Mondmission: Die Tage nach dem Start von Artemis II
Mit der Mission Artemis II kehren Menschen nach mehr als 50 Jahren in die Nähe des Mondes zurück. Gelandet wird erst mit Artemis IV.
Wenn alles nach Plan verläuft, wird Artemis II am 2. April 2026 um 00:24 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ) in den Weltraum aufbrechen. Während des Flugs orientiert sich die Besatzung an einem festgesetzten Zeitplan(öffnet im neuen Fenster), der jedoch täglich an die tatsächlichen Bedingungen angepasst wird.
Acht Minuten nach dem Start der SLS-Rakete werden der Kommandant Reid Wiseman, der Pilot Victor Glover sowie die Missionsspezialisten Christina Koch und Jeremy Hansen den Erdorbit erreichen.
Der Weg zum Mond: Tag 1 bis 5
Nach Erreichen der Erdumlaufbahn übernimmt die Oberstufe Interim Cryogenic Propulsion Stage (ICPS) die ersten Bahnmanöver, um die Besatzung in eine höhere Umlaufbahn zu bringen. Anschließend trennt ICPS sich vom Raumschiff.
Ein Highlight des ersten Tags ist die Annäherungsdemonstration: Die Crew nutzt ICPS als Ziel, um das manuelle Steuern für künftige Dockingmanöver zu testen. In der ersten Phase prüfen die Astronauten zudem die Lebenserhaltungssysteme und konfigurieren die Kapsel für den Langzeitaufenthalt.
Am zweiten Flugtag folgt die entscheidende Zündung am Europäischen Servicemodul (ESM). Diese befördert Orion auf eine freie Rückkehrbahn. Die Gravitation des Monds wird als natürliche Bremse genutzt, um die Kapsel ohne weiteren Treibstoffverbrauch sicher zurück zur Erde zu führen.
Die Tage 3 bis 5 sind geprägt von Kurskorrekturen und medizinischen Tests. Die Crew simuliert unter anderem Wiederbelebungsmaßnahmen in Schwerelosigkeit. Ein besonderer Härtetest folgt an Tag 5: Die Astronauten prüfen ihre orangefarbenen Orion-Crew-Survival-Anzüge auf Druckfestigkeit und testen die Nahrungsaufnahme durch den Helm – eine lebenswichtige Vorbereitung für den Fall eines Druckverlusts.
Die Mondpassage: Tag 6
An Tag 6 erreicht die Mission ihren Höhepunkt. Orion schwingt in einer Entfernung von etwa 6.400 bis 9.600 km um die Rückseite des Mondes. Dabei könnte die Crew den Rekord von Apollo 13 brechen, die sich mit 400.171 km bisher am weitesten von der Erde entfernte.
Die Artemis-II-Mission ist darauf ausgelegt, diesen Rekord zu brechen und sich knapp 401.000 km von der Erde zu entfernen. Jedoch hängt das Erreichen des Rekords vom exakten Startzeitpunkt der Mission ab.
Während des 30 bis 50 Minuten andauernden Funklochs auf der Mondrückseite dokumentiert die Besatzung die Oberfläche visuell, wobei Schattenwurf und Sonnenstand über die Detailtiefe der Aufnahmen entscheiden.
Die Rückkehr: Tag 7 bis 10
Nach einem verdienten Ruhetag am siebten Tag bereitet sich die Crew auf die Rückkehr vor. An Tag 8 wird die manuelle Steuerung in allen sechs Freiheitsgraden getestet – also die Fähigkeit, das Schiff gleichzeitig zu drehen und im Raum zu verschieben. Zudem wird ein Strahlenschutzbunker aus Bordvorräten errichtet, um das Verhalten bei solaren Stürmen zu erproben.
Bevor die Kapsel die Atmosphäre erreicht, bereiten sich die Astronauten am neunten Tag medizinisch vor. Um Kreislaufproblemen (orthostatische Intoleranz) bei der Rückkehr in die Schwerkraft vorzubeugen, wird spezielle Kompressionskleidung angepasst.
Der zehnte Tag markiert das Finale: Das Servicemodul wird abgetrennt, und der Hitzeschild muss beim Wiedereintritt Temperaturen von 1.650 °C standhalten. Ein mehrstufiges Fallschirmsystem bremst die Kapsel schließlich von etwa 500 km/h auf eine sichere Geschwindigkeit bei der Wasserung von 27 km/h ab.
Die Mission endet im Pazifik, wo Bergungsteams der US Navy die Rückkehrer in Empfang nehmen.
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