laptop mit einer speziellen Laufzeit-Umgebung - und aktiviert das System: Der Drehteller setzt sich in Gang, Milo ebenfalls. Die Kamera fliegt auf den Porsche zu und um ihn herum, während sich das Auto auf dem Teller dreht. Dann der nächste Move: Die Kamera fliegt einen weichen Bogen auf das Porsche-Zeichen auf der Motorhaube. Trotz wechselnder Perspektive und Annäherung ist das aus den Wappen Stuttgarts und Württembergs zusammengesetzte Signet während der ganzen Kamerafahrt scharf. "Dieses Bild könnte ich per Hand nicht drehen", sagt Neumann. "Unmöglich."

Milo hingegen macht das einmal, zweimal, dreimal, fünfmal - egal, wie oft das Rig die Bewegung wiederholen muss: Sie ist immer gleich. Gleich in der Bewegung und gleich im Ablauf der Kameraauslösung. Die Wiederholung sei so genau, dass sich die Aufnahmen aus zwei sogenannten Passes nicht unterschieden. Damit sei es möglich, die Aufnahmen auf einem geteilten Bildschirm nebeneinander ablaufen zu lassen, ohne dass ein Übergang zwischen beiden Bildern zu erkennen sei.

Was derart komplex aussieht, ist aber in der Bedienung relativ einfach.

Software steuert den Arm 
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Xhsdvert 28. Feb 2017

"Ok." https://www.youtube.com/watch?v=OnBC5bwV5y0

DF 27. Feb 2017

Da würd' ich gern mal meine RED drauf schrauben und mich mal ne Woche mit dem Roboter...

Luke321 25. Feb 2017

So wie z.b. Schweiß-, Lackier-, Schneid-, Mess- oder Rollfalzroboter? ;-) Wie aus den...

Lasse Bierstrom 25. Feb 2017

Brushless DC, keine Schrittmotoren (keiner mag Schritte bei kontinuierlichen...

Lasse Bierstrom 25. Feb 2017

Wenn der Versatz genau 1/24 s beträgt, gibt es keinen Versatz. Vielfache der Frequenz...


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