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Moore Threads: Chinesische Huagang-GPUs machen Nvidias Blackwell Konkurrenz

Moore Threads plant für 2026 neue GPUs – die sollen Nvidia bei Spielen und KI Konkurrenz machen. Einige Fragen bleiben aber offen.
/ Johannes Hiltscher
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Moore Threads Huashan-GPUs sind mit HBM für KI-Server gedacht. (Bild: Moore Threads)
Moore Threads Huashan-GPUs sind mit HBM für KI-Server gedacht. Bild: Moore Threads

Moore Threads, einer der führenden GPU-Entwickler aus der Volksrepublik China, hat seine nächste Hardware-Generation angekündigt(öffnet im neuen Fenster) . Die MTT S80 und MTT S4000 sollen nach über drei Jahren Nachfolger bekommen. Die basieren weiter auf Version 5.0 der selbst entwickelten Musa-Architektur (für Meta-Computing Unified System Architecture) – der Name erinnert wohl nicht zufällig an Nvidias Cuda. Gegründet wurde Moore Threads von Zhang Jianzhong, Nvidias ehemaligem Manager für die Volksrepublik.

Wie Nvidia will Moore Threads der GPU treu bleiben. Die Leistung beim Rendern und wissenschaftlichen Rechnen bleiben Schwerpunkte, auch wenn die KI-Leistung deutlich steigen soll. Der Hersteller verspricht eine Steigerung der Leistungsdichte und 50 Prozent und maximal eine Verzehnfachung der Effizienz verglichen mit den aktuellen Modellen. Erreicht werden dürfte das über Tensor-Kerne sowie zusätzliche Datentypen – die neue Architektur Huagang unterstützt, wie auch Huaweis geplanter Ascend 950 , FP4.

Auf Basis der Huagang-Architektur – der Name bedeutet übersetzt Blumenhafen, benannt nach einer Szene eines klassischen Bilderzyklus(öffnet im neuen Fenster) – plant Moore Threads mit Lushan und Huashan eine Consumer- und Servervariante. Erstere soll DirectX 12 Ultimate vollständig unterstützen, Ray-Tracing-Kerne bekommen und KI-unterstütztes Rendering ermöglichen. Die Rohleistung will der Hersteller auf das 16-Fache, die Füllrate auf das Vierfache der S80 steigern. Dazu soll es bis zu 64 GByte geben.

Blackwell-Konkurrent mit größerem Speicher

Huashan hingegen ist für KI-Supercomputer optimiert. Moore Threads sieht die GPU – es handelt sich wohl um ein Chiplet-Design, auch wenn die gezeigten Renderings nicht zwangsläufig originalgetreu sind – deutlich näher an Nvidias Blackwell-Generation als an deren Vorgänger Hopper .

Allerdings ist der Vergleich bei der Rechenleistung nicht eindeutig, der etwa von EET China gezeigten(öffnet im neuen Fenster) Präsentationsfolie fehlt die Beschriftung der Y-Achse, auch der Datentyp wird nicht angegeben. Somit bleibt offen, ob hier die KI- oder HPC-Leistung gemeint ist. Die acht HBM-Stacks sollen allerdings eine deutlich höhere Kapazität haben als Nvidias Blackwell-GPUs – anzunehmen sind 256 GByte. Dessen Bandbreite soll auf Blackwell-Niveau sein.

Neben viel und schnellem Speicher kommt es bei KI-Clustern auf die effiziente Vernetzung zehntausender GPUs an. Mit Mtlink – der Name erinnert wohl nicht zufällig an Nvidias Nvlink – sollen sich über 100.000 GPUs zu einem Cluster verbinden lassen. Selbstverständlich will auch Moore Threads einen C256 genannten Super Node – ein oder mehrere Racks, in denen die GPUs mit besonders hoher Bandbreite verbunden sind – anbieten.

SoC für Entwickler und Edge-Geräte

Auch bei Edge-Geräten will Moore Threads präsent sein: Hierfür ist ein System-on-Chip (SoC) geplant, das grob zu Nvidias Jetson vergleichbar sein dürfte. Unter dem Namen Yangtse kombiniert es acht nicht genauer spezifizierte, mit maximal 2,65 GHz taktende CPU-Kerne mit einer GPU und NPU. GPU und NPU kommen auf eine Gesamtleistung von 50 Tops (Int8). Es soll in einem Aibook genannten Laptop sowie als Desktop-System namens Aicube angeboten werden und bis zu 64 GByte LPDDR5X-Speicher nutzen können.

Wie bei allen Chips bleibt hier offen, wo Moore Threads fertigen lässt. Da das Unternehmen auf der Entity List des US-Handelsministeriums steht, kommen lediglich chinesische Foundries infrage – mutmaßlich SMIC. Die gleiche Frage stellt sich beim für Huashan verwendeten HBM – die Leistungsdaten liegen deutlich über den von Huawei genannten. Allerdings ist Moore Threads auch hier auf chinesische Zulieferer angewiesen, aufgrund von US-Exportbeschränkungen kann HBM offiziell nicht mehr importiert werden.

Daneben kündigte Moore Threads eine Reihe an Software an, die frappierende Ähnlichkeit mit Nvidia-Produkten haben: Mulitho für Computational Lithography und Musa-Q für die Integration mit Quantencomputern . Insbesondere Mulitho könnte für Chinas Halbleiterbranche von großer Bedeutung sein – ohne Computational Lithography sind moderne Fertigungsprozesse undenkbar. Mit MTX soll zudem eine Assembler-ähnliche Zwischensprache eingeführt werden – bei Nvidia heißt die PTX.


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