Kommunikationsversuche trotz Absturz

Eine kurzfristig eingeblendete Animation auf Basis der Telemetriedaten des Landers zeigte, wie er 2,7 Kilometer über der Mondoberfläche kopfüber taumelte und schnell an Höhe verlor. Ersetzt wurde sie von einer Grafik mit der Flugbahn der Sonde, die nun ebenfalls eine starke Abweichung zeigte. Die letzten Daten der Telemetrie zeigten eine Höhe von 1.090 Metern, bei einer Geschwindigkeit von 276 km/h. Zu der Zeit fiel die Sonde bereits ungebremst Richtung Mond, der Aufprall erfolgte weniger als 20 Sekunden später.

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Die Stimmung im Kontrollzentrum kippte augenblicklich, das Scheitern war offensichtlich. Die Bilder erinnerten an die versuchte Landung des israelischen Mondlanders Beresheet. Wie damals verfolgten auch diesmal holländische Amateurastronomen die Mission mit dem Dwingeloo Radioteleskop. Durch Beobachtung der Trägerfrequenzen lässt sich die Geschwindigkeitsänderung der Sonde mit Hilfe des Doppler-Effekts messen.

Die Daten zeigten, wie die Sonde eine Minute nach Beginn der zweiminütigen feinen Bremsphase außer Kontrolle gerät, nicht mehr bremst und das Funksignal schließlich ganz abbricht. Diese Daten waren unmissverständlich und ließen keinen anderen Schluss zu als einen Absturz mit hoher Geschwindigkeit.

Trotz des offensichtlichen Absturzes wurde behauptet, der Funkverkehr sei unterbrochen und man warte auf Signale. Angeblich würden Versuche einer Kontaktaufnahme durchgeführt, erst von der Erde aus, dann von der gleichzeitig erfolgreich gestarteten Orbitermission. Erst nach fast einer halben Stunde gab Kailasavadivoo Sivan, Vorsitzender der indischen Raumfahrtorganisation ISRO, den Verlust der Mission offiziell bekannt.

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Die Mission ging demnach in einer Höhe von 2,1 Kilometern verloren, als der Kontakt abbrach. Zuvor sei alles normal verlaufen. Das entspricht keineswegs der eingeblendeten Telemetrie der Sonde oder den Aufzeichnungen der Dopplerverschiebung der Trägerfrequenzen. Die ISRO stellt die Mission als 95-prozentigen Erfolg dar, was an die gescheiterte Exomars-Landung der Esa erinnert, die ein 96-prozentiger Erfolg gewesen sein soll. Die unprofessionelle Kommunikationspolitik stellt einen großen Schaden für das ansonsten sehr erfolgreiche Raumfahrtprogramm Indiens dar.

Indien macht viel Raumfahrt für wenig Geld

Mit vergleichsweise geringen Mitteln von umgerechnet 128 Millionen Euro wurde eine kombinierte Mission von Mondorbiter, Lander und Rover entworfen, gebaut und gestartet. Das ist etwa das Doppelte der Kosten der Vorgängermission Chandrayaan, die nur aus einem kleinen umgebauten Satelliten als Orbiter bestand. Der Orbiter von Chandrayaan-2 allein war beim Start doppelt so schwer wie Chandrayaan.

Der Orbiter von Chandrayaan-2 funktionierte nach allen Berichten problemlos. Die Fehlerursache des Kontrollverlusts des Landers beim feinen Bremsmanöver soll nun ermittelt werden. Ob die Mission mit einem neuen Lander wiederholt wird, steht noch nicht fest. Der ebenfalls anwesende indische Premierminister Modi klopfte ISRO-Chef Sivan auf die Schulter und sagte: "Seid mutig."

In einem späteren Statement sagte Modi: "Ihr seid so weit gekommen, wie ihr konntet. Bleibt dran und schaut nach vorne. Die Lektionen von diesem Tag werden uns stärker und besser machen." Er sprach vor einem Hintergund mit dem Motto der Mission: "The sky is no longer the limit for our pride." (Für unseren Stolz ist der Himmel keine Grenze mehr.) In einer emotionalen Geste, kurz vor der Abfahrt, nahm der Premierminister den ISRO-Chef in den Arm und tröstete ihn.

Nachtrag vom 7. September 2019, 20:20 Uhr

Ein synchronisiertes Video der Livestreamübertragung und des Dopplerkurve zeigt deutlich, wie der Lander mit Beginn des feinen Bremsmanövers die Kontrolle verliert und ins Taumeln gerät.

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 Mondmission: Indischer Lander außer Kontrolle geraten und abgestürzt
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Terence01 10. Sep 2019

Die USA würde Indien sowiso verbieten weiter ins All vorzudringen, die ganze Aktion ist...

kendon 09. Sep 2019

Alles klar, dann warten wir mal gespannt. Danke für die Infos!

Frank... 09. Sep 2019

Das Raumfahrtprogramm Indiens ist in Sachen Zuverlässigkeit auf ernsthaft hohem Niveau...

sebastilahn 09. Sep 2019

Das ist absoluter Unsinn. Die schmeißen ihre toten heiligen Kühe direkt in die Flüße, wo...

chefin 09. Sep 2019

Gib einem Mann einen Fisch und er wird satt, gibt ihm eine Angel und er wird immer satt...



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