Vorsicht, Quasselstrippe

Aktuell ist Falk Weinhold wieder unterwegs, auf der portugiesischen Insel Madeira. Er nimmt von dort aus am CQ Worldwide Contest teil. Es gibt über das Jahr hinweg zahlreiche Wettbewerbe für Funkamateure, aber der CQ WW ist einer der größten - mit bis zu 15.000 Teilnehmern, die über die ganze Welt verteilt sind. Ende Oktober wurden bereits die Besten im Sprechfunk gesucht, am 28./29. November sind die Morsetelegrafisten dran. Es gilt, in 24 oder 48 Stunden die meisten Kontakte herzustellen. Weinhold schafft mit seinem Team regelmäßig um die 400 Kontakte pro Stunde, also etwa sieben pro Minute.

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Normalerweise dauert ein Kontakt natürlich länger als nur ein paar Sekunden. Standardmäßig läuft das Gespräch so ab, dass zuerst das CQ gerufen wird, dann folgt ein Rapport über die Qualität der Verbindung, dann Vorname und Wohnort. Wenn beide noch nicht die Lust an der Unterhaltung verloren haben, spricht man über die benutzte Technik und über das Wetter. Wenn man einander sympathisch ist, kann sich das Gespräch noch um ganz andere Themen drehen. Wie im richtigen Leben sind die Gesprächsanteile nicht immer gleich verteilt. "Es gibt auch hier Quasselstrippen", sagt Weinhold.

Morsen übers Internet

Solche Wettbewerbe locken nicht nur langjährige Funker, sondern auch junge an und können damit wichtig für die Rekrutierung von neuen Mitgliedern sein. Wie andere Vereine hat auch der Deutsche Amateur-Radio-Club (DARC) ein Nachwuchsproblem. Annette Coenen, die beim Distrikt Hessen des DARC für die Jugendarbeit zuständig ist, sagt: "Jugendliche sind heute vielfach ausgebucht. Neben der Schule bleibt keine Zeit für mehrere Hobbys." Dass das Morsen schon vor vielen Jahren den Sprung ins Internet geschafft hat, hat das Interesse von Jugendlichen an Morsetelegrafie nicht wesentlich gesteigert. "Was sie interessiert, ist die Auseinandersetzung mit Technik in der Gemeinschaft und hier häufig ein Bastelprojekt als Einstieg", sagt Coenen.

Insgesamt spielen Computer in der Morsetelegrafie aber schon länger eine große Rolle. Manch einer schreibt den Code direkt mit der Tastatur, und der Computer, das iPad oder welches Gerät auch immer, setzen das in Töne um und senden das Ganze über Funk oder über das eigene IP-Netz der Funkamateure, das HAM-Net, an den Empfänger. Zudem gibt es zahlreiche Computer-Trainingsprogramme vor allem für die Schnelltelegrafie.

Mit Morsecode fürs Abi lernen

Die nutzt auch Andre Schoch, Referent für HST (High Speed Telegraphy) im DARC und Trainer der deutschen Nationalmannschaft in Schnelltelegrafie. Die Trainingsprogramme, sagt er, morsten eine Sequenz vor, die dann decodiert werden solle und umgekehrt. "Man kann aber zum Beispiel abends als Übung auch mal einen Zeitungsartikel runtermorsen." Schoch selbst hat übrigens mit Morse-Unterstützung fürs Abi gelernt: Er übersetzte seinen Geschichtshefter in Morse und hörte den Lernstoff dann auf dem iPod an.

Schochs nächstes Großereignis ist im nächsten Jahr die Weltmeisterschaft in der Schnelltelegrafie im Oman. 2018 werden dann die World Radiosport Team Championships (WRTC), eine Art Olympia des Funksports, in Jessen/Wittenberg in Sachsen-Anhalt ausgetragen. Sie finden nur alle vier Jahre statt, 60 Teams treten gegeneinander an. Die Aufmerksamkeit innerhalb der Szene wird vor allem bei diesem Ereignis groß sein, aber darüber hinaus wird es wohl nicht viele Berichte darüber geben. Etwas sehnsuchtsvoll blickt Schoch deswegen manchmal in Länder, in denen das Morsen verbreiteter ist. "In vielen osteuropäischen Staaten gibt es gut bezahlte Morse-Profis, und wenn dort Wettkämpfe stattfinden, kommt das in den Abendnachrichten."

Morsetelegrafie ist Kulturerbe

Dazu wird es hierzulande wohl nicht kommen. Immerhin gehört die Morsetelegrafie aber seit Ende 2014 zum immateriellen Kulturerbe der Unesco. Der DARC bemüht sich aktuell auch um eine internationale Anerkennung. Zur Begründung für die nationale Anerkennung hieß es, bei der Morsetelegrafie handele es sich "um eine interkulturelle Kultur- und Kommunikationsform, die Zeit und Raum überwindet. Die Träger sind als Interessengemeinschaft international vernetzt".

Dieses internationale Netzwerk ist einer der Aspekte, die das Morsen für viele so reizvoll machen. Einige finden es auch einfach schön, etwas zu beherrschen, das wie eine Geheimsprache wirkt, aber in Wirklichkeit alles andere als eine Geheimsprache ist. Denn: Jeder kann sie lernen, und jeder kann mithören. Verschlüsselungen sind nämlich unter Funkamateuren generell verboten. Für viele klingt auch das sicher nach Anachronismus, für andere einfach nach Offenheit.

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derdiedas 07. Dez 2015

Funkamateure werden bald gar kein Frequenzband für Ihr Hobby haben. Denn wenn die Telco...

Tobias Claren 05. Dez 2015

Ohweih 0_o . ;-D, im Ernst, schon mal in entsprechenden Foren gewesen, da treibt sich ein...

Hans_Bethe 02. Dez 2015

Hallo Lothar, was Du schreibst, ist falsch. Sprechfunk benötigt eine deutlich höhere...

Nastert 01. Dez 2015

.. -.-. .... / .... .- -... . / -.. .- ... / -- --- .-. ... . -. / -... . .-. . .. - ... /...

Michael0712 01. Dez 2015

Auch wenn es korrekt Funkamateur heißt, steht der Amateurfunk er dem Amateurfunkdienst...


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