Mondmission: Russland will mit Luna 25 auf dem Mond landen
Der Mond ist ein begehrtes Ziel – nicht nur für die USA. Nach fast einem halben Jahrhundert will Russland wieder zum Mond zurückkehren. Am 11. August 2023(öffnet im neuen Fenster) soll es so weit sein. Bei der Mission Luna 25 geht es nicht nur um Prestige und wissenschaftliche Erkenntnisse. Es ist eine Machtdemonstration, bei der das Land zeigen will, dass es wieder im Raumfahrtgeschäft ist und zur Spitze der Raumfahrtnationen gehört.
In einer Zeit, in der Russland einen Angriffskrieg in der Ukraine führt und die meisten internationalen Kooperationen auch im Raumfahrtsektor auf Eis gelegt wurden, ist das ein gewagter Vorstoß. Hinzu kommen jahrelange Stagnation, die Insolvenz einiger Zulieferer und eine Reihe von Korruptionsvorwürfen gegen Top-Manager. Mit Luna 25 möchte Russland beweisen, dass sich Rohstoffe auf dem Mond fördern lassen.
Bisher sind nur zwei weitere Nationen auf dem Mond gelandet: die USA und China. Alle anderen Nationen und privaten Unternehmen sind an einer sanften Mondlandung gescheitert, wie zuletzt die kommerzielle japanische Mission Hakuto-R . Indien ist mit der Chandrayaan-3-Mission derzeit ebenfalls auf dem Weg zum Mond, die Landung ist noch für diesen Monat geplant, vermutlich am 23. oder 24. August.
Eine Mondlandung ist alles andere als leicht
Eine Landung auf einem fremden Himmelskörper ist alles andere als einfach. Der Strahl der Düsen, die eine sanfte Landung garantieren sollen, wirbeln so viel Staub auf, dass die Bordgeräte den Abstand zum Boden nicht immer richtig einschätzen können. Zu dieser Erkenntnis kam jüngst ein Forschungsteam in seiner am 25. April 2023 im Fachmagazin Physics of Fluids veröffentlichten Studie(öffnet im neuen Fenster) .
Russlands letzte Landung mit der Raumfahrtmission Luna 24 liegt 47 Jahre zurück und seit 1976 ist vieles passiert: Das kommunistische Regime der UdSSR ist untergegangen und Russland zu einem wichtigen Partner in der Raumfahrt geworden. Ohne die Föderation wäre nach dem Ende des US-amerikanischen Space-Shuttle-Programms kein Mensch mehr in den Orbit und somit zum Gemeinschaftsprojekt der Internationalen Raumstation ISS gelangt.
Die Welt droht sich in zwei Lager zu spalten
Voraussichtlich am 11. August 2023 soll nun das Landemodul Luna 25 zum Mond aufbrechen – und das nach etlichen Verschiebungen, vor allem wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Nur noch auf der ISS wird international zusammengearbeitet. Ohne diese Zusammenarbeit kann die Raumstation nicht bestehen. Bis 2031 soll der menschliche Außenposten weiter betrieben werden, um anschließend kontrolliert in der Erdatmosphäre zu verglühen.
In den USA will die Raumfahrtbehörde Nasa mit privaten Unternehmen kooperieren und zukünftig ihre Raumfahrer zu den kommerziellen Stationen schicken. In der Mondumlaufbahn soll eine kleinere Raumstation, das Luna Gateway, entstehen – doch bis dahin wird noch etwas Zeit vergehen.
Russland dagegen will mit seiner geplanten Ross-Raumstation (Russian Orbital Service Station) auch aus dem ISS-Programm aussteigen. Wenn alles nach Plan verläuft, soll sie ab 2027 im All platziert werden, im Folgejahr würde Russland aus dem internationalen Gemeinschaftsprojekt aussteigen.
Doch die russischen Pläne gehen noch viel weiter: Kurz vor dem Ukrainekrieg hatten China und Russland ihre großen gemeinsamen Pläne für die Kolonisierung des Mondes vorgestellt. Die chinesische Regierung und ihre Raumfahrtbehörde CNSA verkünden zwar regelmäßig ihre engagierten Ziele für ihre Mondbasis, die ab 2027 entstehen soll – von einer möglichen Kooperation mit Russland wird seit dem Ukrainekrieg in der Öffentlichkeit nicht mehr gesprochen.
Wettlauf zum Mond: nicht für Russland?
Dafür wird vor allem auf amerikanischer Seite von einem neuen Wettrennen zum Mond , dem Space Race 2.0 zwischen China und den USA, und der Gefahr einer führenden Rolle durch China gesprochen. Für Russland besteht offenbar keine Eile. Der ehemalige Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin teilte während seiner Amtszeit mit: "Wir sind nicht bereit, uns an irgendeinem Wettlauf zum Mond zu beteiligen." Dennoch wollte oder will man noch mit den Chinesen zusammenarbeiten.
Im Sommer 2021 veröffentlichte Chinas Raumfahrtbehörde ein Video , in dem sie ihre Zukunftspläne bekanntgab. Darin heißt es, dass bis 2025 die Missionen Chang'e 4 bis 7 sowie die Luna-Missionen 25 bis 27 den Trabanten erreicht sollen. Mit den Missionen Chang'e 8 und Luna 28 soll die Endfertigungstechnologie für eine Mondbasis überprüft werden. Mit Luna 28 soll ab 2027 sogar ein Rover zum Mond gebracht werden.
Inwieweit die Zusammenarbeit weiter besteht, ist unklar. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Kooperation stillschweigend weitergeführt wird. Immerhin fehlt es China an weiteren Partnern und gemeinsames und geteiltes Wissen können die chinesischen Ambitionen im All schneller vorantreiben. Russland fehlt schlicht das Geld, um als Raumfahrtnation dauerhaft ganz vorne dabei zu sein.
Mit Luna 25 fliegt Russland wieder zum Mond
Der Launch von Luna 25 war ursprünglich für den 13. Juli 2023 angesetzt, musste jedoch verschoben werden. "Die statistische Simulation der Schlüsselphase der Mission – eine weiche Landung auf der Mondoberfläche – steht kurz vor dem Abschluss," sagte ein Roskosmos-Sprecher der russischen Nachrichtenagentur Tass am 31. Mai 2023(öffnet im neuen Fenster) .
Die Mission soll mit einer Sojus-2.1b-Trägerrakete vom Kosmodrom Wostotschny nahe der chinesischen Grenze aufbrechen. Wenn alles planmäßig verläuft, soll das Landemodul sanft in der Südpolregion des Mondes landen.
Es gibt Wasser am Südpol
Hier will auch die Nasa mit ihrer Mission Artemis III landen und die erste Frau und den nächsten Mann auf der Mondoberfläche spazieren lassen. Einer von ihnen wird eine Person of Color sein. Auch die Chinesen wollen ihre Mondbasis am Südpol errichten.
Denn am Südpol wird gefrorenes Wasser vermutet. Die Mondkrater in dieser Region liegen im Dauerschatten und das einfallende Sonnenlicht fehlt, damit die Wassereis-Reserven verdunsten und sich damit verflüchtigen.
Wenn es den Raumfahrern und den mitgebrachten Robotern gelingt, dieses Wasser abzubauen, würden gleich mehrere Probleme gelöst werden: Das Wassereis kann aufbereitet und als Trinkwasser verwendet und das Wasser kann in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten werden. Der Sauerstoff kann als Atemluft genutzt werden und die Vermischung beider Stoffe für Raketenstarts. Ein Start vom Mond benötigt durch die geringe Schwerkraft viel weniger Schub – der Mond wird damit quasi das Sprungbrett zu anderen Welten wie dem Mars.
Neben dem Wassereis soll Wasser zudem im Mondregolith (Sand und Staub auf dem Trabanten) eingeschlossen sein. Ein chinesisches Forschungsteam hat beispielsweise Glaskügelchen auf dem Mond entdeckt , die Wasser gespeichert haben. Der Mondsüdpol ist somit für alle, die langfristig auf dem Mond bleiben wollen, der ideale Ausgangspunkt.
Luna 25 soll den Südpol des Mondes erkunden
Die russische Landefähre besteht aus einem vierbeinigen Unterbau und einer oberen Kammer. An den Füßen sind die Treibstofftanks und die Raketendüsen für die Landung angebracht. Im Oberbau sind die Sonnenkollektoren, die Kommunikationsausrüstung, die Bordcomputer und der größte Teil der wissenschaftlichen Ausrüstung untergebracht. Zudem verfügt die Landefähre über einen 1,60 Meter langen Roboterarm. Mit ihm soll das Regolith bis zu einer Tiefe von 0,25 Metern abgetragen werden.
Eine der beiden Hauptaufgaben dieser Mission ist die Untersuchung der Zusammensetzung des polaren Regoliths. Das soll ein Jahr lang mit diversen wissenschaftlichen Instrumenten geschehen. Mit einem Massenspektrometer (dem LASMA-LR) soll die Zusammensetzung der Regolith-Proben untersucht werden. Das Infrarotspektrometer (LIS-TV-RPM) misst das (möglicherweise) vorhandene Oberflächenwasser auf dem Mondboden.
Zudem soll das Oberflächenregolith mit einem Gammastrahlen- und Neutronenspektrometer (ADRON-LR) untersucht werden. Mit einem Panorama- und lokalen Abbildungssystem (STS-L) sollen neue Aufnahmen vom Mond gemacht werden.
Die zweite Hauptaufgabe ist die Untersuchung der Plasma- und Staubkomponenten der polaren Exosphäre des Mondes. Sie stellt die äußere Schicht der sehr dünnen Mondatmosphäre dar. In dieser polaren Sphäre soll der Staub mit einem Detektor (PML) untersucht und mit einem weiteren Detektor (ARIES-L) nach geladenen und neutralen Teilchen gesucht werden.
Als Hauptlandeplatz wurde eine Region nördlich des Boguslavsky-Kraters ausgewählt. Es kann sein, dass diese Region etwa wegen unebenem Gelände oder zu vielen Steinen ungeeignet ist. Südwestlich des Kraters Manzini wäre die zweite Landemöglichkeit. Doch erst einmal muss die Mission abheben.
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