Monopolkommission: Hyperscaler-Seekabel ohne europäische Kontrolle

Die Monopolkommission warnt in einem neuen Gutachten vor einer wachsenden strukturellen Abhängigkeit bei Unterseekabeln der US-Hyperscaler. "Die Big-Tech-Unternehmen dominieren inzwischen den transatlantischen Datenverkehr" , sagte(öffnet im neuen Fenster) Kommissionschef Tomaso Duso im Interview mit dem Handelsblatt. Viele der Kabel würden außerhalb klassischer Telekomregulierung gebaut und dienten primär den eigenen Diensten großer US-Konzerne. Dadurch fehle europäischen Behörden der Überblick über Eigentums- und Kontrollverhältnisse.
"Internationale Kabel fallen oft durch das regulatorische Raster. Nationale Behörden sind oft nicht zuständig" , so Duso. Die Monopolkommission habe Schwierigkeiten gehabt, verlässliche Daten zu erhalten.
US-Hyperscaler verfügen bei Tiefseekabeln bereits über 90 Prozent der Gesamtkapazität zwischen den USA und Europa und erhöhen ihren Anteil bei den Glasfaserverbindungen zwischen Europa und Afrika sowie Asien. Das geht aus dem Bericht einer EU-Expertengruppe für Unterseekabel-Infrastrukturen hervor, der am 6. Oktober 2025 vorgelegt wurde.
Deutsche Telekom baut keine Seekabel mehr
Der größte europäische Netzbetreiber Deutsche Telekom baut keine eigenen Seekabel mehr. Telekom-Sprecherin Stefanie Halle sagte Golem im April 2025 : "Die Deutsche Telekom least inzwischen ihre Seekabel bei anderen Unternehmen. Es macht uns flexibler und den Betrieb unseres Netzes wirtschaftlicher." Der Telekom-Konkurrent Vodafone Group ist dagegen selbst Seekabelnetzbetreiber und hat weltweit 70 Seekabel in Betrieb.
Die strukturelle Abhängigkeit sei sicherheitspolitisch relevant. Unterseekabel seien lange ein "Nischenthema" gewesen, sagte Duso, aber eines "mit wachsender sicherheitspolitischer Relevanz" .