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Monitor AOC AG352QCX im Test: Schwarz oder schnell

Rasante 200 Hz für Spieler von Dota, Battlefield oder Dirt Rally und mehr Übersicht durch das 21:9-Format: AOC macht mit seinem neuen, gebogenen Monitor der Agon-Reihe vieles richtig. Leider müssen Nutzer vor dem Zocken aber stets eine schwere Entscheidung treffen.
/ Michael Wieczorek
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Der AOC AG352QCX im Test (Bild: Golem.de/Michael Wieczorek)
Der AOC AG352QCX im Test Bild: Golem.de/Michael Wieczorek

Die Monitorhersteller treiben die Frequenzen immer weiter in die Höhe, obwohl Spieler bereits den Unterschied zwischen 144 Hz und 180 Hz nur noch schwer wahrnehmen können, wie wir im Test von Asus PG248Q festgestellt haben . Modelle mit bis zu 240 Hz sind inzwischen erhältlich . Der Curved-Monitor der Agon-Reihe des taiwanischen Konzerns AOC, AG352QCX, stellt mit 200 Hz so gesehen die neue Mittelklasse dar. Er ist vor allem für Computerspieler gedacht. Da wir aber wissen, dass die Hz-Zahl allein keinen guten Monitor macht, waren wir gespannt auf die Bildqualität und die Verarbeitung dieses - verglichen mit der Konkurrenz - günstigen 21:9-Kolosses.

Der Monitor nutzt ein MVA-Panel von AU Optronics. Die native Auflösung des Ultra-Wide-Monitors liegt bei 2.560 x 1.080 Pixeln. Er ist zwar 35 Zoll groß und mit knapp 12 kg sehr schwer, sieht aber gut aus auf dem Schreibtisch; AOC übertreibt es nicht mit einem auffällig verschnörkelten Gaming-Design. Die vier LED-Streifen auf der Rückseite lassen sich beliebig einfärben oder ausschalten.

Genügsame Spieleauflösung

Spieler benötigen wegen der relativ geringen Auflösung nicht die modernste Grafikkarte, um flüssige Bildraten zu erhalten. Auch hier richtet sich AOC an Spieler mit einem eingeschränkten Budget. Dank Freesync-Unterstützung wird das Spektrum von 30-200 Hz flüssig wiedergegeben, sofern der Monitor über den Display-Port-Anschluss angesteuert wird. Lobenswert ist dabei die geringe Untergrenze - üblich sind eher 35 oder 40 Hz.

Neben Display Port 1.2 stehen je ein HDMI-2.0a-, VGA- und DVI-Eingang zur Verfügung. Über HDMI ist das Freesync-Spektrum eingeschränkter. Zwei 3,5-mm-Ein- und -Ausgabebuchsen sowie zwei USB-3.0-Anschlüsse-Ports gibt es ebenfalls. Einer davon unterstützt sogar USB-Quick-Charge. Die 5-Watt-Lautsprecher klingen blechern und eine Lautstärkeeinstellung von über 30 (auf einer Skala von 0 bis 100) bringt kaum noch lautere Töne hervor.

Mass Effect statt Excel

Der Monitor ist primär für Computerspiele gedacht. Für das effiziente Arbeiten halten wir selbst zwei einfache 1080p-Monitore für praktischer als AOCs Ultra-Wide. Im Desktop-Modus von Windows fehlt es besonders in der Höhe an Arbeitsfläche.

Daher haben wir World of Warcraft, Mass Effect Andromeda, Battlefield 1, Rocket League, Dirt Rally, Project Cars und viele weitere Spiele auf dem Monitor ausprobiert. Das Ultra-Wide-Format macht eindeutige Fortschritte bei der Unterstützung. Selbst das kompetetive Dota 2 wird inzwischen korrekt in 21:9 ausgegeben und gibt Spielern so etwas mehr periphere Sicht - sehr schön. Die leichte Biegung des Bildschirms ist sehr angenehm und passend für die Größe.

Positiv überrascht sind wir vom satten Schwarz, das das MVA-Panel bereits vor und auch nach unserer Kalibrierung auf den sRGB-Farbraum liefert. Für den Test haben wir dynamische Kontrastverbesserungen, Schwarzaufheller und Spielemodi ausgeschaltet und sind vom Standbild zufrieden. Zum Spielen bietet der Monitor ein klar angenehmeres Bild als übliche TN-Panel mit schönen satten Farben.

Durch die Ansteuerung des Monitors von 200 Hz spüren wir keine Eingabeverzögerung. Sofern wir die Spiele auf stabile 200 Bilder pro Sekunde optimieren, sind Eingaben in Rocket League oder Counter-Strike ein Genuss. Doch während die Eingaben direkt umgesetzt werden, können die Pixel nicht mithalten. Die Eingabeverzögerung mit 1,26 Millisekunden (gemessen mit CRT und Lagom-Suite(öffnet im neuen Fenster) ) ist sehr gering, das Umschalten der Pixel aber langsam. Bei schnellen Drehungen erkennen wir den großen Schwachpunkt des Monitors.

Nerviges Ghosting oder kein Schwarz mehr

Die Pixel des AOC AG352QCX sind nicht schnell genug für Action-, Sport- oder Rennspiele. Während wir uns in World of Warcraft noch mit verwaschenen Wäldern arrangieren können, ist das deutliche Ghosting vor allem von schwarzen Rändern in Shootern wie Borderlands 2 ein Graus.

2Ks Multiplayershooter ist das beste Beispiel, um die Schwachstelle des Monitors leicht zu demonstrieren, da alle Charaktere und Objekte durch den Cel-Shading-Look mit einer schwarzen Umrandung versehen sind. Dichte Drahtzäune, durch die man normalerweise hindurchsehen kann, werden in Bewegung zu einer schwarzen Wand. In Fifa 17 ziehen Spieler in schwarzen Trikots einen langen Farbsaum hinter sich her.

Ghosting im Test beim AOC AG352QCX
Ghosting im Test beim AOC AG352QCX (00:43)

Dieser Umstand ist inakzeptabel. In der Annahme, dass es dafür eine passende Option im Menü geben müsse, stoßen wir auf die Schattenkontrolle. An sich dafür gedacht, dunkle Ecken aufzuhellen, um versteckte Feinde leichter zu entdecken, können wir die Schattenkontrolle tatsächlich dazu verwenden, das beschriebene Ghosting auf ein akzeptables Maß zu minimieren. Dafür muss sie vom Standardwert 50 auf 60 angehoben werden. Die Skala geht in Zehnerschritten von 0 bis 100.

Blasse Farben durch Schattenkontrolle

Leider betrifft diese Umstellung die Kontrastdarstellung in hohem Maße. Das zuvor gute Schwarz wird zu einem verwaschenen Grau. Auch alle anderen Farben wirken weniger satt. Das Ghosting aber verschwindet.

Lange probieren wir noch andere Kombinationen aus Hz-Einstellungen, Overdrive mit und ohne Freesync aus. Die einzige Einstellung, die das starke Ghosting beeinflusst, bleibt aber die Schattenkontrolle.

Die maximale Helligkeit des Panels messen wir bei 261 cd/m, während der Hersteller 300 cd/m angibt. Die Blickwinkelstabilität (horizontal) von 178 Grad (Herstellerangabe) ist in der Praxis nahezu vergleichbar mit den Gaming-IPS-Panels, nur in der vertikalen Verschiebung machen wir einen zu vernachlässigenden leichten Gelbstich aus.

In einem komplett abgedunkelten Raum sind bei unserem Testmodell leichte Lichthöfe in den Ecken erkennbar. Bei normaler Raumbelichtung sind die aber nicht auffällig oder störend. Durch das MVA-Panel stört auch kein IPS-Glow, also das weiße Schimmern auf dunklen Bildinhalten.

Zufriedenstellende Verarbeitung

Der Monitor macht insgesamt den Eindruck, gut gefertigt zu sein. Einzig der Kunststoffrahmen gefällt uns weniger gut. Die Bedienung des etwas ausufernden Menüs erfolgt entweder mit einer Fernbedienung, die in der Praxis häufig mal nicht reagiert und schlecht in der Hand liegt, oder recht adäquat, ähnlich wie bei LGs Monitoren mit einem Fünf-Wege-Steuerkreuz unter dem Bildschirm.

Im normalen Betrieb benötigt der Monitor rund 23 Watt, die ihm über ein externes klobiges Netzteil zugeführt wird.

Verfügbarkeit und Fazit

Der AOC Agon AG352QCX ist für knapp 700 Euro erhältlich. Der Preis fiel eine Zeit lang im Februar bereits auf 650 Euro.

Ghosting im Test beim AOC AG352QCX
Ghosting im Test beim AOC AG352QCX (00:43)

Fazit

AOCs neuer gebogener Spielemonitor ist ordentlich verarbeitet und stellt aufgrund seiner Frequenz von 200 Hz Eingaben schnell dar, seine Pixel können aber nicht mithalten. Einen derart ausgeprägten Nachzieheffekt, besonders von schwarzen Bildinhalten, haben wir lange nicht mehr auf einem Monitor betrachten können.

Umso kurioser wird dieser Umstand dadurch, dass die Schattenkontrolle des AG352QCX zwar das Ghosting minimiert, aber den ansonsten guten Bildeindruck völlig ruiniert. Spieler müssen sich also stets fragen: Will ich ein schönes Bild mit gutem Schwarz oder schnelle Pixel?

Das ist sehr schade, da AOC abseits dieses einen Totalausfalls vieles richtig macht: Das 21:9-Format wird immer besser unterstützt. Freesync funktioniert von 30 bis 200 Hz, die Krümmung des Monitors halten wir beim Spielen für ideal und auch mit der recht niedrigen Pixeldichte können wir leben.

Knapp 700 Euro ist der Monitor aber nicht wert.


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