Mondlandung: Blue Origin will eine Nationalmannschaft für die Mondlandung

Statt New Space wird es nun doch Old Space. Um bis 2024 eine Mondlandefähre zu bauen, kooperiert die Raumfahrtfirma von Jeff Bezos mit Unternehmen wie Lockheed-Martin und Northrop-Grumman, die schon am Apollo-Programm beteiligt waren. Dabei wollen sie vor allem SpaceX aus dem Weg gehen.

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Der Blue Moon Lander soll die Landefähre für die nächsten Menschen auf dem Mond sein.
Der Blue Moon Lander soll die Landefähre für die nächsten Menschen auf dem Mond sein. (Bild: Blue Origin)

Bis 2024 soll eine US-Raumfähre auf dem Mond landen: Blue Origin bewirbt sich mit seiner Blue-Moon-Landefähre eine Woche vor Fristende am 1. November 2019 offiziell für diesen Auftrag der Nasa,. Die Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos ging eine Kooperation mit den in der Raumfahrt und im Militär etablierten Unternehmen Lockheed-Martin, Northrop-Grumman und Draper Laboratory ein, um alle Teile für eine vollständige Landemission anbieten zu können. Es sollen zwei Anbieter für solche Landemissionen ausgewählt werden.

Wegen des engen Zeitplans ist die Nasa auf der Suche nach Serviceanbietern für eine schnellstmögliche Mondlandung. Dabei sollen die Firmen eine vollständige Lösung bereitstellen. Dazu gehört eine eigene Trägerrakete. Die Schwerlastrakete SLS ist in ihrer derzeitigen Form durch die gänzlich unterdimensionierte Oberstufe zu leistungsschwach und zu teuer, um sowohl das Raumschiff als auch eine Landefähre in den Mondorbit zu bringen.

Gleichzeitig ist eine Mondlandefähre zu schwer für die meisten anderen Raketen. Lockheed-Martin und Northrop-Grumman sind bei der Mondlandung deshalb auf eine Kooperation mit anderen Firmen angewiesen. Derzeit hat aber nur die Falcon Heavy von SpaceX genug Nutzlast. Eine Kooperation mit dem Unternehmen von Elon Musk kommt wegen der Konkurrenzsituation kaum in Frage. Durch die Raketen von SpaceX ist das ehemals profitable Raketengeschäft beider Firmen weitgehend zum Erliegen gekommen. Wenn sie diesem Konkurrenten nicht weiter helfen wollen, bleibt nur die unerprobte New-Glenn-Trägerrakete von Blue Origin übrig.

Es steckt wenig Blue Origin in Blue Moon

Für die Mondlandung sollen die Astronauten an Bord eines Orion-Raumschiffs mit Hilfe der SLS-Schwerlastrakete in einen Mondorbit fliegen und erst dort auf die Landefähre treffen. Zu diesem Zweck war der Lunar Gateway geplant, eine internationale Raumstation im Mondorbit als Zwischenstation vor und nach der Mondlandung. Die Nutzung des Lunar Gateway schreibt die Nasa aber nicht mehr vor. Die Landefähre soll lediglich so gebaut werden, dass sie bei späteren Missionen im Jahr 2026 für die Nutzung des Lunar Gateways angepasst werden kann.

Zum Start der Landefähre will Blue Origin die selbst konzipierte New-Glenn-Rakete verwenden, die sich aber noch in der Entwicklung befindet und frühestens 2021 erstmals fliegt. Die Firma entwickelt außerdem das BE-7 Wasserstofftriebwerk für eine Mondlandefähre namens Blue Moon. Welchen Anteil Blue Origin an der Entwicklung der restlichen Landefähre hat, ist nun unklar. Die Flugsteuerung des Systems soll das Draper Laboratory liefern. Lockheed-Martin soll das Aufstiegsmodul bauen, mit dem die Besatzung von der Mondoberfläche zurück zum Raumschiff im Mondorbit starten kann.

Northrop-Grumman ist zuständig für das Transferelement für den Flug vom Lunar Gateway zur Oberfläche. Es ist unklar, ob damit ein getrenntes Modul am Lander gemeint ist oder ob der Lander das gesamte Transferelement ist und Blue Origin nur das BE-7 Triebwerk dafür liefert. Denkbar ist beides. Die Firma Grumman war in den 1960er Jahren für den Bau der Apollo-Mondlandefähre verantwortlich.

Für Entwicklung und Test bleibt wenig Zeit

Die Landefähre soll vor einer Mission mit Menschen an Bord zumindest einmal getestet werden. Während des Apollo-Programms wurden vor Apollo 11 drei Testflüge mit der Landefähre durchgeführt. Der Testflug Apollo 5 ohne Besatzung im Erdorbit, Apollo 9 mit Raumschiff und Besatzung im Erdorbit und Apollo 10 mit simuliertem Landeanflug im Mondorbit. Wegen Problemen in der 1962 begonnenen Entwicklung der Landefähre konnten die Testflüge erst 1968 unternommen werden, ein weiterer geplanter Testflug musste gestrichen werden. Das Testprogramm für die neue Landefähre könnte noch kürzer ausfallen.

Für die Mission im Jahr 2024 ist geplant, dass zwei Astronauten etwa eine Woche auf der Mondoberfläche verbringen. Die Landestelle soll in einem Umkreis von etwa 100 km um den Südpol des Mondes liegen. Erst später soll die Besatzung auf vier Astronauten ausgedehnt werden. Dazu müssen bereits vor der Landung Versorgungsgüter auf die Mondoberfläche gebracht werden. Missionen während der zweiwöchigen Mondnacht sind allerdings nicht geplant.

Wegen der Beteiligung von etablierten Firmen in der Raumfahrt, die auch in den Wahlbezirken der Senatoren in der Regierung agieren, gilt die Bewerbung von Blue Origin als sehr aussichtsreich. Bezos bezeichnete die Kooperation als "Nationalmannschaft in der Raumfahrt". Wer als zweiter Vertragspartner ausgewählt wird, muss sich nach dem 1. November 2019 zeigen.

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