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Morsetelegraf auf einem Schiff in den 70er-Jahren
Morsetelegraf auf einem Schiff in den 70er-Jahren (Bild: Reg Lancaster/Getty Images)

Morsetelegraphie: ··· --- ···

Morsetelegraf auf einem Schiff in den 70er-Jahren
Morsetelegraf auf einem Schiff in den 70er-Jahren (Bild: Reg Lancaster/Getty Images)

Morsen braucht kein Mensch mehr? Ja, aber nur, solange unsere modernen Kommunikationsmittel auch funktionieren. Nach einem Erdbeben oder einem Terroranschlag oder in abgelegenen Regionen kann das schnell anders aussehen. Wer dann SOS morsen kann (siehe Überschrift), ist im Vorteil.
Von Jennifer Fraczek

"Dahditdahdit dahdahditdah?", fragt Falk Weinhold mit erwartungsvollem Blick. Offenbar hofft er auf eine Antwort, aber die bekommt er nicht, denn sein Gegenüber spricht seine Sprache nicht. Also übersetzt er: "Das steht für CQ." Mit diesem Ruf, der in Morsezeichen so geht −·−· −−·− und den man mit "an alle" übersetzen kann, nehmen Morsetelegrafisten mit anderen Kontakt auf. Klingt hübsch und melodisch, denkt der Nicht-Telegrafist. Und: Vielleicht kann man das ja schnell lernen.

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Aber schnell lernen ist beim Morsen nicht. Das Morse-Alphabet zu können, ist zwar kein Hexenwerk. Um sinnvoll zu kommunizieren, muss man es jedoch so beherrschen, dass während des Morsens nicht mehr übersetzt wird, sondern einfach gemacht. Extrem gute Telegrafisten erreichen sogar das Tempo eines normalen Gesprächs, der Weltrekord liegt bei knapp 90 Wörtern pro Minute. Anfänger schaffen meistens um die fünf. Um schneller zu werden, ist viel Training notwendig - aber wieso sollte man sich das antun?

Mit einigen Metern Draht die ganze Welt anfunken

Dagegen spricht: Es gibt inzwischen - zumindest in Deutschland - keine Jobs mehr, in denen diese Fähigkeit gebraucht wird, und es gibt einfachere Wege, miteinander zu kommunizieren. Zwar wurde schon nachgewiesen, dass die Übertragung von Morsenachrichten schneller gehen kann als das Schreiben von SMS, dennoch dürfte das die meisten Menschen nicht überzeugen, es zu lernen.

Überzeugender ist vielleicht, dass Morsen in manchen Situationen überlebenswichtig sein kann. Dann nämlich, wenn andere Kommunikationswege unterbrochen sind. "Wenn etwa bei einem Erdbeben in einsamen Gebieten ohne technische Infrastruktur keine Kommunikationsmöglichkeiten vorhanden sind", sagt Funkamateurin Annette Coenen. "Dann kann man mit einer alten Autobatterie und einem einfachen Sende-/Empfangsgerät, einem Transceiver, Funkbrücken aufbauen."

Auch Falk Weinhold sagt: "Mit einem Funkgerät und 20 Metern Draht als Antenne kommt man schon um die ganze Welt." Die Funkstation muss dabei lediglich mit 5 Watt Leistung senden, was das Morsen zu einer äußerst energiesparenden Kommunikationsart macht. Im Gegensatz zu gesprochenen Funkbotschaften sind die markanten Morsezeichen zudem auch bei einer schlechteren Verbindung immer noch gut zu verstehen. Außerdem brauchen sie wenig Bandbreite, meistens zwischen 250 und 500 Hz, zur Not auch weniger als 100 Hz. "Dann fängt das Signal aber an zu 'klingeln', das heißt, es klingt nicht mehr so schön", sagt Falk Weinhold.

Eritrea, Pratas-Inseln, Tuvalu

Zu Funkgerät und Antenne kommt natürlich noch die Morsetaste. Die kann man selbst bauen oder kaufen (ab 100 Euro). Bekannte Hersteller sind Schurr, Begali und Vibroplex. Hinzu kommt die Gebühr für die Amateur-Funkprüfung (80 bis 110 Euro). Denn wer über Funk senden will, muss bei der Bundesnetzagentur diese Prüfung ablegen. Wer besteht, erhält ein individuelles Rufzeichen aus Buchstaben und Zahlen zugewiesen. Das kostet 70 Euro.

Weltweit gibt es rund drei Millionen Funkamateure, in Deutschland um die 70.000. Rund die Hälfte beherrscht die Morsetelegrafie, auch CW (Continuous Wave) genannt. Funkamateure und Morsetelegrafisten verstehen sich als weltoffen und tolerant. Einige von ihnen haben viele Länder besucht - sei es, weil sie zu Wettbewerben gefahren sind, oder weil sie "Länder sammeln", mit denen sie gefunkt haben, oder von denen aus sie gefunkt haben.

Falk Weinhold spricht von diesen Reisen als Expeditionen, weil oft abgelegene oder schwer zugängliche Ziele angesteuert werden, viel Ausrüstung herumgeschleppt und in Zelten übernachtet wird. Eine dieser Expeditionen führte Weinhold auf die Pratas-Inseln. Sie gehören zu Taiwan, liegen aber nur ein paar Hundert Kilometer vor China. Bewohnt werden sie von Militärs. Weinhold verpflichtete sich, nichts über die Stärke der dort stationierten taiwanesischen Truppen zu verraten. Das Land befindet sich in einem schon lange andauernden Konflikt mit China.

Weinhold reiste zudem nach Eritrea, auf die Pazifikinsel Tuvalu, die Osterinseln, er hat auch einmal einen saudischen Prinzen getroffen. Insgesamt hat Weinhold 61 Länder "abgehakt" und aus den Begegnungen und den anderen durch das Funken entstandenen Kontakten hat er eines gelernt: "Man bekommt ganz schnell mit, dass man auch mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen sehr gut klarkommen kann."

Vorsicht, Quasselstrippe 

eye home zur Startseite
derdiedas 07. Dez 2015

Funkamateure werden bald gar kein Frequenzband für Ihr Hobby haben. Denn wenn die Telco...

Tobias Claren 05. Dez 2015

Ohweih 0_o . ;-D, im Ernst, schon mal in entsprechenden Foren gewesen, da treibt sich ein...

Hans_Bethe 02. Dez 2015

Hallo Lothar, was Du schreibst, ist falsch. Sprechfunk benötigt eine deutlich höhere...

Nastert 01. Dez 2015

.. -.-. .... / .... .- -... . / -.. .- ... / -- --- .-. ... . -. / -... . .-. . .. - ... /...

Michael0712 01. Dez 2015

Auch wenn es korrekt Funkamateur heißt, steht der Amateurfunk er dem Amateurfunkdienst...



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